Bottmingen
Ein Bottminger Ehepaar will sich nicht mit dem Untergang der Bürgergemeinde abfinden

Die Bürgergemeinde Bottmingen steuert auf Konkurs zu: Sie hat keine gewinnbringendne Ländereien oder Immobilien. Elisabeth und Albert Schweighauser wehren sich gegen diesen Niedergang.

Michel Ecklin
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Die Bürgergemeinde besitzt keine Ländereien oder wertvolle Immobilien wie das Schloss Bottmingen.

Die Bürgergemeinde besitzt keine Ländereien oder wertvolle Immobilien wie das Schloss Bottmingen.

Jeremias Schulthess

Es sieht nicht gut aus für die Bottminger Bürgergemeinde. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden hat sie keine gewinnbringenden Ländereien oder Immobilien. Wald ist nur wenig da, und er ist defizitär. Würde die Einwohnergemeinde nicht seit vielen Jahren eine bestimmte Summe pro Einwohner einschiessen, wäre die Bürgergemeinde lange in Konkurs.

Kommt hinzu: Die Bürgergemeinde ist in Bottmingen ein Scheinkonstrukt. Der Bürgerrat ist personell deckungsgleich mit dem Gemeinderat. Die Rechnung wird von der Einwohnergemeinde geführt, der Gemeindeverwalter amtet in beiden Gremien. Kein Wunder, sind die Bürgergemeindeversammlungen schlecht besucht. Und auch nicht überraschend ist, dass der Gemeinderat im Februar die Fusion mit der Einwohnergemeinde vorschlug. Das lehnte eine Mehrheit der Bürgergemeindeversammlung zwar ab, forderte aber Dialogveranstaltungen zur eigenen Zukunft. Da erschienen dann von 700 Ortsbürgern 26, zu einem zweiten Termin 4. Das Ende der Bürgergemeinde scheint also absehbar – wäre da nicht ein Paar, das weiter für deren Existenz kämpfen will.

Lust auf Engagement hält sich in Grenzen

Elisabeth und Albert Schweighauser plädieren nicht für ein Zusammengehen mit der Einwohnergemeinde, sondern im Gegenteil für eine eigenständigere Bürgergemeinde. «Die Verwaltung ist schwerfällig», sagt Elisabeth Schweighauser. «Es muss nicht immer alles von der Gemeinde kommen.» Verwaltet werden solle die Bürgergemeinde im Milizsystem, findet sie, also «günstiger, als wenn man die Verwaltung einbezieht», und auch flexibler. Bei der Waldpflege könne man auf Freiwilligeneinsätze setzen. «Das gibt dann soziale Anlässe, damit haben andere Gemeinden gute Erfahrungen gemacht.» Auch könne man über Anlässe nachdenken, die Geld einbringen würden. Schliesslich würden heute Vereine den 1. August oder den Banntag mitorganisieren, was ursprünglich Sache der Bürgergemeinde gewesen sei.

Wichtig ist den beiden auch, dass die Bürgergemeinde den frisch Eingebürgerten näher ist. Diese könnten zum Beispiel Essen aus ihren Herkunftsländern anbieten. «Essen verbindet», ist Elisabeth Schweighauser überzeugt. Mélanie Krapp, Präsidentin des Bürger- und Gemeinderats, zeigt sich «einer vermehrten Aktivierung der Bürgergemeinde offen gegenüber». Gleichzeitig erinnert sie an Versuche, auf Freiwilligeneinsatz zu setzen. So sei die Wald- und Bachputzete mangels Teilnehmern eingestellt worden. Bei den Anlässen, die die Gemeinde organisiere, etwa der 1. August oder der Neujahrsapéro, frage man immer wieder Vereine um Mithilfe an. «Dabei wird es jedes Jahr schwieriger, einen zu finden, der sich engagieren möchte», hat sie festgestellt. Ihr Fazit: «Bürgerinnen und Bürger sind nur vereinzelt bereit, langfristiges Engagement aufzubringen, wie bisherige Aktivitäten zeigen.»
Die Schweighausers suchen jetzt per Flyer Ortsbürger, die ihre Überlegungen diskutieren wollen. Zeit dafür haben sie jedenfalls. An der Bürgergemeindeversammlung am 11. Dezember wird der Bürgergemeinderat vorerst keine Vorlage zur Fusion mit der Einwohnergemeinde präsentieren.

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