Urteil
E-Bike-Fahrer in Therwil tödlich verunfallt: Autofahrer wird freigesprochen

Im Juli 2016 verunfallte in Therwil ein 66-jähriger E-Bike-Fahrer beim Linksabbiegen schwer, er starb später im Spital. Ein 27-Autofahrer wurde am Dienstag vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Patrick Rudin
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Ein 66-Jähriger starb sechs Wochen nach dem Unfall an den Folgen der schweren Verletzungen.

Ein 66-Jähriger starb sechs Wochen nach dem Unfall an den Folgen der schweren Verletzungen.

Hanspeter Bärtschi

Es geschah kurz nach zwölf Uhr an einem Tag im Juli 2016: Ein 66-jähriger Mann fuhr mit seinem Elektro-Bike von Reinach in Richtung Therwil und bog auf der Reinachstrasse nach links ab. Dabei erfasste ihn von hinten ein Transporter, der 66-Jährige wurde förmlich weggeschleudert und starb sechs Wochen später im Spital an den Folgen der schweren Verletzungen.

Am Dienstag musste sich der 27-jährige Autofahrer vor dem Strafgericht in Muttenz wegen fahrlässiger Tötung verantworten: Er hatte den Transporter seines Arbeitgebers an jenem Tag gelenkt. «Ich habe gesehen, dass der Mann seine Hand ausstreckte, deshalb habe ich abgebremst», sagte er. Aber dann habe der Velofahrer die Hand wieder an den Lenker genommen und auch nicht zurückgeschaut, deshalb sei er davon ausgegangen, dass der Mann doch nicht abbiegen wolle.

Der 66-Jährige konnte im Spital von der Polizei noch vor seinem Tod befragt werden, er hatte angegeben, einen Blick zurückgeworfen zu haben, dabei aber kein herannahendes Auto gesehen zu haben. In der Unfallmeldung erwähnte die Polizei allerdings bereits, der Mann sei «unvermindert nach links auf die Fahrbahn gefahren».

Staatsanwaltschaft für Freispruch

Die Bremsspuren liessen darauf schliessen, dass der Transporter mit einer Geschwindigkeit zwischen 60 und 72 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Staatsanwältin Caroline Horny forderte überraschend einen Freispruch: Der 66-Jährige sei tatsächlich in einem sehr steilen Winkel abgebogen, dem Autofahrer könne man kein strafrechtlich relevantes Verhalten nachweisen.

Opfervertreter Heiner Schärrer war damit allerdings gar nicht einverstanden: Er forderte einen Schuldspruch und für die Ehefrau des Opfers eine Genugtuung von 40'000 Franken, für die beiden Söhne 40'000 und 30'000 Franken. Dazu kam ein Haushalts- und Versorgerschaden von über einer Viertelmillion Franken. Der 27-jährige Autofahrer hätte verlangsamen müssen, zumal 150 Meter nach der Kollisionsstelle bereits die 50er-Tafel stehe.

«Das Verhalten des verstorbenen Verkehrsteilnehmers wird hier schlechtgeredet, Nichteinspuren und Nichtzurückblicken wird plötzlich als feststehendes Faktum gewertet», so Schärrer. Auch der Wert von 0,6 mg THC im Blut des Autofahrers spreche nicht für ihn, auch wenn dies noch erlaubt sei.

Peter Nedwed als Verteidiger des Autofahrers forderte einen Freispruch, der verstorbene Velofahrer habe sich grob fahrlässig verhalten. «Die Sorgfaltspflichten an Autofahrer dürfen nicht so hoch angesetzt werden, dass sie weltfremd werden», warnte er.

Alle Forderungen abgewiesen

Einzelrichter Daniel Ivanov gab ihm Recht: Der 66-Jährige habe sich sehr riskant verhalten, und dies auf einer Strasse, auf der Tempo 80 erlaubt ist. Er habe keinen Vortritt gehabt und nicht gebührend zurück nach hinten geschaut, bevor er abgebogen sei. Den 27-jährigen Autofahrer sprach das Gericht deshalb frei. Auch die finanziellen Zivilforderungen wurden abgewiesen: Den Lenker treffe keine Schuld, weswegen er nicht zu Schadenersatz verpflichtet werden könne, allenfalls wäre eine Kausalhaftung des Fahrzeughalters denkbar. Schärrer kündete an, eine schriftliche Begründung des Urteils zu verlangen, um einen Weiterzug zu prüfen.