Hausbaugeschichte
Fall Jacobi: Seltisberg ist immer noch im Erregungs-Modus

Im neusten Lokal-Anzeiger fliegen die Fetzen: Die abgewählte Gemeinderätin Vanessa Duss Jacobi holt zu einem Rundumschlag aus, und der Gemeinderat kritisiert seine Aufsichtskommission.

Andreas Hirsbrunner
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Vanessa Duss Jacobi ist sich bei der Kontroverse um den Hausbau in Seltisberg keinerlei Fehler bewusst. (Archiv)

Vanessa Duss Jacobi ist sich bei der Kontroverse um den Hausbau in Seltisberg keinerlei Fehler bewusst. (Archiv)

Roland Schmid

Nach den Irrungen und Wirrungen rund um den Hausbau des – für Baselbieter Massstäbe – Glamour-Paars Oliver Jacobi und Vanessa Duss wischt Seltisberg immer noch Scherben zusammen. Und es produziert neue. Das geht aus dem neusten Gemeindeanzeiger hervor. Da verabschiedet sich die abgewählte Gemeinderätin Vanessa Duss auf den beiden ersten Anzeiger-Seiten mit einem Rundumschlag. Ihr Fett bekommen dabei die Medien ab, die mit ihrem «monatelangen Bashing» mitverantwortlich für ihren unfreiwilligen Abgang sein sollen.

Aber auch die Geschäftsprüfungskommission (GPK) erhält Schelte für ihren offenbar mangelhaften Bericht und jenen zwei ehemaligen Gemeinderäten, die mit einem Flugblatt im Januar die ganze Affäre ins Rollen brachten, unterstellt sie vielsagend-nichtssagend eine «Teichgate-Affäre», weil im Garten des einen, so deutet es Duss zwischen den Zeilen an, illegal ein Teich gebaut worden sei.

Die Juristin selbst ist sich hingegen keinerlei Fehler bewusst. Sie verweist in ihrem Abschiedsbeitrag darauf, dass es sich bei der ganzen Hausbaugeschichte, bei der es in erster Linie um (Über-) Nutzungsfragen geht, um ein laufendes Verfahren handle, bei dem das zuständige Bauinspektorat noch nicht entschieden habe.

Offensiver kommunizieren

Auch der Gemeinderat lässt aufhorchen: Er entschuldigt sich im Anzeiger «in aller Form bei der Bevölkerung und unserer Gemeinderätin Frau Vanessa Duss Jacobi». Dies, weil er bei der Kommunikation «falsche Entscheide» getroffen habe. Der Seltisberger Gemeindepräsident Bernhard Zollinger sagt auf Nachfrage: «Wir haben viel zu lange zugewartet. Wir hätten das im Januar erschienene Flugblatt mit Anschuldigungen unter anderem gegen Frau Duss umgehend berichtigen müssen.» Aber auch den im März publizierten Bericht der GPK hätte der Gemeinderat, so schreibt er im Anzeiger, «von Anfang an» richtigstellen müssen.

Das holt er jetzt nach und wäscht unter anderem Duss frei vom Vorwurf, als Gemeinderätin im eigenen Interesse Korrespondenzen zur Beschleunigung ihres Bauvorhabens geführt zu haben. GPK-Präsident Jacques Aigeldinger staunt über den gemeinderätlichen Rüffel, den er gestern dem Gemeindeblatt entnehmen musste: «Ich wusste nicht, dass der Fall wieder aufgebauscht wird. Die Konsequenz müsste eine Gegendarstellung der Gegendarstellung sein.» Mehr will er dazu nicht sagen, sondern als nächstes mit seinen GPK-Kollegen zusammensitzen.

Zum Scherbenwischen gehört im Weitern, dass Seltisberg an der Versammlung vom 21. Juni eine neue Baukommission wählen muss. Von der Derzeitigen, der unter anderem Oliver Jacobi, sein Architekt sowie sein Vermesser angehören, tritt niemand mehr für die nächste Amtsperiode an.

Das habe die Kommission vor einer Woche entschieden, sagt Zollinger. Er findet diesen Neuanfang gut und meint: «Wir müssen die Abläufe mit der neuen Kommission anschauen und als Gemeinderat in Zukunft genauer hinschauen.» Auch habe der Gemeinderat beschlossen, dass Ausstand künftig gemäss Vorschlag der GPK heisse, den Raum zu verlassen, und nicht nur, sich des Worts und der Stimme zu enthalten, so Zollinger.

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