Seltisberg
Oliver Jacobi hat «in grober Weise» gegen Gesetz verstossen

Im Streit um Ungereimtheiten beim Bau seines Eigenheims hat das Bauinspektorat entschieden, dass der ehemalige Baselbieter Kantonsingenieur, Oliver Jacobi, einen Teil seines Hauses zurückbauen muss.

Julia Gohl
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Oliver Jacobi

Oliver Jacobi

Kenneth Nars

«Unstrittig ist, dass die Bauherrschaft mit ihrem Vorgehen in grober Weise gegen Paragraf 122 des Raumplanungs- und Baugesetzes verstossen hat.» Dieser Satz ist Vera Hasenböhler wichtig. Er steht im Entscheid des Bauinspektorats vom 23. August zum Eigenheimbau des ehemaligen Kantonsingenieurs Olive Jacobi und dessen Ehefrau, der ehemaligen Seltisberger Gemeinderätin Vanessa Duss Jacobi. «Sie haben immer behauptet, sie hätten keinen Fehler gemacht», sagt Hasenböhler, die als Nachbarin gegen den Neubau Einsprache erhoben hatte. «Im Entscheid steht ganz klar, dass das nicht stimmt.» Paragraf 122 besagt, dass von genehmigten Plänen nur mit Zustimmung der Baubewilligungsbehörde und nach Anhörung der Gemeinde und der betroffenen Nachbarschaft abgewichen werden darf.

«Dass das Bauinspektorat als Bewilligungsbehörde zu diesem Schluss kommt, wenn ein Bau noch nicht als fertig deklariert, aber auch noch nicht bewilligt ist, ist nachvollziehbar», so Jacobi. Er nehme das zur Kenntnis. «Wir haben sicher nicht in böser Absicht gehandelt.» Sein Ziel sei immer gewesen, bei der Bauabnahme einen bewilligungsfähigen Bau vorzeigen zu können. «Das ist mit dem vorliegenden Entscheid nun gegeben.»

Das Ehepaar Jacobi Duss hatte nach einem Zwischenbericht des Bauinspektorats mit diversen Beanstandungen am Bau bereits im März bereinigte Pläne eingereicht, auf welchen der nun vorliegende Entscheid fusst. Die darin enthaltenen Änderungen sehen unter anderem vor, dass der Hohlraum unter der Veranda aufgeschüttet wird. Weiter wird die Betonbrüstung entlang der Veranda durch ein Stahlgeländer ersetzt und das Dach auf dem Schöpfli mit einem geneigten statt einem Flachdach versehen.

Beschwerde noch möglich

«Sobald der Entscheid rechtskräftig ist, werden wir diese Änderungen umsetzen», so Jacobi. Das setzt voraus, dass keine Beschwerde gegen den Entscheid des Bauinspektorats eingereicht wird. Diese Option ist immer noch offen und für Vera Hasenböhler noch nicht definitiv vom Tisch. Es gebe mehrere kleinere Punkte, die sie noch mit ihrem Anwalt besprechen wolle, bevor sie sich für oder gegen eine Beschwerde entscheide.

Keine Chancen rechnet sie sich bei einem Rekurs in Sachen Grenzabstand aus. Dieser wurde punktuell um maximal drei Zentimeter unterschritten, wie das Bauinspektorat festhält. Im Grundsatz bestehe bei den Grenzbestimmungen kein Spielraum, aber beim Entscheid über einen eventuellen Rückbau komme das Verhältnismässigkeitsprinzip zum Tragen. So auch beim Eigenheim der Jacobis. Das Bauinspektorat gewichtet hier den erheblichen baulichen und finanziellen Aufwand höher als die Interessen der Einsprecherin und der Öffentlichkeit. Hasenböhler ist überzeugt, dass auch ein Weiterzug dieses Entscheids zum gleichen Resultat führen würde. Für sie sei dies ärgerlich. «Das schafft ein Präjudiz», sagt die ehemalige Seltisberger Gemeinderätin. «So ein mildes Urteil führt zum Denken: Wenn Oliver Jacobi das kann, kann ich das auch.»

Mit den Änderungen, welche die Bauherrschaft nach dem Zwischenbericht des Bauinspektorats vorgenommen hatte, wurden schon einige Einwände Hasenböhlers erfüllt. Sie zeigt sich denn auch relativ zufrieden mit dem Bericht, obwohl darin mehrere ihrer Einsprachen abgewiesen werden. Etwa jene, dass die Bebauungsziffer überschritten sei oder der Grenzabstand beim zum Pool gehörenden Rollladenkasten nicht eingehalten würde. «Der Bericht zum Entscheid ist sehr differenziert», sagt Hasenböhler. Für die Beleuchtung moralischer Aspekte sei das Bauinspektorat halt leider nicht zuständig. Ein kleines moralisches Urteil scheint es in dem 14-seitigen Bericht dann aber doch zu haben: Der Einsprecherin sei zuzustimmen, dass das Vorgehen der Bauherrschaft stossend ist.

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