Baselbiet
Eine Festansprache an alle Lehrabgänger, die nie gehalten wird

Der Land-Schreiber möchte gerne ein paar erhebende Worte an alle erfolgreichen Lehrabgänger richten: Eine voll fett, krasse Message will er an alle Ausgelehrten richten.

Bojan Stula
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Links die Prominenz, rechts die Angehörigen, in der Mitte die Tänzer und ganz hinten auf der Bühne die erfolgreichen Lernenden.

Links die Prominenz, rechts die Angehörigen, in der Mitte die Tänzer und ganz hinten auf der Bühne die erfolgreichen Lernenden.

Nicole Nars-Zimmer

Leider bin ich noch nie dazu eingeladen worden, an einer Lehrabschlussfeier eine Rede zu halten; was ich weder verstehe noch verzeihe. So ging auch die Rangfeier am Freitag in Münchenstein ohne erhebende Worte von mir über die Bühne, was Konsequenzen haben könnte. Schliesslich beschäftigen mich die therapeutischen Folgen der gefühlt zweistündigen Festansprache an meiner Maturfeier 1988 über Johann Jakob Bachofen und die Entstehung des Mutterrechts bis auf den heutigen Tag. Wenn ich am Freitagabend etwas zu den Besten der Besten und Fleissigsten unter den Fleissigen hätte sagen können, dann hätte sich das vermutlich so angehört:

Ich finde das voll fett, dass ihr bei den krassen Prüfungen, die sich nur eure Bobos so ausdenken können, nicht gefailt habt. Was heisst hier ‹nicht gefailt›? Voll geswagt habt ihr! Ihr seid Maschinen! Neben euch sind alle anderen bloss Pussys! Passt einfach auf, dass ihr jetzt nicht den Fame kriegt, denn sonst seid ihr plötzlich selber nur Opfer. Aber halt, jetzt fange ich schon an, euch voll zu dissen, obwohl ich mir fest vorgenommen habe, euch nicht mit irgendwelchen Loser-Rhymes anzumachen. Denn, hey, no shit, ihr habt schon jetzt mehr drauf, als ich und alle anderen Milf-Hunter das je hatten. Lasst euch von euren Bobos und anderen Hobbylosen ja nicht einreden, früher sei alles besser gewesen. Das ist voll-krass-extremer Azzlack-Shit.

Die History ist die, dass wir langweilige Siffer waren, die sich schon als volle Helden ansahen, wenn sie am Samstagnachmittag, statt an die Pfadiübung zu gehen, fürs AJZ demonstrierten. O. k., gekifft wurde damals schon, aber so krass in die City zum Eskalieren gingen wir nie. Vom Chillen hatten wir eh keine Ahnung, sondern lernten an der Heimatfront brav unsere Gedichte auswendig. Ja, Gedichte, keine Rhymes, Homies! Dafür hielten wir uns voll für Ché, weil wir Velo fuhren, um das Waldsterben zu batteln, Strassenschilder abschraubten, um dem asozialen Staat zu schaden, und Poch-Plakate aufhängten, weil wir Reagan, Thatcher und Kohl hassten, und zwar in dieser Reihenfolge. Irgendwie hatte das schon noch Groove. Hey yo! Jetzt geht er wieder mit mir durch, dieser Nostalgie-Shit, der euch bloss ein WTF entlockt. Aber ihr werdet es selber sehen, in 20, 30 Jahren, wie es ist, wenn man als Grufti vor solchen Stars steht, die gerade gerissen haben und von jetzt an krass abhängen werden.

Nur eine Message will ich euch in dieser Happy Hour wirklich mitgeben, I swear: Ihr seid nicht so fett, wie ihr glaubt. Also, nicht ‹nicht so fett›, wie ihr das jetzt checkt. Ich meine richtig fett. Also fett fett; so mit Körpergewicht und so. Nein, so fett seid ihr nicht – das werdet ihr erst in 20, 30 Jahren sein. Ich weiss, wovon ich rede. Dafür seid ihr sonst fett und krass und ultrafresh. Ich beneide Euch, Bitches!»

Ich verstehe immer noch nicht, warum mich niemand einladen will – mich Loser.