Laufner Künstler David Pflugi hat nach Brand grosse Pläne

Vor zwei Wochen wurde sein Atelier beim Inferno stark beschädigt. Nun baut er die bekannteste Skulptur noch einmal.

Dimitri Hofer
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Unversehrt: der Herzraum von Künstler David Pflugi.

Unversehrt: der Herzraum von Künstler David Pflugi.

Bild: Dimitri Hofer

Glück im Unglück hatte David Pflugi beim Brand im Industriegebiet in Laufen: Grosse Teile seines weitläufigen Ateliers an der Wahlenstrasse sind niedergebrannt. Die meisten Werke konnte der Künstler jedoch retten. Unversehrt blieb auch der sogenannte Herzraum – ein begehbarer dunkler Raum, in welchem der 51-Jährige mit grellen Farben experimentiert.

Demut und Dankbarkeit sind zu spüren, als Pflugi uns zwei Wochen nach dem verheerenden Brand durch die abgebrannten Ausstellungsräume führt. Viele Freunde und Bekannte des Künstlers sind gekommen, um ihm mitzuteilen, dass sie sich über seinen Verbleib in den Räumlichkeiten in Laufen freuten. «Ich werde hier bleiben», sagt er. Am Vormittag habe er mit dem Garagisten, der nebenan eine Autowerkstatt führt, einen Deal aushandeln können. «Er geht ein wenig früher in Pension, und ich kann die Garage bald als neuen Ausstellungsraum nutzen.»

Eine eigene Kunstform erfunden

Der Blick schweift über die Industriehallen, in denen das Feuer gewütet hat. Auf dem riesigen Areal ist kaum etwas heilgeblieben. Auf dem Boden liegen Unmengen von verbranntem Holz und verbogenen Metallstangen. Die Dächer sind allesamt ein­gestürzt. Die Räumlichkeiten, darunter auch die Ausstellungsräume von Pflugi, gleichen einem Kriegsgebiet.

«Da drüben liegen die Überreste meiner wohl bekanntesten Skulptur», sagt Pflugi, und zeigt auf eine zu einem Häufchen zusammengeschmolzene Kunststoffmasse. Während ein Grossteil der Werke den Brand überlebte, fiel ihm mit «The Seeds of Victory» eines zum Opfer, mit dem der 51-Jährige weltweite Bekanntheit erlangte. Die für die Fussball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien gefertigte Skulptur stellte sein bisheriges Schaffen in den Schatten.

Beim abgebrannten Werk bediente er sich den Mitteln des Fusionismus – einer Kunstform, die David Pflugi selbst erfunden hat. Geht man um die grossen, reliefartigen Skulpturen herum, sind je nach Standort unterschiedliche Figuren zu sehen. Das zerstörte Werk zeigte etwa ein Baby, einen Baum, einen Fussball, ein Stadion und die Christusstatue, die über Rio de Janeiro thront. Der Künstler wird die abgebrannte Skulptur in den nächsten Monaten in Laufen noch einmal bauen.

Pflugi braucht die Neuauf­lage des Werks für verschiedene Performances. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gestaltet der Laufentaler für die Fussball- Weltmeisterschaften jeweils Skulpturen, die von beiden Finalteams unterschrieben werden. Auch bei der Endrunde im Jahr 2022 in Katar wird das wieder der Fall sein: «Wir werden das grösste Buch der Welt produzieren.»