World Skills
Heiko Zumbrunn aus Wittinsburg: Aus der Seifenkiste zu Berufs-WM-Gold

Geht das Gesetz der Serie weiter, holt der Wittinsburger Carrossier Heiko Zumbrunn in Abu Dhabi die Goldmedaille. Damit sein Traum in Erfüllung geht, wohnt der 21-Jährige mittlerweile fast in der Werkstatt.

Jakob Weber
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Heiko Zumbrunn
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Beim 21-Jährigen aus Wittinsburg geht immer alles ruckzuck.
Detailbessen achtet Zumbrunn auf jede Kleinigkeit und gibt Auszubildenden gerne Tipps.
In Abu Dhabi liebäugelt Zumbrunn mit dem Titel.
Dafür wohnt er mittlerweile fast schon in der Werkstatt in Sissach. "Nur ein Bett fehlt noch", sagt Zumbrunn.

Heiko Zumbrunn

Kenneth Nars

Der Blick ist fokussiert. Jeder Handgriff sitzt. Nach nur 30 Sekunden ist die Autotür abgeschraubt und aus den Angeln gehoben. Heiko Zumbrunn versorgt das Werkzeug und gibt auf dem Weg zurück noch schnell zwei Lehrlingen einen Tipp, wie sie den Kofferraum zu bearbeiten haben. Obwohl er auf jedes Detail achtet, geht beim 21-jährigen Wittinsburger alles ruckzuck. Schon steht der Kaffee auf dem Tisch, und Zumbrunn beginnt zu erzählen.

Vor einem Jahr wurde er in Langenthal Schweizer Carrossier-Meister. Seitdem ist klar, dass Zumbrunn an die Berufs-WM in Abu Dhabi geht. Doch erst vor drei Wochen sind die Prüfungsaufgaben eingetroffen. Eigentlich sollte diese drei Monate vor der WM bekannt gegeben werden. Aber die Organisatoren aus Abu Dhabi haben sich einen grossen Lapsus geleistet. «Sie haben für die Prüfung statt der neuen doch tatsächlich die alte Mercedes-A-Klasse genommen. Der Fehler wurde erst spät bemerkt und alles musste neu gemacht werden», sagt Zumbrunn.

World Skills: Die Schweiz ist die Nummer 1 Europas

Die Berufsweltmeisterschaften werden alle zwei Jahre ausgetragen. 2017 findet die WM vom 14. bis 18. Oktober in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) statt. 51 Wettbewerbe unterschiedlicher Berufe stehen auf dem Programm. 1300 Teilnehmer aus 77 Ländern sind am Start, darunter auch 38 Schweizer. Basel prüfte in diesem Jahr eine Bewerbung für die World Skills 2021, verzichtete aber wegen der hohen Kosten auf eine Kandidatur.

Jetzt bleibt ihm für die Perfektionierung nur noch wenig Zeit. Immerhin geht es allen 23 Teilnehmern gleich. Und ganz identisch ist die Prüfung an der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi auch nicht. Dreissig Prozent der Aufgabe werden spontan abgeändert. Die fünf Module Diagnose, Strukturteile austauschen, Nicht-Strukturteile austauschen, Ausbeulen und Airbag ausbauen bleiben aber die gleichen.

Dennoch, ein solcher Fehler passt nicht in die perfekt strukturierte Welt von Zumbrunn. Schon im Kindergartenalter beginnt der kleine Heiko, eigene Fahrzeuge zu bauen. Damals rüstet er einen Puppenwagen mit einem Elektro-Motor aus. Mit acht baut er zusammen mit seinem Vater Seifenkisten. Jedes Jahr gibt es ein neues Projekt. So lernt Zumbrunn bereits als Kind spielerisch das Carrosserie-Handwerk.

Wettkampferprobt ist der Ehrgeizling ebenfalls. Vater und Sohn gehen regelmässig zusammen an Rennen. Mit Erfolg. Als Seifenkisten-Junior wird Heiko Zumbrunn 2009 Europameister, 2011 an der Heim-EM Dritter. Nebenbei beginnt er bereits jetzt berufsbegleitend die Weiterbildung im väterlichen Betrieb. Irgendwann wird er die Carrosserie Zumbrunn übernehmen.

Trainieren Schlafen Trainieren

In diesem Jahr pausiert wegen der World Skills das Seifenkisten-Business. Stattdessen will Zumbrunn in Abu Dhabi für Furore sorgen. Dafür trainiert er wie verrückt. «Ich gehe alles mit Vollgas an. Die Werkstatt in Sissach ist mittlerweile mein zweites Zuhause. Ich wohne praktisch hier. Nur ein Bett fehlt», sagt Zumbrunn. Für Freunde und Hobbys bleibt da nur wenig Zeit, obwohl es ihm seine Arbeit erlaubt, das WM-Training in seinen Alltag zu integrieren. «Wenn Aufgaben im Betrieb anstehen, die an der WM drankommen könnten, übernehme ich sofort», sagt Zumbrunn. Trotzdem bleibt er auch nach Feierabend noch länger und trainiert für sich. «Andere spielen Fussball, ich trainiere für Meisterschaften.»

Der Aufwand soll sich lohnen. Das Ziel an der WM ist ein Podestplatz. Sogar mit dem Sieg liebäugelt Zumbrunn. Seine Vorgänger wurden Dritter und Zweiter. Geht die Serie weiter, müsste er jetzt Gold für die Schweiz holen. Da ist klar, dass Vater, Onkel und Bruder zur Unterstützung mit in die Vereinigten Arabischen Emirate reisen.

Ohne Auto kann er nicht

«Nach der WM will ich einen Gang runter schalten», sagt Zumbrunn. Dann will er wieder öfter mit seinen Kollegen unterwegs sein und Mountainbike fahren. Ausserdem ruft die Rekrutenschule. Aber eigentlich freut sich Heiko am meisten darauf, in der Freizeit in Ruhe an den eigenen Autos zu schrauben. Denn ohne Auto kann Zumbrunn nicht.

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