Grossanlass
Reinacher sind in grosser Sorge wegen Grauen Wölfen

Am Samstag will sich die türkische ultra-nationalistische Bewegung Graue Wölfe in einem Saal im Gewerbegebiet Kägen treffen. Die Nachbarn sind in Aufregung.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Rein äusserlich unspektakulär: Der Hazal Dügün Salonu im Reinacher Kägen.

Rein äusserlich unspektakulär: Der Hazal Dügün Salonu im Reinacher Kägen.

Benjamin Wieland

Ein Saal, wie es ihn in der Agglomeration zu Dutzenden gibt. Ein Gewerbegebäude, eine Metalltreppe führt ins Untergeschoss. Nur ein Leuchtschild und ein Kleber an der verschlossenen Eingangstür bestätigen, dass man auch wirklich richtig ist, wenn man den Hazal-Saal sucht.

Am kommenden Samstag werden hier, an der Sternenhofstrasse 15 im Reinacher Gewerbegebiet Kägen, 500 Anhänger der Grauen Wölfe erwartet. Deren politischer Arm ist die rechtsextreme Milliyetçi Hareket Partisi (MHP), auf Deutsch Partei der Nationalistischen Bewegung. Die MHP unterstützt Präsident Recep Tayyip Erdoğan bei seinem Bestreben, in der Türkei ein Präsidialsystem einzuführen. Die Abstimmung findet am 16. April statt, die Stimmung ist bereits jetzt angeheizt, wie sich jüngst am vergangenen Wochenende in Rotterdam zeigte: Als die Polizei eine Pro-Erdogan-Veranstaltung auflösen wollte, kam es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

Autos in Sicherheit bringen

Der Hazal-Saal ist im Kägen-Gebiet bekannt. Gleich um die Ecke liegt der Showroom der Garage Schmid. Bettina Schmid sagt, sie habe von der geplanten Veranstaltung gehört und man sei beunruhigt. «Normalerweise lassen wir übers Wochenende unsere Fahrzeuge draussen stehen. Jetzt überlegen wir uns, sie einzuschliessen.» Schmid will nun Kontakt mit der Gemeinde aufnehmen und von ihr wissen, wie es um die Sicherheit der Gewerbebetriebe bestellt ist.

Schmids Bedenken sind nicht unbegründet: In Bern kam es 2015 am Rande einer Demonstration zu gewalttätigen Zusammenstössen zwischen Grauen Wölfen und Kurden. Damals wurden 22 Verletzte registriert. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Auto Passanten anfährt.

Vis-à-vis leben Flüchtlinge

Reinachs Osten ist an den Wochenenden ausgestorben, im Kägen wohnen nur wenige Menschen. Gleich neben dem Hazal Dügün Salonu an der Sternenhofstrasse 15 liegt jedoch ein Wohnheim für Asylbewerber. In diesem leben auch Familien mit Kindern.

Der Hazal-Saal wird privat betrieben und ist vor allem bei Hochzeitsgesellschaften beliebt. Angestellte einer Firma, die im selben Gewerbegebäude untergebracht ist, sagen, sie hätten von der bevorstehenden Veranstaltung noch nichts vernommen. Schon bei normalen «Feiern» müsse es aber hoch zu und hergehen, erzählt eine Frau: «Am Montag nach solchen Festen ist auch schon mal der Lift verkotzt, im Treppenhaus liegt Abfall herum.» Man werde jetzt die Kollegen informieren, damit sie übers Wochenende ihre Autos nicht in der Einstellhalle stehen lassen, denn auch zu dieser hätten die Saal-Nutzer Zutritt.

Ein Angestellter eines angrenzenden Auto-Lackierbetriebs sagt, bei den Hochzeitsfesten werde jeweils das ganze Gelände zuparkiert. Das hat auch Bettina Schmid beobachtet: «Wenn es viele Gäste hat, sind unsere privaten Parkplätze ebenfalls häufig zugestellt. Wir haben auch schon Hinweisschilder aufgestellt, doch das nützte wenig.»

Organisatoren beschwichtigen

Organisator des Anlasses ist die Schweizerisch-türkische Föderation. Nach dem bz-Bericht vom Donnerstag hat sich eine Person gemeldet, die sich als Mit-Organisator bezeichnet. Er schreibt: «Wir veranstalten fast jedes Jahr solche Konzerte. Ich kann euch als Organisator versichern, dass dort keine Politik betrieben wird.» Man könne sich am Samstag ja selber einen Augenschein nehmen.

Der Reinacher Gemeindepräsident Urs Hintermann erfuhr am Mittwoch von der geplanten Veranstaltung und sagte, der Gemeinde seien die Hände gebunden, denn es handle sich um einen Anlass in privaten Räumlichkeiten ohne bewilligungspflichtige Aktivitäten. «An dieser Ausgangslage hat sich nichts geändert», sagt Hintermann am Tag danach. «Für derartige Veranstaltungen braucht es keinerlei kommunale Bewilligung. Somit können wir auch keine Bewilligung verweigern.»

Die Sicherheit wiederum sei Sache des Kantons. Hier stehe man miteinander im Austausch: «Von Seiten Kantonspolizei wurde mir zugesichert, man sei auf die Veranstaltung vorbereitet.»