Fake News aus Bubendorf

Willi Näf
Merken
Drucken
Teilen

Ist ja recht, dass der Bund wieder übernommen hat, ich sag ja nichts, aber unter uns: Ich mag den Kantönligeist. Und den Halbkantönligeist. Und den Dörfligeist und den Quartierligeist. Keine Strasse ist wie die andere. Nehmen wir meinen Wohnort Bubendorf: An der Kirchstrasse oben sind sie froh und unmaskiert. Dank der Hanglage nach Süden ist es wärmer, Anwohner und Anviren sind draussen, die Aerosölchen verteilen sich. In der schattigen Gstaltensiedlung aber bleiben Viren und Menschen in den Wohnungen und vermehren sich, zumindest die Viren. Also brauchen wir doch quartierspezifische Massnahmen?

Bei uns klappt das prima. Im Rütteli gilt im Parkverbot jetzt Halteverbot. Spontane öffentliche Virenansammlungen sind untersagt. Bei den Briefkästen im Langgarben sind Schimpfgegner verpflichtet, die Luft anzuhalten. Im Brühl wurde das Atmen beschränkt auf drei Züge pro Person und Viertelstunde, die Gesichter der Jogger leuchten in allen Herbstfarben. Auf den Spielplätzen im Sappeten sind Verunstaltungen verboten und gemobbt werden darf nur noch online.

Auch mein Quartier ist tipptop aufgestellt. Kids Tracing ist Pflicht, will heissen: Die Kinder auf der Spielwiese müssen angeschrieben werden, es gilt Abholpflicht, auch bei Schnoderbuben und Risikopuppen. Damen- und herrenloser Nachwuchs wird beim Eindunkeln getestet, zugewiesen und anteilsweise auf die Haushalte verteilt. Wir haben einen quartiereigenen Gesundheitsdirektor ernannt, Alain Bengelberger. Wenn der auftaucht mit Hut auf dem Kopf und Maskforce im Gesicht, dann wissen die Sprösslinge: Yo bro, verschärfte Bedrohungslage, der schickt dich heim und dann musst du ohne Znacht in Quarantäne. Auch Konsumation auf unserer Piazza gibt’s nur noch sitzend. Unsere Anwohnerinnen und Anwohner verhalten sich so vorbildlich, die wechseln jetzt sogar die Strassenseite nicht mehr nur bei mir.

Soweit die aktuellen Fake News aus Bubendorf. Gegen das Virus schützen Sie sich bitte mit Abstand und Maske, gegen eine Infektion mit Pessimismus helfen Anstand und Humor. Benützen Sie aber nur grimmigen, trockenen Humor. Wegen der Aerosölchen. Und halten Sie die Ohren steif. Die Maske hält dann auch besser.