Atomlobby
Mitglieder wenden sich vom Nuklearforum Schweiz ab

Versicherungen, die beim Nuklearforum Schweiz auf der Mitgliederliste stehen, wollen dies nicht als politisches Statement in der Energiedebatte sehen, sondern nur als Zugang zu Informationen. Vielmehr scheint ihnen die Mitgliedschaft eher peinlich.

Daniel Haller
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Die Basis verdampft zusehends: Versicherungen überprüfen ihre Mitgliedschaft im Nuklearforum.

Die Basis verdampft zusehends: Versicherungen überprüfen ihre Mitgliedschaft im Nuklearforum.

Chris Iseli

«Vergleichsweise stark ist die natürliche Radioaktivität in Bananen», heisst es auf dem «Faktenblatt». Ein paar Abschnitte weiter folgt dann die Feststellung: «Die Strahlendosen in der Umgebung der Schweizer Kernkraftwerke sind (...) im Vergleich zu den natürlichen Strahlenquellen bedeutungslos.» Mit solchen Aussagen kämpft das Nuklearforum Schweiz – vormals nannte es sich «Schweizerische Vereinigung für Atomenergie» – für den «bewährten Strommix aus Kern- und Wasserkraft», lobt Uran als «Ressource mit Zukunft» und betont, «dass die Kernenergie heute zu einer der effizientesten und umweltschonendsten Energiequellen überhaupt geworden ist». Insgesamt zeigt der Atomlobby-Verein eine Vorliebe für Superlative: «Die Schweizer Kernkraftwerke gehören nach wie vor zu den sichersten und zuverlässigsten der Welt.»

Auch Phantom-Mitglieder?

Dass AKW-Betreiber wie Axpo, Alpiq oder BKW, Kraftwerks-Hersteller wie Alstom und Westinghouse oder das Atommüll-Zwischenlager Zwilag und der Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen Mitglied im Nuklearforum sind, scheint logisch. Auch dass regionale Energieversorger und Stadtwerke mitmachen, ist aufgrund des Atomanteils im Schweizer Strom nachvollziehbar. Allerdings geht es auch ohne: EBL und IWB verzichten beispielsweise. Die EBM Trirhena AG ist dagegen Mitglied in der Lobbyorganisation.

Was aber Versicherungen wie Allianz Suisse, AXA Winterthur, Nationale Suisse, die Schweizerische Mobiliar und ein Zürcher Versicherungsbroker in der – im Rahmen der Energiewende-Debatte hoch politischen – Organisation suchen, leuchtet nicht unmittelbar ein. Und bei der Basler Versicherung löst die Anfrage, weshalb ein eine Einzelperson mit dem ausdrücklichen Zusatz «Basler Versicherung» auf der Mitgliederliste des Nuklearforums steht, Ratlosigkeit aus. «Der Mitarbeiter wusste bisher nichts davon», erklärt Pressesprecher Amos Winteler. «Wir werden das jetzt abklären.» Die Basler Versicherung sei zwar Teil des Pools, der Nuklearrisiken versichert. «Eine Mitgliedschaft im Nuklearforum streben wir jedoch nicht an.»

Auch die Mitgliedschaft der National löst sich in Luft auf: Die National wurde im Sommer von der Helvetia übernommen. «Die Mitarbeiter, die sich bei der National allenfalls etwas über das Nuklearforum wussten, sind alle nicht mehr bei uns», erklärt Pressesprecher Hansjörg Ryser. «Für die Helvetia ist eine Mitgliedschaft im Nuklearforum kein Thema». Im Gegenteil: Sie propagiert derzeit eine Versicherung für Photovoltaik-Anlagen gleich auf dem
Eröffnungsportal ihrer Homepage.

«Kein politisches Statement»

Die Branche setzt auf die Energiewende. So betont Mediensprecherin Anna Ehrensperger, «dass die AXA Winterthur 100 Prozent ihres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien deckt. Zudem ist es unser Ambition, sich als führender Versicherer in den Bereichen Energie-Effizienz und erneuerbare Energien zu positionieren.» Die Mitgliedschaft im Nuklearforum diene dazu, «die technologischen und politischen Entwicklungen in diesem Bereich zu kennen», denn auch AXA Winterthur sei Mitglied Nuklearversicherungspool, der die Haftpflicht- und Sachversicherungsrisiken der AKW über mehrere Gesellschaften verteilt. Die Mitgliedschaft im Nuklearforum werde «zu gegebener Zeit neu überprüft».

Ähnlich tönt es bei Allianz Suisse: «Unsere Nuklearspezialisten nutzen das Forum als reine Informationsquelle,» erklärt Sprecher Hans-Peter Nehmer. So habe man Zugang zum vierteljährlich erscheinenden Bulletin und zu Veranstaltungen. Selbst der Mobiliar, die erst 2014 beitrat, ist es bei der Atomlobby nicht richtig wohl: «Damit war nie eine politische Absicht verbunden», betont Mediensprecher Kurt Messerli. Man habe aufgrund einer Pensionierung von einer Einzel- zur Firmenmitgliedschaft gewechselt. «Wir sind daran, unsere Position zu überprüfen.»

Unklar ist die Höhe des Mitgliederbeitrags. Die Allianz spricht von «ein paar hundert Franken». EBM-Sprecher Jo Krebs hingegen nennt die Zahl von 3100 Franken. Auch die EBM sei rein aus Informationsgründen beim Nuklearforum. Die EBM sei aber auch in anderen Verbänden Mitglied, etwa der Dachorganisation der Wirtschaft für erneuerbare Energie, der AEE Suisse. Deren Website zeigt: Hier sind auch EBL, ADEV und IWB vertreten – Versicherungen hingegen keine.

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