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Hundehotel-Besitzer muss für einen Hundenotfall nach Deutschland ausweichen

Erfahrungen eines Birsfelder Hundehotel-Besitzers zeigen: Ennet der Grenze werden kranke und verletzte Hunde während der Feiertage schneller behandelt.

Martina Gaugler
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An einem Feiertag: Nach vergeblichen Versuchen in der Schweiz, hatte der Hundehotelier Glück bei einer Tierklinik in Lörrach: der Hörer wurde sofort abgenommen. (Symbolbild)

An einem Feiertag: Nach vergeblichen Versuchen in der Schweiz, hatte der Hundehotelier Glück bei einer Tierklinik in Lörrach: der Hörer wurde sofort abgenommen. (Symbolbild)

Notfälle machen auch vor Feiertagen keinen Halt, weder bei Menschen noch bei Tieren. Auch der Leiter des Hundehotels in Birsfelden, Diego Persenico, blieb nicht davor verschont: Es war in der Nacht vor Pfingsten, als es passierte. Hund Coco war für ein paar Tage bei Persenico zu Gast. «Der Hund keuchte die ganze Nacht durch und hat sich einfach nicht hingelegt, das war seltsam», erinnert sich Persenico. In den frühen Morgenstunden wollte er seinen Haustierarzt kontaktieren – der war abwesend.

Er wurde via Anrufbeantworter auf eine Notfallnummer verwiesen. Dort habe er mehrere Male versucht anzurufen, im Halbstundentakt – vergebens. Schlussendlich versuchte der Hundehotelier sein Glück bei einer Tierklinik in Lörrach, wo man den Hörer sofort abgenommen und gleich eine Sprechstunde vereinbart habe.

«Zum Glück stellte sich heraus, dass Coco ‹nur› Bauchweh hatte», sagt Persenico. «Es ist fast schon eine Strafe, wenn mein Haustier an Feiertagen krank wird. Und dann ist so etwas auch noch teuer», sagt er. Für ein Telefonat bezahlte er pro Minute knapp zwei Franken, hinzu wären 100 Franken Notfalltaxen gekommen, hätte er eine Schweizer Praxis erreicht.

Doppelt so teuer in der Schweiz

In Lörrach hätte Persenico lediglich 40 Euros bezahlt und für die gesamte Behandlung 145 Euros. «In der Schweiz wäre mir das mehr als doppelt so teuer zu stehen gekommen.» Der Hundeliebhaber findet dies «himmeltraurig». Für ihn stehe nun fest, dass er im Falle eines Falles den deutschen Tierarzt aufsuchen werde. Persenico möchte aber nicht alle Schweizer Tierärzte in einen Topf werfen: «Es gibt sicher auch die Guten. Nur habe ich schon oft negative Erfahrungen mit Notfalldiensten machen müssen.»

Einen ähnlichen Fall schildert eine bz-Leserin in einem Leserbrief: «Man darf nur nicht das Pech haben, an Feiertagen hilfsbedürftige Igel zu finden.» Sie fand am Pfingstsonntag zwei junge, mutterlose Igelchen und suchte einen Tiernotarzt. «Eine Minute kostete 3. 90 Franken», schreibt sie. «Wenn uns geholfen worden wäre, wäre das ja in Ordnung gewesen».

Doch überall, wo sie angerufen habe, ertönte entweder ein Tonband oder der Verweis auf eine andere Station. Erst am folgenden Tag erreichte sie eine Tierpraxis in Nunningen. Die Ärzte dort seien hilfsbereit und unkompliziert gewesen: «Schön, dass es auch noch Menschen gibt, denen Geld nicht an erster Stelle steht», so die bz-Leserin.

Markus Moser, Leiter der Kleintierpraxis Baselwest, koordiniert seit über 20 Jahren den Notfalldienst «Basel und Umgebung». Er glaubt, dass es sich um Einzelfälle handelt: «Ein Tierarzt ist dazu verpflichtet, eine Notfalllösung anzubieten, das ist gesetzlich verordnet», erklärt er. Deswegen würden ihn die Berichte erstaunen. Zu der Notfalltaxe sagt Moser: «Unsere Mitarbeiter verdienen einen Schweizer Lohn und verfügen über eine fundierte Fachausbildung. Das hat seinen Preis.» Ausserdem müsse noch der Nachtzuschlag mit einberechnet werden. Viele würden den Aufwand hinter all dem vergessen.

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