Wahlen
Siegestaumel und Wundenlecken: Die Reaktionen der Baselbieter Parteipräsidenten

Die Baselbieter SVP strebt nach der Niederlage bei den Wahlen vom Sonntag bereits eine Korrektur in vier Jahren an. Die SP hingegen geht davon aus, dass sie nun einiges in der Regierung ändern kann. Derweil die kleinen Parteien Niederlagen zu verdauen haben.

Kelly Spielmann
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Einige Parteipräsidenten streben im Baselbiet bereits eine Kurskorrektur an.

Einige Parteipräsidenten streben im Baselbiet bereits eine Kurskorrektur an.

Nicole Nars-Zimmer (niz)

SVP-Präsident Oskar Kämpfer: «In vier Jahren wollen wir das korrigieren»

Oskar Kämpfer

Oskar Kämpfer

«Ich denke, dass wir wissen, was die Wähler wollen. Wir haben es aber sicher unterschätzt, dass die soziale Strömung des Klimawandels einen so starken Effekt haben wird. Vor acht Jahren haben wir nach Fukushima auch Sitze verloren. Es hat eine Veränderung im Bewusstsein der Wähler gegeben. Wir konnten nicht rechtzeitig zeigen, wie ernst wir das Thema nehmen. Wenn sich jemand in der Klimapolitik eingebracht hat, sind das wir. Vor vier Jahren hat sich das Ganze wieder korrigiert. Wir werden alles daransetzen, dass das wieder geschieht.»

SP-Präsident Adil Koller: «Es ist ein grossartiges Ergebnis»

Adil Koller Interview mit SP-BL-Preesi Adil Koller. Er kündigt an, dass die SP bei den LR-Wahlen stärkste Fraktion werden will und zeigt, wie er das erreichen will

Adil Koller Interview mit SP-BL-Preesi Adil Koller. Er kündigt an, dass die SP bei den LR-Wahlen stärkste Fraktion werden will und zeigt, wie er das erreichen will

Nicole Nars-Zimmer (niz)

«Es ist grossartig, wie Rot-Grün im Landrat gestärkt wurde. Die sozialen und ökologischen Anliegen erhalten wieder mehr Gewicht im Parlament. In der letzten Legislatur waren einige Ergebnisse sehr knapp. Das wird sich mit den neuen Verhältnissen ändern. Kürzungen bei den Schwächsten können wir künftig im Keim ersticken und soziale Anliegen stärker unterstützen. Dies auch gemeinsam mit der Wahl von Kathrin Schweizer in den Regierungsrat. Als neue Kandidatin den dritten Platz zu holen, das ist ein riesiges Resultat.»

FDP-Präsidentin Saskia Schenker: «Trotz aktueller Klimadebatte ein solides Resultat»

Saskia Schenker Saskia Schenker (FDP) ist neu im Landrat.

Saskia Schenker Saskia Schenker (FDP) ist neu im Landrat.

Martin Toengi

«Die Grosswetterlage hat sich geändert und wir konnten unser Ziel, drei Sitze mehr zu holen, nicht erreichen. Insbesondere die Klimadiskussion hat uns eingeholt. Ich bin daher sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Wir sind mit unseren 17 Sitzen gleich stark geblieben. Auch Monica Gschwind hat ein solides Resultat erzielt. Ihre Arbeit in den letzten vier Jahren hat sie gut gemacht. Es war aber auch eine schwierige Arbeit, wodurch sie nicht nur Freunde und auch Stimmen gewinnen konnte. Deshalb ist der vierte Platz ein gutes Ergebnis.»

CVP-Präsidentin Brigitte Müller-Kaderli: «Erleichtert, dass wir stabil bleiben konnten»

Brigitte Müller-Kaderli

Brigitte Müller-Kaderli

Kenneth Nars

«Ich bin sehr froh und erleichtert. Trotz grüner Welle konnten wir stabil bleiben und unsere Sitze behalten. Die Wählerschaft hat unsere produktive Arbeit im Landrat geschätzt und diese mit der Wahl gewürdigt. Wir haben aber in einigen Wahlregionen Stimmen verloren. Dort hätten wir die Wähler mit den bisherigen Kandidaten stärker mobilisieren können. Aber insgesamt war es ein sehr motivierter Wahlkampf. Im Landrat waren wir als Mittepartei schon immer das Zünglein an der Waage. Ich denke, dass sich diese Situation nun verschärfen wird.»

