Hemmig-Haus
Ein neues Schmuckstück fürs Baselbiet

Ein 450 Jahre altes Bauernhaus in Gelterkinden wurde liebevoll restauriert – mit Überraschungen inklusive. «Das Ziel war, möglichst viel von der Substanz zu erhalten und kein Disneyland zu kreieren», sagt der Restaurator.

Lucas Huber
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Das Hemmig-Haus in Gelterkinden

Das Hemmig-Haus in Gelterkinden

Zur Verfügung gestellt
... und hier das Nachher-Bild.

... und hier das Nachher-Bild.

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«Die Toilette war ursprünglich im Saustall.» Was Stefan Buess mit «ursprünglich» meint, bedeutet: vor 30 Jahren. Bis vor kurzem war dieses alte Bauernhaus in Gelterkinden «stark bedroht», wie Buess sagt. In den vergangenen zwei Jahrzehnten stand es leer, heute gehört es seiner Firma, der Malerei
Buess AG. Gerade deswegen war es ein Sehnsuchtsort für den Maler und Top-Restaurator mit eigenem Betrieb. Wenn die kantonale Denkmalpflege in einem der rund 700 geschützten Objekte einen Restaurator braucht, ist Buess jeweils erste Adresse. Er restaurierte schon die Deckenmalereien im Schloss Wildenstein zu Bubendorf oder im Basler Hotel Dreikönig.

Wenn andere fordern, Böden rauszureissen oder gar ganze Häuser im Kern zu sanieren, rät Buess zur Besonnenheit und marschiert mit Präzisionswerkzeug auf. So wie im sogenannten Hemmig-Haus an der Tecknauerstrasse in Gelterkinden, einem klassischen Bauernhaus mit angebauter Scheune.

Geschichte spüren

1564 wurde es erbaut, so steht es in Stein gehauen über der Eingangstür. Mehrere Modernisierungsschritte sind rückblickend nachvollziehbar: 230-jährige Türscharniere, die Rokoko-Tür auf der Hinterseite von 1792, der einstige Tabaksschopf aus den 1920er-Jahren. Und dann war da diese Toilette im mittlerweile abgerissenen Saustall. Es ist eine bewegte Geschichte, die das Hemmig-Haus hinter sich hat. Restaurator Stefan Buess erhielt von den Vorbesitzern Handwerker-Rechnungen aus dem Jahr 1904. Damals wurde das Haus elektrifiziert, abgerechnet wurde pro installierte Lampe. «Ein Haus wie dieses erzählt Geschichten, man fühlt sie buchstäblich», sagt er. Akribisch hat er 200-jährige Tapetenschichten freigelegt und den Holzboden von 1850 unter Belägen von Gips, Linoleum und Spannteppich hervorgeholt.

Er hat die Kachelöfen wieder zum Feuern gebracht, eine Zentralheizung eingebaut, Isolierverglasungen über die Originalfenster geschraubt und seltene Kastenschlösser aus dem späten 18. Jahrhundert aufbereitet. Und wo die Bodenfliesen in der Küche gesprungen waren, malte er kurzerhand neue auf.

Historisches Bijou

Illusionsmalerei nennt man das. Ein Unterschied zu den Originalen ist nicht zu entdecken. «Das Ziel war, möglichst viel von der Substanz zu erhalten und kein Disneyland zu kreieren. Ein solches Haus lebt von den Details, sie machen den Charakter aus.» Vier Jahre hat er sich dafür Zeit gelassen. Heute sei es, ist Buess überzeugt, eines der am besten erhaltenen Bauernhäuser im Baselbiet. Das soll mit seinen zwei Wohnungen noch in diesem Jahr wieder bewohnt werden. In der Scheune, die zum Loft umgebaut wurde, wohnt bereits ein Mitarbeiter von Buess.

Doch vorher will er das Haus der Öffentlichkeit zeigen. Bereits vor vier Jahren hatte er Tür und Tor zu den Tagen des Denkmals geöffnet. Über 100 Interessierte liessen sich damals durch die alten Gemäuer führen. Morgen Freitag und Samstag führt Stefan Buess erneut durchs Hemmig-Haus. Er verspricht ein anderes Erlebnis: ein unvergessliches.

Tage der offenen Tür Freitag, 12. Juni, 17 bis 19 Uhr; Samstag, 13. Juni, 9 bis 13 Uhr, Tecknauerstrasse 17, Gelterkinden.

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