Baselbiet
Kantonale Beratungsstelle: «Wir haben jetzt schon die beste Lösung»

Die kantonalen Beratungsstellen hoffen auf ein Nein zur Abtreibungsfinanzierungs-Initiative. Keine Frau würde eine Abtreibung auf die leichte Schulter nehmen. Bei einem Ja müssten sie die Kosten dafür alleine tragen.

Pascale Hofmeier
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Ultraschallbilder: Wer soll künftig für Abtreibungen zahlen? (Symbolbilder)

Ultraschallbilder: Wer soll künftig für Abtreibungen zahlen? (Symbolbilder)

Keystone

Die nationale Initiative «Abtreibung ist Privatsache» will mit dem Argument, Kosten im Gesundheitswesen zu sparen, den Schwangerschaftsabbruch aus der Grundversorgung streichen. In den beiden Basel hat sich die SVP für die Initiative ausgesprochen, in Baselland auch die EVP. Alle anderen Parteien haben die Nein-Parole ergriffen. Und gemäss der letzten Umfrageergebnisse lehnen 58 Prozent der Schweizer Bevölkerung die Vorlage ab, die ihren Ursprung in wertkonservativen Kreisen hat.

Medizinische Bedenken

Bei den kantonalen Beratungsstellen in Basel-Stadt und auch in Baselland hofft man, dass die Umfragewerte recht behalten und am 9. Februar ein Nein das Resultat sein wird. Keine Frau nehme eine Abtreibung auf die leichte Schulter; werde die Initiative angenommen, werde der Schwangerschaftsabbruch wieder auf Kosten und auf dem Rücken der Frauen ausgetragen, heisst es bei der Beratungsstelle für Schwangerschafts- und Beziehungsfragen des Kantons Baselland auf Anfrage.

Die neutrale Beratungsstelle hat je ein Büro in Binningen und in Liestal und berät gemäss Homepage alle Frauen im gebärfähigen Alter. Bei der Fachstelle gibt es auch medizinische Bedenken: Ist eine Frau finanziell schlecht dran, suche sie womöglich nach der günstigsten Lösung für den Abbruch und nicht unbedingt nach einer kompetenten Fachperson.

Die Folgekosten eines schlecht ausgeführten Abbruchs trägt die Krankenkasse – und die Frau die gesundheitlichen Konsequenzen. Ein Schwangerschaftsabbruch ist laut Fristenregelung seit 2002 bis zur 12. Schwangerschaftswoche möglich. Die Kosten für einen medikamentösen Schwangerschaftsabbruch – diese werden offiziell bis zur 7., manchmal auch bis zur 9. Schwangerschaftswoche durchgeführt – betragen je nach Kanton, Arzt oder Krankenhaus rund 500 bis 600 Franken. Rund zwei Drittel der Abbrüche werden medikamentös vorgenommen. Die Kosten für einen operativen Eingriff bis zur 12. Woche liegen zwischen 700 und 1000 Franken.

Bei den Frauen, die in Basel bei der kantonalen Beratungsstelle am Universitätsspital Hilfe suchen, sind die Ausländerinnen prozentual übervertreten. «Das hängt auch damit zusammen, dass sie zum Teil weniger guten Zugang haben zu Verhütungsmitteln», sagt Sibil Tschudin, Leiterin der Gynäkologischen Sozialmedizin und Psychosomatik am Basler Universitätsspital. Ein Problem sei das Wissen, ein anderes aber die Kosten. «Es sind oft Frauen aus prekären finanziellen Verhältnissen. Manche sind auch sozial in schwierigen Situationen.»

Verhütung subventionieren

Und gerade diese würde es am härtesten treffen, würden die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch nicht mehr von der Krankenkasse übernommen. «Alles spricht dafür, dass wir momentan die bestmögliche Lösung haben», sagt Tschudin, das zeige sich darin, dass die Schweiz weltweit eine der niedrigsten Abbruchraten hat. «Anstatt die Finanzierung infrage zu stellen, sollte viel eher eine Kostenübernahme der Verhütungsmittel durch die Krankenkasse erwogen werden», findet Tschudin. Jegliche Verschärfung der heutigen Handhabung würde sich hingegen negativ auswirken. Und auch Sie betont: «Jede Frau, die zu uns kommt, befindet sich in einer Notlage.»

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