Öffentlicher Verkehr
Einstellung des «Läufelfingerli» an den Landrat überwiesen

Die Umstellung der S-Bahnlinie Sissach-Läufelfingen-Olten auf Busbetrieb ist eine der umstrittensten Massnahmen im 8. Generellen Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr (GLA) im Kanton Baselland. Trotz Spardruck enthält dieser aber auch Verbesserungen beim Angebot.

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Sabine Pegoraro stellt den neusten Leistungsauftrag an den öV für den Zeitraum 2018 - 2021 vor

Sabine Pegoraro stellt den neusten Leistungsauftrag an den öV für den Zeitraum 2018 - 2021 vor

Kenneth Nars

Baselland brauche einen guten und starken öffentlichen ÖV, sagte Baudirektorin Sabine Pegoraro am Mittwoch bei der Präsentation des neuen GLA vor den Medien. Angesichts der angespannten Finanzlage des Kantons müsse das Angebot aber gestrafft und gefestigt werden.

Die Regierung hat die 90 Seiten starke GLA-Vorlage am Dienstag gutgeheissen. Nun muss noch der Landrat darüber befinden, wie der öffentliche Verkehr im Baselbiet 2018 bis 2021 weiter entwickelt werden soll. Optimierungen stehen dabei im Vordergrund.

Aus für das "Läufelfingerli"

Tatsache werden soll mit dem GLA die von der Regierung seit Jahren angestrebte Einstellung des "Läufelfingerli. Die Umstellung dieser Bahnlinie auf Busbetrieb gehörte auch in der Vernehmlassung zu den umstrittensten Vorhaben, wie an der Medienkonferenz zu erfahren war.

Der Baselbieter Verkehrsplaner Dominic Wyler räumte ein, dass der auf den Fahrplanwechsel 2019 geplante Busbetrieb anstelle der S9 für das Homburgertal auch Nachteile habe: So verlängere sich Fahrzeit in Richtung Olten um 15 Minuten. Anderseits profitiere die Mehrheit der Gemeinden im Tal von besseren Anschlüssen in Sissach und einem dichteren Taktangebot.

In Allschwil sieht der GLA eine weitere Optimierung der schon im Fahrplan 2015 eingeführten Massnahmen vor. So werden die Buslinien 38 und 48 verknüpft. Dadurch entstehen neue Direktbeziehungen, für die es unter dem Strich weniger Fahrzeuge braucht.

Margarethenstich

Um die Erreichbarkeit des Allschwiler Friedhofs sicherzustellen, wird zudem die Linie 61 ab Letten verlängert. Überdies verkehrt die Linie 64 künftig regelmässiger und gewährleistet in Dornach-Arlesheim Anschlüsse an die S-Bahn.

Verbessert werden soll das ÖV-Angebot im Baselbiet etwa durch den Margarethenstich. Diese neue Tramstrecke ermöglicht neue und schnellere Direktverbindungen aus dem Leimental zum Bahnhof SBB in Basel. Die Inbetriebnahme ist für Dezember 2020 vorgesehen. Auch der Ausbau der Bahnstrecke durch das Laufental, den Baselland mit 130 Millionen Franken vorfinanziert, zählt zu den Verbesserungen.

Daneben enthält der GLA punktuelle Verbesserungen oder Verschlechterungen bei einzelnen Buslinien. Massgebend dafür ist der Kostendeckungsgrad.

Regelmässige Tariferhöhungen angestrebt

Baselland will die dem Kanton und damit dem Steuerzahler verbleibenden Kosten für den öffentlichen Verkehr auf dem aktuellen Niveau von rund 40 Millionen Franken stabilisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, werden im GLA auch regelmässige Tariferhöhungen angestrebt.

Umsetzen könne Baselland solche allerdings nicht in eigener Kompetenz, räumte die kantonale ÖV-Delegierte Eva Juhasz ein. Für höhere Tarife brauche es auch die Partner des Tarifverbunds Nordwestschweiz.

Zur Optimierung des ÖV-Angebots sollen auch Zielvereinbarungen mit Transportunternehmen sowie Ausschreibungen von Linien führen, wie dies derzeit beim Busbetrieb für das Homburgertal der Fall ist.

Laut Verkehrsplaner Wyler kann die Vorgabe des Landrats, im GLA den Staatshaushalt um 900'000 Franken zu entlasten, eingehalten werden. Weil der Bund 38 Prozent an den Regionalverkehr beisteuert, brauche es dafür aber Brutto-Einsparungen von insgesamt 1,4 Millionen Franken.

Das ÖV-Angebot sei aber im Baselbiet trotz Sparmassnahmen weiterhin "sehr, sehr gut", stellte Eva Juhasz fest. Kritiker aus dem rot-grünen Lager sehen dies indes anders: Neben dem Aus für die S9 ist ihnen auch die Ausdünnung des Busangebots namentlich in den Randregionen ein Dorn im Auge.

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