Coronavirus
Nach dem grossen Frust im Baselbiet: Bald mit Losglück zum Impftermin?

Der Kanton Baselland passt sein Anmeldeprozedere für Corona-Impftermine an. Zu gross war der Frust vieler Impfwilliger. Neu gibt es Wartelisten. Noch fairer wären allerdings Auslosungen, findet ein Experte. Basel-Stadt ist derweil froh, nicht auf das System des Bundes gesetzt zu haben.

Michael Nittnaus
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Die Impfung selbst geht schnell, frustrierend kann die Anmeldung sein. (Symbolbild)

Die Impfung selbst geht schnell, frustrierend kann die Anmeldung sein. (Symbolbild)

KEYSTONE/URS FLUEELER

Peter Habegger* müsste eigentlich glücklich sein. Der Biel-Benkemer Pensionär konnte sich Ende Dezember bei der ersten Verteilrunde gleich einen Impftermin sichern und durfte vergangenen Freitagabend ins Impfzentrum nach Muttenz. Und gleichentags schaffte er es morgens bei Verteilrunde zwei, auch seiner Frau einen der 3000 Termine zu beschaffen, die in nur zehn Minuten vergriffen waren.

«Der ganze Anmeldeprozess war Verwirrung pur»

Doch Habegger ist nicht glücklich, sondern frustriert: «Der ganze Anmeldeprozess war Verwirrung pur», erzählt er – und reiht sich in die vielen Erfahrungsberichte ein, über welche diese Zeitung bereits am Samstag berichtet hat. Am Freitagmorgen erhielt er eine widersprüchliche SMS-Bestätigung der Registrierung seiner Frau. Bei der Hotline des Krisenstabs hiess es aber, dass kein Termin registriert sei, und auch abends im Impfzentrum sah das Personal Habeggers Frau nicht im System.

Am Samstagmittag kam dann plötzlich doch eine SMS mit den reservierten Terminen für die erste und zweite Impfdosis inklusive eines Codes zur Buchungsbearbeitung auf einer Website. Dort stand aber wieder, dass kein Termin registriert sei. Vollends verwirrt rief Habegger am Montag nochmals bei der Hotline an – wo man ihm doch bestätigte, dass die Impftermine für seine Frau gebucht seien.

Baselland entschuldigt sich bei allen, die Probleme hatten

«So kann man doch nicht mit uns Impfwilligen umgehen», sagt Habegger, «da wäre mir lieber, der Kanton würde die Impftermine einfach verlosen.» Genau das ist auch der Vorschlag eines Mannes, der weiss, wie man am besten einen grossen Ansturm in kurzer Zeit bewältigt. Thomas Dürr ist CEO des Basler Konzertveranstalters Act Entertainment. Er hält fest: «Gerade ältere Menschen kommen mit dem Prinzip ‹der Schnellere ist der Geschwindere› nicht klar. In solchen Fällen ist das gerechteste System, Tickets auszulosen.» Alles, was es dazu brauche, sei eine Vor-Registrierung aller Impfwilligen. Gibt es freie Termine, würden jeweils die Personen der derzeit berechtigten Impfgruppen an der Verlosung teilnehmen.

Das gerechteste System ist, die Impftermine auszulosen.

(Quelle: Thomas Dürr, CEO Act Entertainment)

«Ich will nicht als Besserwisser dastehen», sagt Dürr. Auch er wisse um die Ausnahmesituation. Gleichwohl ist er überzeugt: «Wir Konzertveranstalter hätten das Know-how, um den Anmeldeprozess zu verbessern.» Und er bringt sein Team ins Spiel: «Viele von uns sind in Kurzarbeit, haben nichts zu tun. Da wäre es doch für alle besser, wenn wir eine Aufgabe bekämen.»

Beim Baselbieter Krisenstab ist man sich bewusst, dass «das Ganze sicher nicht optimal lief», wie Sprecher Roman Häring schon in der Zeitung vom Samstag sagte. Dort kündigte er auch an, eine Vor-Registrierung der Impfwilligen zu prüfen. Gestern Dienstag nun schob der Krisenstab per Mitteilung eine offizielle Entschuldigung an alle Betroffenen nach. Und er bestätigte, dass die Vor-Registrierung ab kommender Woche umgesetzt werde – allerdings bloss im Sinne einer Warteliste. Zu einer Auslosung sagt Häring: «Das ist ein Gedanke, doch auch dort gäbe es wohl viele Enttäuschte, die es kritisieren würden.» Er wisse, dass die vom Bund empfohlenen Systeme «Soignez-moi» und «OneDoc» leider Kinderkrankheiten hätten. Der Kanton fordert nun, dass die Systeme bis Anfang Woche fehlerfrei funktionieren.

Basel ist mit System von Meconex sehr zufrieden

Was auffällt: Bisher erreichten die bz lediglich Klagen über das nervenaufreibende Anmeldeprozedere im Baselbiet. Dabei sind auch in Basel-Stadt freigeschaltete Impftermine schnell vergriffen. Laut dem Basler Gesundheitsdepartement (GD) waren am Freitag 1500 Termine innert 39 Minuten weg und am Montag 1000 Termine in 23 Minuten. «Zum Anmeldeprozess haben wir bis jetzt auch noch keine kritischen Rückmeldungen aus der Bevölkerung erhalten», sagt GD-Sprecherin Anne Tschudin.

Ein Grund dafür dürfte sein, dass Basel-Stadt nicht auf die vom Bund empfohlene Software setzt. Stattdessen wird die Terminvergabe über ein vom Basler Partner Meconex seit Jahren erprobtes eigenes Praxismanagement-System abgewickelt. 2000 Termine pro Stunde könnten so gebucht werden. Ob das System also auch mit dem deutlich grösseren Baselbieter Ansturm vom Freitag klargekommen wäre, ist offen. Tschudin sieht aber noch einen weiteren Unterschied: «Bei uns ist die Buchung des Termins eine kurze Angelegenheit.» Erst am Empfang des Impfzentrums würden die meisten notwendigen Informationen eingelesen.

Für die nächsten freien Impftermine wird Basel-Stadt demnach auch nichts am Prozess ändern. Tschudin: «In unserem sehr gut funktionierenden System ein derart wichtiges Element während laufendem Betrieb auszutauschen, wäre mit nicht verantwortbaren Risiken verbunden.»

* Name geändert.