Integrationsvorlehre
Die Zeit drängt, sonst ist das Geld weg

Ab 2018 zahlt der Bund 13000 Franken an Vorlehren für Flüchtlinge. Die SP Baselland hat Angst, dass die Regierung die Eingabefrist für konkrete Projekte verpasst.

Philipp Felber
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Sandra Ardizzone

Flüchtlinge sollen sich schneller im Arbeitsmarkt integrieren können. Deshalb hat der Bund für 2018 eine sogenannte Integrationsvorlehre vorgesehen. Diese soll einen Einstieg in den Berufsalltag erleichtern, indem die Flüchtlinge während eines Jahres auf eine weiterführende Lehre vorbereitet werden.

Noch bis zum 22. September können sich die Kantone beim Bund melden und Projekte in Zusammenarbeit mit Unternehmen oder Wirtschaftsverbänden einreichen. 13 000 Franken würde sich der Bund so eine einjährige Integrationsvorlehre kosten lassen. Und das schweizweit bei 800 Flüchtlingen, ab 2020 sogar bei 1000. Aufgeschlüsselt nach Kantonen, würde der Kanton Baselland voraussichtlich 30 Flüchtlinge für das Projekt melden können.

SP-Landrat Andreas Bammatter ist nun aber besorgt, dass der Kanton die Frist verpasst und das Geld flöten geht. «Wir können jetzt nicht einfach Sommerpause machen», sagt er. Deshalb hat die SP-Fraktion letzte Woche im Landrat noch einmal auf die Dringlichkeit des Geschäfts hingewiesen. Regierungsrätin Monica Gschwind bekräftigte, dass vier Direktionen dran sind und das Geschäft laufe. Doch Andreas Bammatter stellt sich darüber hinaus eine Zusammenarbeit der Kantone analog zur FHNW vor. Damit könnten berufs-, oder zumindest branchenreine Schulklassen gebildet werden, so die Idee. Dies würde den jeweiligen Kompetenzen der Flüchtlinge entgegenkommen.

Über Kantonsgrenzen hinweg?

Zurzeit ist noch offen, ob der Kanton Baselland eine Zusammenarbeit mit anderen Kantonen ins Auge fasst. Dies hänge auch vom Konzept ab, welches ausgearbeitet werden müsse, heisst es aus der Direktion Gschwind. Der Bund sieht in seinen Richtlinien durchaus eine Möglichkeit vor, dass Kantone zusammenarbeiten. So ist auch der Kanton Basel-Stadt an einer Zusammenarbeit interessiert, wie Manasse Burkard von der Schnittstelle Integration auf Anfrage klar macht. Dies weil Basel-Stadt schlicht zu wenig Flüchtlinge habe, um sinnvolle Klassengrössen zu erreichen. Der Stadtkanton hat bereits erste Erfahrungen mit ähnlich gelagerten Projekten gemacht. Und auch der Kanton Solothurn, ebenfalls Teil des Bildungsraums Nordwestschweiz, hat Interesse an einer Zusammenarbeit. Zwar will man dort zuerst innerkantonale Lösungen suchen. Aber in einem zweiten Schritt sei eine Lösung über Kantonsgrenzen hinweg zu suchen.

Ab 2023 soll gespart werden

Das Staatssekretariat für Migration (SEM) geht davon aus, dass eine Mehrheit der Kantone eigene Projekte einreichen wird. Bereits haben zudem mehrere Berufsverbände signalisiert, dass sie an einer Beteiligung an der Integrationsvorlehre Interesse haben. So etwa im Berufsfeld Logistik, Gastronomie oder Gleisbau.

Die Integrationsvorlehre richtet sich an anerkannte Flüchtlinge und vorläufige Aufgenommene. Dabei sollen etwa Sprache, schulische Grundkompetenzen und Schweizer Normen und Werte vermittelt werden, wie das SEM zum Pilotprojekt schreibt. Im Anschluss sollen die Flüchtlinge fit genug sein, um eine normale Lehre zu absolvieren. Der Bund hat einen Verpflichtungskredit von 54 Millionen Franken für die Integrationsvorlehre gesprochen. Vier Jahre, das heisst bis in den Sommer 2022, dauert das Pilotprojekt. Es sei vorgesehen, dass der Bundesrat 2021 über eine weitere Finanzierung berät, wie SEM-Sprecher Lukas Rieder mitteilt.

Der Bundesrat rechnete in einem Bericht aus dem Jahr 2014 damit, dass durch die Massnahme ab 2023 unter dem Strich gespart werden kann. Er geht in seinen Berechnungen davon aus, bei einer optimalen Durchführung des Programms 40 Prozent der teilnehmenden Flüchtlinge von der Sozialhilfe wegzubringen. Der Nutzen für den Staat: 35 000 Franken pro Jahr und Flüchtling, der nicht mehr von Sozialhilfe lebt. Dies geht aus einer Studie des SEM hervor.

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