Staatsanwaltschaft
So verändert die Coronakrise die Arbeit der Baselbieter Stawa

Weniger Einbrüche, kaum Sterbehilfe: Wegen Corona geben gewisse Bereiche der Baselbieter Staataanwaltschaft plötzlich weniger zu tun. Arbeitslos sind die Erste Staatsanwältin Angela Weirich und ihr Team aber nicht: Zu hoch sind die Pendenzenberge.

Michael Nittnaus
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Die Erste Staatsanwältin Angela Weirich hat auch jetzt genug zu tun - einfach anderes.

Die Erste Staatsanwältin Angela Weirich hat auch jetzt genug zu tun - einfach anderes.

Michael Lutz ZVG

Vergangenes Jahr gingen bei der Staatsanwaltschaft Baselland deutlich weniger Fälle ein als noch 2018, wie dem gestern publizierten Jahresbericht zu entnehmen ist (siehe Kasten). 2020 könnte dieser Trend durch die Coronakrise verschärft werden. «Wir gehen aktuell davon aus, dass sich die Coronakrise sowohl auf die Entwicklung der Fallzahlen als auch auf die Verfahrensdauer auswirken dürfte», wird die Erste Staatsanwältin Angela Weirich in der Pressemitteilung zitiert.

Die Fallzahlen gingen 2019 stark zurück

Im Jahr 2019 verzeichnete die Baselbieter Staatsanwaltschaft insgesamt 30854 neu eingegangene Fälle. Das entspricht einem Rückgang um 5708 Fälle oder 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Rückgang geht in erster Linie auf die Übertretungsfälle zurück. Hier gingen 22559 Fälle ein, 5113 weniger als noch im Vorjahr. Der Rückgang bei den Vergehens- und Verbrechensfällen war mit 595 auf 8295 Fälle weniger deutlich. Insgesamt wurden im Jahr 24968 Fälle erledigt, das waren 5567 weniger als noch 2018. Insgesamt konnte die Stawa 73,5 Prozent der Vergehens- und Verbrechensfälle sowie 94,7 Prozent der Übertretungsfälle innerhalb von zwölf Monaten erledigen. (sda)

Auf Nachfrage der bz präzisiert Weirich: «Noch ist unklar, ob es am Ende des Jahres wegen Corona wirklich weniger Fälle sein werden. In gewissen Kategorien sehen wir einen deutlichen Rückgang, doch durch die spezifischen Corona-Verordnungen des Bundes und des Kantons gibt es auch neue Tatbestände.» Ein Indiz dafür: Im März 2020 seien gesamthaft ähnlich hohe Fallzahlen erreicht worden wie im Vorjahresmonat. In den vergangenen Wochen zurückgegangen seien Einbruchsdelikte (die bz berichtete). Interessant: Auch assistierte Suizide gebe es laut Weirich zurzeit kaum noch, die die Stawa sonst immer von Amtes wegen untersuchen muss. Vor allem Sterbehilfe-Organisationen, die Klienten aus dem Ausland empfangen, hätten ihre Arbeit sistieren müssen.

Einvernahmen werden verschoben

Die Erste Staatsanwältin könnte sich aber vorstellen, dass es 2020 dafür mehr Fälle digitalen Betrugs geben wird. Daher sei es gut, laufe bereits ein Projekt zum Ausbau der Kompetenzen im Bereich Cyberkriminalität. Auch Sicherheitsdirektorin Kathrin Schweizer zeigt sich im Jahresbericht besorgt: «Selbst aus der Coronakrise versuchen Kriminelle, im Internet mit betrügerischen Machenschaften Kapital zu schlagen.» Mit dem Projekt der Stawa liege man daher «goldrichtig».

Grundsätzlich, so Weirich, habe man den Betrieb wegen Corona etwas reduziert. «Nicht dringliche Einvernahmen verschieben wir.» Doch arbeitslos sei die Stawa keineswegs: «Kapitalverbrechen, Haftfälle, schwere Straftaten oder solche, bei denen die Verjährung näherrückt, bearbeiten wir natürlich weiter.» Wenn möglich würden Einvernahmen schriftlich oder per Videotelefonie durchgeführt. Sei ein direktes Gespräch nötig, habe man Spuckschutzscheiben installiert.

Weirich schätzt, dass derzeit über die Hälfte der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, was gut funktioniere. Und sie kann der Coronakrise auch Positives abgewinnen: «Dadurch wird die Digitalisierung unseres Arbeitsplatzes viel schneller vorangetrieben. Ausserdem nutzen wir die freien Ressourcen, um Pendenzen abzubauen.» Und davon gibt es noch genug: Ende 2019 waren 8786 Fälle hängig.

Ein weiterer Vorteil: Neben jenem zur Cyberkriminalität könne die Stawa aktuell auch andere Projekte schneller vorantreiben als ursprünglich vorgesehen. Weirich nennt unter anderem die laufende Überprüfung der Schnittstellen mit der Kantonspolizei.

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