Gesprengter Bankautomat
Die Explosion weckte halb Aesch auf

Bei der Sprengung eines UBS-Automaten in Aesch wurde eine noch unbekannte Menge an Bargeld erbeutet. Verletzt wurde niemand, aber der Anschlag überschattet die Wiedereröffnung der grossen Landi-Filiale am Nordring.

Bojan Stula
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Dieses von der Polizei verschickte Bild vom nächtlichen Tatort beweist die ganze Wucht der Explosion.
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Die Baselbieter Polizei sperrte am Freitag bis zur Mittagszeit den Tatort weiträumig ab.
Der Landi-Geschäftsleiter schätzt den Gebäudeschaden auf einen hohen fünfstelligen Betrag.
Aus Zürich sind für die Beweissicherung kriminaltechnische Spezialistinnen und Spezialisten des Forensischen Instituts angereist.
Was sich dieser Polizist wohl angesichts des beträchlichen Schadens denkt? Glücklicherweise wurde niemand bei der Sprengung verletzt.
Während des Lockdowns (hier im März 2020) musste die Landi Aesch auch Teile ihres Sortiments unzugänglich machen. Zuletzt nutzte sie die Coronazeit für einen Umbau. Das Wiedereröffnungswochenende am Freitag und Samstag geht trotz der Explosionsschäden weiter.

Dieses von der Polizei verschickte Bild vom nächtlichen Tatort beweist die ganze Wucht der Explosion.

Polizei Baselland / bz Zeitung für die Region

Der Knall Freitagnacht kurz nach 3 Uhr war so laut, dass Aescherinnen und Aescher buchstäblich aus ihren Betten fielen. So schildert es eine Einwohnerin. Der Notruf ging um 3.27 Uhr bei der Einsatzleitzentrale der Baselbieter Polizei ein. Der UBS-Bankautomat, den sich die unbekannte Täterschaft für ihren Überfall ausgesucht hat, liegt ideal im Industriegebiet: Der Nordring ist nachts kaum befahren, die unbewachten Grenzübergänge in der Umgebung auf verschiedenen Routen erreichbar. Der UBS-Automat gehört zur grossen Landi-Filiale, die ausgerechnet jetzt mit einem Aktionswochenende die Neueröffnung nach einem wochenlangen Umbau feiert.

Kaum fertig, werden die Bauarbeiter erneut anrücken müssen: Denn nach der Sprengung sind vom Geldautomaten nur noch Trümmer übrig, die Schäden am erst zehn Jahre alten Gebäude beträchtlich. Am Morgen nach der Explosion blieb das Gebiet um den Tatort bis etwa 11.30 Uhr grossflächig abgesperrt und von Polizisten bewacht. Landi-Regionalgeschäftsleiter Beat Gisin schätzt den am Gebäude entstandenen Schaden «bestimmt» im hohen fünfstelligen Bereich. Das Aktionswochenende könne trotzdem ohne nennenswerte Beeinträchtigung für die Kundschaft am Freitag und Samstag fortgesetzt werden.

Aus Zürich sind kriminaltechnische Spezialistinnen und Spezialisten des Forensischen Instituts angerückt, um die Spuren auszuwerten. Sprengstoffdelikte fallen immer zuerst in die Zuständigkeit der Bundespolizei. Die weiteren Ermittlungen führt die Baselbieter Polizei zusammen mit der Staatsanwaltschaft durch.

Zu den Tatumständen selbst zeigt sich die Baselbieter Polizei wortkarg. Über die Details zur Sprengung, die mögliche Täterschaft und Deliktsumme macht sie keine weiteren Angaben. «Es wurde Geld gestohlen», bestätigt Polizeisprecher Paul Steffen auf Anfrage. Wie viel genau, werde derzeit noch ausgewertet. Am Freitagvormittag richtete die Polizei einen Zeugenaufruf an die Bevölkerung.

Drei Angriffe auf Baselbieter Bankomaten in drei Jahren

Im Landkanton war dies der dritte derartige Raubversuch in den vergangenen drei Jahren nach Anschlägen in Schönenbuch im Februar 2019 und einem bisher nicht öffentlich kommunizierten, da erfolglosen Sprengversuch 2020 in Allschwil. Auch im Fall von Schönenbuch wurde nie öffentlich bekannt, wie viel Geld die Räuber erbeuteten.

Auffällig ist, dass die Attacken auf Bankautomaten oft schubweise erfolgen. Die Schweiz erlebte zuletzt im Frühling 2019 sowie Herbst bis Weihnachten 2020 zwei solche Wellen mit rund einem Dutzend Überfällen. Weitet man diese Form der Kriminalität auf das benachbarte Baden-Württemberg aus, so kommen allein im vergangenen Jahr 36 kommunizierte Überfälle hinzu. Zuletzt wurden am 18. März in Schwetzingen gleich zwei Automaten geknackt, die Täter entkamen mit einer Beute von total rund 100'000 Euro. In Wilchingen bei Schaffhausen betrug die Beute am 10. Februar mehrere zehntausend Franken.

Die deutschen Landeskriminalämter sprechen hierbei von Banden aus Osteuropa, den Niederlanden oder französischen Vorstädten. Zu deren Spezialitäten gehört es, Automaten durch die Öffnungen mit leicht entzündlichem Gas zu füllen und dann in die Luft zu jagen. Ebenso beliebt sind selbst hergestellte Sprengstoffe auf Ammoniumnitrat- oder Aceton-Basis. Da die Angriffe stets in der Nacht auf gefüllte Automaten erfolgen, sei diese Art von Banküberfällen für die Banden mit weniger Risiken verbunden als am helllichten Tag auf richtige Filialen.

Die Schweizerische Bundespolizei nennt aber auch die Möglichkeit von Nachahmungstätern und Trittbrettfahrern, die sich an einzelnen Objekten versuchen würden. In der Regel fallen bei diesen für Anwohner hochgefährlichen Verbrechen die Gebäudeschäden um einiges höher aus als die Beute; dies dürfte im Fall von Aesch nicht anders gewesen sein.

Banken lassen sich nicht in die Karten blicken

Nach jeder solchen Tat entbrennt die Diskussion aufs Neue, ob die Banken ihre Automaten ausreichend schützen würden. So wird jeweils die in Frankreich vorgeschriebene, in der Schweiz und Deutschland aber kaum angewendete Methode ins Spiel gebracht, die Automaten mit Farbpatronen auszustatten, die bei einer Sprengung die Geldscheine farblich markieren und damit unbrauchbar machen.

Die Banken allerdings lassen sich in Sicherheitsfragen nicht in die Karten blicken. So schreibt auch UBS-Schweiz-Sprecher Igor Moser nach der Sprengung in Aesch auf Anfrage bloss: «Sprengungen von UBS-Bankomaten sind nur Einzelfälle. Sie können davon ausgehen, dass wir alle Sicherheitsvorkehrungen treffen, um die Bankomaten bestmöglich zu schützen.» Dazu würden verschiedene Massnahmen «laufend geprüft».

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