Bottmingen und Wildenstein
Gleich sieben Ehemalige stellen sich gegen die jetzige Regierung im Schlösserstreit

Mindestens sieben frühere Regierungsmitglieder unterstützen das Komitee «Ja zu Wildenstein und Schloss Bottmingen». Ihren Einsatz gegen den Verkauf der Schlösser begründen sie ideell. Und mit uralten Eichen.

Benjamin Wieland
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Der Kanton will die Schlösser Wildenstein und Bottmingen (Foto) verkaufen. Dagegen wehren sich sieben ehemalige Regierungsmitglieder.

Der Kanton will die Schlösser Wildenstein und Bottmingen (Foto) verkaufen. Dagegen wehren sich sieben ehemalige Regierungsmitglieder.

bz

Es hatte etwas von einer Einkehr nach einem Ehemaligen-«Reisli»: Elsbeth Schneider (CVP), Eduard Belser (SP) und Erich Straumann (SVP) sitzen im Schloss Bottmingen an einem Tisch und unterhalten sich. Doch es war kein Treffen von alt Regierungsräten, sondern die Medienkonferenz des Initiativkomitees «Ja zu Wildenstein und Schloss Bottmingen» vom Donnerstag, an dem es erneut seinen Widerstand gegen die Verkaufsabsichten des Kantons für die beiden Kulturgüter betonte.

Die alt Regierungsräte waren zu dritt - und es hätte sich beinahe noch ein vierter dazugesellt, wie Schneider gegenüber der bz bestätigt, doch er sei verhindert gewesen: Paul Nyffeler, im Amt von 1975 bis 1989, freisinnig.

Und auf Unterschriftenbogen geht es gleich weiter mit gestandenen Polit-Grössen: Paul Jenni (SP) ist dort aufgeführt. Auch Peter Schmid (SP) würde ihre Sache unterstützen, sagt Paul Schär, Sprecher des Komitees. Und dann gibt es noch den erst vor wenigen Tagen verstorbenen Clemens Stöckli (CVP): Er sprach sich ebenfalls gegen den Verkauf der Schlösser aus.

Sieben ehemalige Regierungsmitglieder wehren sich gegen den Schlösser-Verkauf, darunter Elsbeth Schneider (grünes Foulard) und Eduard Belser (rechts daneben).

Sieben ehemalige Regierungsmitglieder wehren sich gegen den Schlösser-Verkauf, darunter Elsbeth Schneider (grünes Foulard) und Eduard Belser (rechts daneben).

bz

Nach Adam Riese ergibt das sieben ehemalige Regierungsräte. Sieben frühere gegen fünf aktuelle. «Ich weiss nicht, ob es so etwas schon einmal gegeben hat», sagte Belser im Schloss Bottmingen. Die Zahl ist eindrücklich. Doch schon der Umstand, dass sich ehemalige Regierungsmitglieder überhaupt öffentlich gegen Vorhaben ihrer Nachfolger einsetzen, ist aussergewöhnlich. Denn es gilt das ungeschriebene Gesetz: Ehemalige denken sich ihre Sache sehr wohl - aber sie schweigen.

«Habe mich aus Politik raus gehalten»

Wieso dieser Einsatz? Wieso bewegt das Schicksal von zwei Schlössern und einem Hofgut derart? «Uns geht es darum, ein Zeichen zu setzen», sagt Belser. «Kulturgüter stiften Identität. Wer sie verkauft, sagt damit, dass sie nichts wert seien.» Er habe sich lange überlegt, ob er sich öffentlich äussern wolle, da er sich seit seinem Rücktritt aus der Politik raus gehalten habe: «Seit ich weg bin, finden Sie keinen Leserbrief von mir, zu keinem Spital, zu keiner Strasse, zu keinem Schulhaus. Aber hier geht es um etwas, was Symbolkraft besitzt.»

Auch Schneider sagt, sie habe lange gezögert sich zu äussern. «Aus Respekt der heutigen Regierung gegenüber.» Schliesslich habe sie sich bereit erklärt, an der Medienorientierung mitzumachen - aber nicht als ehemalige Regierungsrätin, sondern als «Einwohnerin dieses Kantons, der mir sehr am Herzen liegt.» Schneider geht es um Emotionen: «Wer einmal auf Wildenstein war und die Umgebung mit den uralten Eichen bewandert hat, der hat diese einmalige Anlage ins Herz geschlossen.» All dies dürfe nicht verkauft werden. Bei Straumann wiederum gab sein Gewissen als Landwirt den Ausschlag, sich zu exponieren: «Als Bauer weiss ich: Man verkauft kein Land. Sonst könnte man ja auch seine Grossmutter verkaufen.»

Komitee wollte niemanden brüskieren

Für das Aktionskomitee ist die geballte Schlagkraft von mindestens sieben ehemaligen Regierungsmitgliedern im Rücken - hinter vorgehaltener Hand werden weitere Namen genannt - ein Segen. Doch wie diese übt es sich in Zurückhaltung. Dazu Komiteesprecher Schär: «Ursprünglich wirkten keine ehemaligen Regierungsräte im Aktionskomitee mit, die mit der jetzigen Regierungsmitgliedern zusammen arbeiteten. Dies gilt auch für die Erstunterzeichner.» Die drei ehemaligen Regierungsmitglieder Schneider, Straumann und Belser hätten sich erst engagiert, als sich keine Lösung mit der jetzigen Regierung abzeichnete. «Dieses Vorgehen wurde gewählt, damit die jetzigen Regierungsmitglieder nicht brüskiert werden», sagt Schär.

Unverständlich ist für ihn die Aussage von Christoph Loeb, Mediensprecher der Basellandschaftlichen Kantonalbank BLKB. Dieser hatte gesagt, die Bank sei überrascht darüber, dass die Initianten an ihren Forderungen festhalten, da diese ihr Engagement verhindere. Die BLKB beabsichtigt, eine Stiftung zu gründen, welche das Schloss Wildenstein im Baurecht übernehmen würde. Sie macht ihr Vorhaben aber von der Bedingung abhängig, dass der Gutshof vom Schloss abgetrennt wird, was wiederum bei Schär auf Unverständnis stösst: «Weder die Initiative, noch der im Landrat durch Frau Sollberger eingebrachte Gegenvorschlag verhindern die Schaffung einer durch die Bank geführte Stiftung. Darum ist die Aussage von Christoph Loeb nicht nachvollziehbar.»

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