Freitod
«Es gibt einfach zu viele von uns» – Aus diesen Gründen beging David Goodall (†104) Suizid

Nach dem Ableben des 104-jährigen australischen Wissenschaftlers werden weitere Fakten aus seinem Nachlass bekannt.

Bojan Stula
Drucken
Teilen
David Goodall
5 Bilder
Der Australier musste in die Schweiz reisen, um Sterbebegleitung zu erhalten.
Zwei Tage vor dem Tod: David Goodall erholte sich im Garten eines Basler Hotels von den Strapazen seiner Weltreise.
David Goodall testete am Donnerstagmorgen den Mechanismus, um später eigenhändig die tödliche Infusion öffnen zu können.
David Goodall wollte sterben und begrüsste den Medienauflauf, der sein Vorhaben auslöste.

David Goodall

Martin Toengi

David Goodall hat auch deshalb den Freitod gewählt, weil er einen Beitrag im Kampf gegen die Überbevölkerung leisten wollte. Dies geht aus einem Rundbrief der Organisation Exit International hervor, der am Mittwochmorgen verbreitet wurde.

Das Schreiben stützt sich auf letzte Gespräche des verstorbenen Umweltwissenschaftlers mit seinen Begleitern, wie Exit-International-Direktor Philipp Nitschke schreibt. Dazu zählte auch Ruedi Habegger, der Mitbegründer der Sterbehilfeorganisation Eternal Spirit, die Goodall am vergangenen Auffahrtsdonnerstag in den Tod begleitete.

«Es gibt einfach zu viele von uns»

«Es gibt einfach zu viele von uns, die zu viel konsumieren und zu viele Ökosysteme zu schnell verändern», soll der 104-Jährige kurz vor seinem begleiteten Suizid in einem Liestaler Sterbezimmer gesagt haben. Die Klimaerwärmung sei ein erkennbarer Ausdruck dessen. Gleichzeitig ermunterte Goodall andere alte Menschen dazu, es ihm gleichzutun.

Die Gesellschaft solle es wenigstens jenen Menschen, die so wie er sich zum Freitod entschlossen haben, keine zusätzlichen Hürden in den Weg legen und diesen den letzten Schritt erleichtern.

Laut Nitschke begrüsste Goodall den Medienauflauf nach seiner Ankunft in Basel, um seine Gedanken zum Zustand der Welt teilen zu können. Hingegen sei er verärgert über sein Heimatland Australien gewesen, dass ihn dazu gezwungen hätte, zuerst «zur anderen Seite der Welt» zu reisen, um jenen friedlichen Tod zu erlangen, auf den er seiner Ansicht nach ein Anrecht gehabt hat.

Pessimistischer Ausblick

Was die Zukunft der Welt angeht, so gab Goodall zum Abschied einen ziemlich pessimistischen Ausblick. Es sei zu spät, zum ökologisch ziemlich ausgeglichenen Zustand der Erde Ende der 1950er-Jahre zurückzukehren. Das Einzige, was die Menschheit jetzt noch tun könne, sei es, sich an die neuen Verhältnisse anzupassen und weitere Schäden zu verhindern.

Die Erste Welt müsse sich dabei stets bewusst sein, dass sie die Hauptschuld an der Umweltkatastrophe trage. Doch kurzsichtige Partikularinteressen dürften verhindern, dass selbst die Klimaziele von Paris umgesetzt werden.

Aktuelle Nachrichten