Schlösser-Initiative
Schloss-Initianten befürchten Verscherbelung des Hofguts Wildenstein

Das Komitee «Kultur verpflichtet» lud am Donnerstag zur Medienkonferenz, um seine Argumente bezüglich der Schlösser-Initiative darzulegen. Das Hofgut Wildenstein würde mit dem Gegenvorschlag weit unter Wert verkauft – das befürchten die Initianten.

Benjamin Wieland
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Das Komitee «Kultur verpflichtet» hielt seine Medienkonferenz im Rittersaal des Prattler Schlosses ab.

Das Komitee «Kultur verpflichtet» hielt seine Medienkonferenz im Rittersaal des Prattler Schlosses ab.

Benjamin Wieland

Die Kulisse war stimmig: Das Komitee «Kultur verpflichtet», das sich für den Erhalt des Status quo bei der Schlösser-Frage einsetzt, lud am Donnerstag zur Medienkonferenz - und hatte dazu den Rittersaal im Prattler Schloss ausgewählt. Historiker René Salathé, einer der sieben Votanten, schlug die Brücke zur Abstimmung am 3. März: Das Schloss Wildenstein habe wie Pratteln die Familie Eptinger als Besitzer gehabt, weshalb die Schlösser sozusagen Schwestern seien. Auch andere Redner holten historisch weit aus, um ihr Engagement zu begründen. Rasch wurde klar: Es geht bei der Schlösser-Initiative um Emotionen - und um Grundsatzfragen: kein Verkauf des Hofguts, keine Zerstückelung des Grundstücks.

Neben Altbekanntem brachte das Komitee, das bis dato 69 Mitglieder zählte und politisch breit abgestützt ist, aber auch neue Fakten aufs Tapet. So präsentierte Obmann Hans-Rudolf Tschopp einen Parzellenplan, der erst seit Kurzem vorliege. Er zeigt auf, dass ein grosser Teil des Grundstücks Wildenstein nicht zum Gutshof gehört - und somit auch nach dessen Verkauf in Kantonsbesitz bleiben würde. «Das Areal würde bei Annahme des Gegenvorschlags drei Besitzer aufweisen - unsere Wortwahl trifft also zu: Die Parzelle wird in drei Teile zerstückelt», sagte Paul Schär vom Komitee.

Um Transparenz bemüht

Im Vorfeld hatten sich Initiativ-Komitee und Regierung gegenseitig vorgeworfen, mit falschen Zahlen zu operieren. Auch bei diesem Streitpunkt war das Komitee um Transparenz bemüht. Es händigte eine Tabelle mit Kaufpreisen und Investitionen zwischen 1995 bis 1998 auf, basierend auf der Landratsvorlage zum Wildensteinkauf 1995. Daraus geht hervor, dass der Kanton für Gutshof samt Umland 7,5 Millionen Franken bezahlte. Hinzu kamen Investitionen in der Höhe von zwei Millionen, sodass die Aufwendungen für den Gutshof auf 9,5 Millionen beziffert werden können.

«Man redet von einem Kaufpreis um zwei Millionen, den die CMS für den Hof und das Land bezahlen würde. Die restlichen 7,5 Millionen wären in den Sand gesetzt», gab Schär zu Bedenken - die CMS käme «für ein Butterbrot» zu einem gut erhaltenen Landwirtschaftsbetrieb. Alt Regierungsrätin Elsbeth Schneider ergänzte: «Die jährlichen Unterhaltskosten sind in dieser Aufstellung nicht einmal enthalten. Das Verlustgeschäft für den Kanton würde folglich noch höher ausfallen.»

Schneider war eine von vier ehemaligen Regierungsmitgliedern, die dem Komitee ihre Aufwartung machten, neben Peter Schmid, Erich Straumann und Eduard Belser. Belser, in dessen Amtszeit der Wildenstein-Kauf fiel, äusserte sich zu Finanziellem (siehe Box). Straumann amtete als Aktenverteiler - und sorgte für den grössten Lacher des Anlasses, als er seine Aufgabe scherzhaft umschrieb: «Mein neuer Job: Weibel!».

BLKB: Nur ein Dreiviertel-Geschenk?

Die Bank nehme prinzipiell keine Stellung zu politischen Fragen. Das schickte die BLKB in einer Klarstellung vom Mittwoch voraus. Im Vorfeld der Schlösser-Abstimmung seien jedoch «Halb- und Unwahrheiten» verbreitet worden, die es zu berichtigen gebe. So sei der Betrag für die Wildenstein-Jubiläumsstiftung ein Geschenk, wie die Bank betont: «Die zehn Millionen werden nicht von der Gewinnausschüttung an den Kanton abgezogen, wie fälschlicherweise behauptet worden ist.» Dem widersprach an der Medienkonferenz des Komitees alt Regierungsrat Eduard Belser: Es sei gar nie behauptet worden, dass das Geld vom Gewinn abgezogen werde. Vielmehr habe das Komitee betont, dass dem Kanton als Hauptkapitalgeber rund drei Viertel der Gewinnausschüttung zustehe. «Es findet eine Art Umverteilung statt. Der Kanton macht sich also indirekt zu Dreivierteln selber ein Geschenk», erklärte Belser. (bwi)