Gemeindeversammlung
Mittenza wird nicht abgerissen, dafür unter Denkmalschutz gestellt

Die Muttenzer Gemeindeversammlung wollte einen Abriss des ehemaligen Hotel- und Kongresszentrums Mittenza erst gar nicht prüfen und lehnte einen diesbezüglichen Antrag klar ab.

Tobias Gfeller
Drucken
Teilen
Das Mittenza bleibt erhalten.

Das Mittenza bleibt erhalten.

Juri Junkov
(5. Dezember 2019)

Für den ehemaligen Mittenza-Bauleiter Hanspeter Jauslin ist es «ein Schock» gewesen, als er vom Antrag der Finanzkommission (Fiko) gehört hat, die den Abriss des ehemaligen Hotel- und Kongresszentrums im Dorfkern von Muttenz prüfen lassen will. Jauslin erinnerte daran, dass Muttenz nur wegen des Mittenza 1983 den Wakkerpreis des Schweizer Heimatschutzes erhalten habe.

Man wolle den Fächer für neue Ideen am historischen Standort öffnen, erklärte Fiko-Präsident Thomas Buser (EVP). Bei einer derart grossen Investition von rund 22 Millionen Franken in die Sanierung und Renovation des Mittenza-Komplexes sei es die Pflicht der Fiko, das Vorhaben genau zu untersuchen und mögliche Alternativen zu prüfen, ergänzte sein Fiko-Kollege Bénédict Schmassmann (FDP). Das Mittenza sei für Muttenz mal ein Leuchtturmprojekt gewesen, dessen Licht nach 50 Jahren aber langsam verblasse. Das Mittenza wurde für Muttenz immer mehr zur finanziellen Last.

Kein Denkverbot

Die Verbundenheit der Bevölkerung mit dem 1970 erstellten dreiteiligen Ensemble wurde an der Gemeindeversammlung deutlich. Vom identitätsstiftenden Wahrzeichen war die Rede, vom Treffpunkt aller Generationen und vom Ortsbild prägenden historischen Bau.

«Es ist ein Affront, ja eine Sauerei, dass man so mit etwas umgeht, das vorgängige Generationen erschaffen haben»,

schimpfte Andreas Schmidlin. Man müsse Ehrfurcht vor dem haben, was frühere Generationen erschaffen hätten. Das sieht die Fiko dezidiert anders. Ein Denkverbot dürfe es nicht geben, deshalb müsse auch ein Abriss und eine neue Planung am Standort als Option möglich sein. Die Fiko ist überzeugt, dass es möglich ist, dass sich auch ein Neubau in den umliegenden Bestand architektonisch einfügt.

Mehr Platz für Schulraum

Der für den Hochbau zuständige Gemeinderat Thomi Jourdan (EVP) wurde nicht müde, die Bedeutung des Mittenza für Muttenz zu unterstreichen. Auch legte er die finanziellen Überlegungen der Sanierung und Renovation dar. Diese kostet gegen 22 Millionen Franken und brächte Muttenz gemäss aktuellen Überlegungen ein neues Zentrum für die Allgemeine Musikschule und Räumlichkeiten für die Schulleitung der Primarstufe und die Ortsvereine.

Das würde dazu führen, dass am Standort Donnerbaum dringend benötigter Schulraum frei würde. Müsste man diese Räumlichkeiten anderweitig bereitstellen als im Mittenza, würde dies weit mehr kosten. Dazu kommt, dass durch den Verkauf von gemeindeeigenen Parzellen – unter anderem der beim Musikschulstandort Feldreben – 13 Millionen Franken eingenommen werden können.

Diese Argumente fanden im Gegensatz zur Warnung von alt Gemeinderat Peter Issler (FDP), wonach das Mittenza stark sanierungsbedürftig und die Raumaufteilung suboptimal seien, eine klare Mehrheit. Die Abstimmung fiel so deutlich zu Ungunsten der Fiko aus, dass gar nicht erst ausgezählt wurde. Der Mittenza-Komplex soll jetzt unter Denkmalschutz gestellt werden. So will es der Gemeinderat und auch die kantonale Denkmalpflege.

SP verzichtet auf Stimmrechtsbeschwerde

Obwohl FDP-Präsident Daniel Schneider vergangene Woche die Abstimmung zum Windrad in der Hard mit seiner Fehlinformation «manipuliert» habe, wie es die SP ausdrückt, verzichtet die Partei auf eine Stimmrechtsbeschwerde. Sie fordert aber eine Überarbeitung der Geschäftsordnung der Gemeindekommission. Es soll klarer definiert werden, inwiefern sich einzelne Mitglieder äussern dürfen. Die Windrad-«Gmeini» hallte an der zweiten Juni-Versammlung noch immer nach. Stefan Bischoff forderte dazu auf, fair zu diskutieren und nicht mit «alternativen Fakten» zu argumentieren. Daniel Schneider entschuldigte sich zwar für seinen Irrtum, dass er dachte, der Zeitungsartikel sei aktuell, betonte aber, dass ja primär dessen Inhalt wichtig war. Den von Schneider besagten deutschlandweiten Mindestabstand zwischen Windrädern und Wohnhäusern von einem Kilometer gibt es so aber nicht. Das vor einem Jahr verabschiedete Gesetz gibt den Bundesländern lediglich die Freiheit, Mindestabstände von maximal einem Kilometer bis zur nächsten Wohnnutzung festzulegen. (tgf)

Aktuelle Nachrichten