Allschwil
«Es ist das IS-Stück schlechthin»

Mit «Hexenjagd» von Arthur Miller zeigt die Allschwiler Theatergruppe Zum Schwarze Gyger zurzeit ein Stück, das vor über 300 Jahren spielt. Regisseur Felix Bertschin erklärt, wieso es trotzdem brandaktuell ist.

Julia Gohl
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Religion wird zur Waffe und endet in einer Hexenjagd.

Religion wird zur Waffe und endet in einer Hexenjagd.

zvg

Herr Bertschin, wieso fiel die Wahl auf das Stück «Hexenjagd»?

Felix Bertschin: Weil es sehr aktuell ist. Für mich ist es eigentlich das IS-Stück schlechthin. Denn es greift das Thema des religiösen Fanatismus auf. Im Stück wird Religion zum Instrument und zur Waffe. Während der Proben wurde diese Grundidee durch die Ereignisse in der Türkei sogar nochmals von der Aktualität überholt. Was im Anschluss an den Putschversuch passiert ist, wurde oft ganz direkt als Hexenjagd bezeichnet. Dieser Aktualitätsbezug ist aber nur ein Aspekt bei der Wahl des Dramas von Arthur Miller. Der andere ist, dass es ganz einfach ein hervorragendes Stück ist, das die Anforderung der Theatergruppe Zum Schwarze Gyger erfüllt, gutes Theater mit literarischem Anspruch zu machen. Deshalb halten wir uns auch sehr treu an die Vorlage.

Aber angekündigt war, Sie würden das Stück in die Gegenwart adaptieren?

Ja, aber nicht in dem Sinne, dass die Geschichte in der heutigen Zeit spielt oder die Kostüme modern sind. Das alles orientiert sich streng am Original. Wir setzen sogar die Regieranweisungen von Arthur Miller fast sklavisch um. Aber wir haben das Ganze verfremdet. Unter anderem starten die Schauspieler in moderner Kleidung im Publikum und wechseln dann zu Beginn des Stücks für das Publikum sichtbar in ihre Kostüme. Die Regieranweisungen von Arthur Miller werden während der Darbietung eingeblendet, und auch er selbst tritt zusammen mit seiner Lebensgefährtin Marylin Monroe auf, um das Gezeigte zu kommentieren und in der Geschichte zu verorten. Auch die Musik macht viel aus. Durch all diese Elemente merkt das Publikum immer wieder, dass es in einem Theater ist, gespielt von Leuten von heute. Das schafft eine Verbindung der Gegenwart ins 17. Jahrhundert.

Sie führen zum ersten Mal für die Theatergruppe Zum Schwarte Gyger Regie. Wie ist die Zusammenarbeit?

Ein neuer Regisseur macht wohl erst einmal nervös. Viele Schauspieler wussten nicht, worauf sie sich einlassen, und ich habe einen eigenen Regiestil. Aber es hat alles sehr gut geklappt. Viele spielen schon länger bei der Theatergruppe mit, andere Schauspieler sind neu dazugekommen, wieder andere kenne ich von früher und habe sie für dieses Stück mitgebracht. Spätestens mit der Premiere am 26. August haben wir bewiesen, dass die Zusammenarbeit gut läuft und wir ein wunderbar funktionierendes Ensemble geworden sind.

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