Kaserne Liestal
Neuer RS-Leiter: «Rekruten sind jung, wild und hoffentlich neugierig»

Auf ersten November kommt es zu einem für Liestal nicht ganz unwichtigen Wechsel: Oberstleutnant Christoph Abegglen übernimmt das Zepter in der Liestaler Kaserne. Für ihn ist es eine Rückkehr in die Heimat.

Andreas Hirsbrunner
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Der neue Schulkommandant Oberstleutnant Christoph Abegglen ist durch und durch grün – er hat sein ganzes Berufsleben beim Militär verbracht.

Der neue Schulkommandant Oberstleutnant Christoph Abegglen ist durch und durch grün – er hat sein ganzes Berufsleben beim Militär verbracht.

Kenneth Nars

Oberstleutnant Christoph Abegglen (45) übernimmt das Kommando der Infanterie RS 13 von Oberst Thomas Schneider, der diese Funktion drei Jahre lang innehatte. Abegglen wird damit Chef von fast 500 Personen, nämlich jener 366 Rekruten, die vergangenen Montag ihre 21-wöchige militärische Grundausbildung gestartet haben, 87 Kaderleuten und rund 30 militärischen und zivilen Mitarbeitern in der Kaserne Liestal. Abegglen, dessen Hobby Klavierspielen und Komponieren ist, hat nach der Matur Militärwissenschaften an der ETH Zürich studiert und seine ganze berufliche Karriere, mit Ausnahme eines einjährigen Masterstudiums in «War Studies» in London, innerhalb der Schweizer Armee verbracht.

Herr Abegglen, ist Liestal Neuland für Sie?

Christoph Abegglen: Nein, überhaupt nicht, es ist eher ein Heimkommen. Meine Mutter kommt aus Arlesheim, und meine erste Stelle führte mich vor 18 Jahren als Berufsoffizier nach Liestal. Ich wuchs zwar in Zürich auf, habe mich aber dort nie richtig assimiliert. Das hört man auch meinem Dialekt an.

Haben Sie sich für die Kommandanten-Stelle in Liestal beworben oder wurden Sie berufen?

Das war eine Ausschreibung und ich habe mich beworben. Dabei habe ich auch Glück gehabt, denn wir waren mehrere valable Kandidaten.

Was reizt Sie an der Stelle?

Es ist die erste Möglichkeit für mich, Ideen ungefiltert und mit grosser Handlungsfreiheit umzusetzen. Ich war 2011 im Autorenteam, das das vierbändige, über 700-seitige Standardwerk «Einsatz in der Infanterie» herausgebracht hat. Das ist in diesem Jahr an allen Infanterieschulen eingeführt worden. Jetzt gilt es, den Inhalt in die Praxis umzusetzen. Wir haben das Ganze drei Jahre lang unter anderem in Durchhalteübungen ausprobiert und dann ein Jahr lang geschrieben.

Können Sie ein Beispiel für ein Element machen, das im Werk abgehandelt wird?

Zum Beispiel ist zum ersten Mal konkret beschrieben, wie man ein Bataillon führt. Hier in Liestal fliesst das Werk etwa in die Ausbildung der Aufklärung in den Stabskompanien ein, und die Leute müssen verstehen, wie das auf Bataillonsstufe funktioniert. Das ist viel anspruchsvoller als Liegen, Laden und Feuern, wie ich das noch in der RS erlebt habe.

Was fordert Sie am meisten heraus als neuer Schulkommandant?

Ich war hier in Liestal als Berufsoffizier als Unterstellter im Dienst. Damals habe ich dem Kommandanten ein Feedback gegeben, was ich von einer Schulführung in Sachen Einbindung der Mitarbeiter erwarte. Dazu gehört zum Beispiel eine Nachbearbeitung nach Abschluss einer RS, bei der die Mitarbeiter, die ja auch spezielle Fähigkeiten haben, in einem institutionalisierten Rahmen ihre Ideen einbringen können. Jetzt habe ich die Rolle gewechselt, und es gilt für mich, das Verlangte 14 Jahre später zugunsten der Schulentwicklung umzusetzen.

Und inwiefern sind die heutigen Rekruten eine Herausforderung?

Da fehlt mir die Erfahrung, denn es ist schon lange her, dass ich mit Rekruten zu tun hatte. Aber ich glaube nicht, dass sich der Mensch gross ändert. Auch die heutigen Rekruten sind jung, wild und hoffentlich neugierig. Die Herausforderung wird sein, die Bilder im kollektiven Gedächtnis, wie Militär sein soll, zurecht zu rücken. Denn das Militär ist keine Fantasiewelt mit romantisch verklärten Helden, die immer gewinnen, wie es auch meine Vorstellung war, als ich die RS begann.

Sondern?

Schlussendlich geht es um ein staatlich sanktioniertes Töten und Sterben für die Verteidigung von dem, was in der Bundesverfassung steht.

Trotzdem liessen Sie sich begeistern fürs Militär. Wann hat es bei Ihnen «klick» gemacht?

Ich wuchs in behüteten Verhältnissen auf und war nicht auf fremde Hilfe angewiesen. Mein Schlüsselerlebnis in der RS war, als sich mir auf einem langen Marsch mitsamt Ausrüstung an einer Steigung, wo ich an meine Grenzen stiess, eine Hand auf die Schultern legte und mich den Hang hinauf stiess. Diese unaufgeforderte Hilfe eines Kollegen ohne Erwartung einer Gegenleistung war für mich persönlich einmalig. Auch begann ich mich während der RS für Militärwissenschaften zu interessieren, also die Extremsituation des Menschen, bei der der Krieg die Bühne darstellt.

Gibt es für Sie auch Situationen, vor denen Sie als Schulkommandant vielleicht nicht gerade Angst, aber grossen Respekt haben?

Das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann, sind tödliche Unfälle während einer RS. Alles, was körperliche, aber auch psychische Verletzungen zur Folge hat, darf nicht passieren. Die Rekruten sind Staatsbürger, die wir militärisch ausbilden, und wir müssen ihnen entsprechenden Respekt zollen.

Die Infanterie RS 13 in Liestal wird voraussichtlich auf Ende 2016 aufgehoben. Danach sollen die Offiziersschule aus Colombier und eine Einheit der Infanterie-Durchdienerschule aus Aarau nach Liestal kommen. Wird diese Neuausrichtung das Ende ihrer Liestaler Kommandanten-Zeit sein?

Mein Vertrag als Schulkommandant läuft bis Ende 2016. Danach ist offen, wie es mit mir militärisch weitergeht. Aber die Offiziersschule zu leiten, an der ich früher Klassenlehrer war, wäre schon ein Traum für mich.

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