Grünen-Präsident Bàlint Csontos: «Jahrelange Arbeit kann etwas bewirken»

Balint Csontos

Balint Csontos

Roland Schmid

«Wir stossen jetzt verdient an, auch mit allen Mitgliedern, die sich engagiert haben. Wir Grünen sind stolz, Isaac Reber in unseren Reihen zu haben, Er geniesst unser volles Vertrauen und offenbar auch das der Bevölkerung. Auch das Wahlresultat im Landrat hat gezeigt, dass jahrelange, harte Arbeit etwas bewirken kann. Das wird auch die nächsten Jahre so bleiben. Euphorie ist trotzdem noch nicht angebracht, die nächsten Wahlen folgen bereits im Herbst. Das Wahlresultat ist nichts anderes als ein Auftrag der Bevölkerung für die nächsten vier Jahre.»

EVP-Präsident Martin Geiser: «Das Hauptziel, Sitze zu halten, ist erreicht»

Martin Geiser Martin Geiser ist Präsident der EVP Baselland

Martin Geiser Martin Geiser ist Präsident der EVP Baselland

zvg

«Ich bin glücklich, dass wir unsere Sitze halten konnten. Klar, wir haben auf einen weiteren, fünften Sitz gehofft. Das haben wir nicht erreicht. Aber das Hauptziel war, die vier Sitze zu halten. Dass wir das geschafft haben, ist durchaus ein Erfolg – besonders in der aktuellen Klimadebatte. Es gilt jetzt zu analysieren, weshalb wir keinen weiteren Sitz gewinnen konnten. Wir wollen wissen, wo wir zugelegt haben, wo wir Stimmen verloren haben und wo wir stabil bleiben konnten. Dementsprechend bereiten wir uns auf 2023 vor: Nach den Wahlen ist vor den Wahlen.»

glp-Präsident Hector Herzig: «Unser Ziel wäre realistisch gewesen»

Hector Herzig Porträt: Hector Herzig, glp-, Gemeindepreesi,

Hector Herzig Porträt: Hector Herzig, glp-, Gemeindepreesi,

Kenneth Nars

«Mit dem Resultat bin ich nicht zufrieden. Wir hatten das Ziel, zwei Sitze zuzulegen, und haben es nicht erreicht. Mit der aktuellen Klimathematik hätte es eigentlich möglich sein sollen, zwei Sitze mehr zu holen. Ich staune, dass alle diese Stimmen bei den Grünen gelandet sind. Die Stimmen, die rechts verloren gegangen sind, sind direkt an der Mitte vorbei nach links gewandert. Das ist schon erstaunlich. Woran es genau liegt, weiss ich nicht. Ich denke, die Abtrennung zwischen den Grünen und unserer Partei ist bei den Wählern nicht ganz angekommen.»

BDP-Präsident Marc Bürgi: «Das Vertrauen der Wähler hat gefehlt»

Marc Bürgi Porträt: Marc Bürgi, umtriebiger und initiativer Chef einer Baselbieter BDP mit mangelhafter Durchschlagskraft. Ist er noch in der richtigen Partei? Wie sieht er die Wahlen 2019

Marc Bürgi Porträt: Marc Bürgi, umtriebiger und initiativer Chef einer Baselbieter BDP mit mangelhafter Durchschlagskraft. Ist er noch in der richtigen Partei? Wie sieht er die Wahlen 2019

Nicole Nars-Zimmer (niz)

«Für uns ist das Resultat natürlich eine Enttäuschung. In den letzten vier Jahren ist es uns gelungen, auf kommunaler Ebene zu wachsen. Deswegen haben wir gehofft, auch kantonal zuzulegen oder zumindest unseren Sitz halten zu können. Trotzdem konnten wir die Wählerinnen und Wähler nicht davon überzeugen, dass wir wählbar und die einzige progressive bürgerliche Kraft sind. Das Vertrauen hat gefehlt. Für uns ist das Fazit dieser Wahlen, dass wir in die Breite wachsen müssen. Daran wollen und müssen wir weiterarbeiten.»

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