Kantonsspital Baselland
Stationäres Angebot schon abgezogen: Das Spital Laufen steht bereits halb leer

Mehrere Monate früher als vorgesehen hat das Kantonsspital Baselland das stationäre Angebot am Standort Laufen abgebaut. Corona fungierte als Beschleuniger des Wandels zum ambulanten Zentrum. Die IG Pro Spital Laufen läuft Sturm, da der Landrat erst noch über die Standorte entscheiden muss.

Michael Nittnaus
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Das Angebot des KSBL in Laufen beschränkt sich fast nur noch aufs Erdgeschoss.

Das Angebot des KSBL in Laufen beschränkt sich fast nur noch aufs Erdgeschoss.

Kenneth Nars

Schön aufgereiht warten sie auf den Abtransport: Rund zwei Dutzend Nachttische mit schwenkbarem Telefon und Bildschirm stehen im Untergeschoss des Spital Laufen. Das Foto löste auf der Facebook-Seite der IG Pro Spital Laufen vor wenigen Tagen einen Schwall an entrüsteten Reaktionen aus. Die Tischchen sind für viele der Beleg dafür, dass der Abbau des stationären Angebots und die Transformation in ein ambulantes Gesundheitszentrum bereits in vollem Gange sind. Dabei hatte das Kantonsspital Baselland (KSBL) den Wechsel erst für den 1. Januar 2021 angekündigt.

Wegen Corona ging Innere Medizin früher nach Liestal

Auf Nachfrage der bz bestätigt das KSBL, dass man beim Abbau des stationären Angebots in Laufen schon weiter ist, als ursprünglich geplant. «Die Massnahmen im Zusammenhang mit dem Coronavirus haben die Transformation beschleunigt», sagt Sprecherin Anita Kuoni. Konkret wurde die medizinische Abteilung statt erst auf Ende Jahr schon im März nach Liestal verschoben.

Dafür kam die Rehabilitation vom Bruderholz nach Laufen, um auf dem Bruderholz das Coronaspital zu ermöglichen. Die Rückkehr der Reha ist derzeit im Gang und wird Ende September abgeschlossen sein. Die Innere Medizin hingegen kehrt laut Kuoni nicht mehr zurück: «Diesen grossen Bereich bloss für ein paar Monate wieder zurück zu verschieben, macht keinen Sinn.»

Patienten, die sich stationär behandeln lassen wollen, werden vom Spital Laufen gar nicht mehr angenommen. Das kann doch nicht sein.

(Quelle: Simon Felix, Laufner Stadtrat und Kopf der IG Pro Spital Laufen)

Das bedeutet, dass das gesamte zweite Stockwerk leer steht und sich das dritte mit der Reha stetig leert. Im ersten Stock verbleiben eingemietete Drittanbieter wie die Traditionelle Chinesische Medizin Laufental oder das Rheumazentrum. Als einziges stationäres Angebot des KSBL bleibt die Schmerztherapie in Laufen, dies noch bis ins erste Quartal 2021. Alle ambulanten Angebote sind weiterhin im Erdgeschoss angesiedelt, so der 24-Stunden-Notfall.

Der Wegzug der stationären Angebote spiegelt sich auch bei den Mitarbeiterzahlen in Laufen. Gab es Ende 2019 noch 142 Vollzeitstellen, sind es aktuell noch 116 und bloss 88, sobald die Reha weg ist. Kuoni betont, dass die Mitarbeiter mit den Angeboten die Standorte gewechselt hätten: «Mit der Neukonzipierung des Standortes Laufen gehen gesamthaft keine Stellen verloren.» Wie viele Angestellte am Ende im Gesundheitszentrum von KSBL und Medbase arbeiten, sei noch offen.

Landrat muss noch über Spitalstandorte entscheiden

«Patienten, die sich stationär behandeln lassen wollen, werden vom Spital gar nicht mehr angenommen. Das kann doch nicht sein», sagt der Laufner FDP-Stadtrat Simon Felix zur bz. Der Kopf der IG Pro Spital Laufen ist überzeugt, dass das KSBL nicht hätte Vorpreschen dürfen: «Noch bevor der Landrat über die Spitalstandorte entschieden hat, schliesst das KSBL den Standort Laufen. Trotz gültigem Laufentalvertrag», schreibt er auf Facebook.

Tatsächlich befindet das Kantonsparlament erst im Herbst darüber, ob im «Dekret über die Betriebsstandorte des KSBL» nur Liestal und Bruderholz erwähnt werden sollen. «Ist der Abbau in Laufen schon vollzogen, sind die Landräte doch nur noch Marionetten und können gar nicht anders, als das Dekret zu verabschieden. Das macht mich wütend», sagt Felix.

«Die eingeleiteten Transformationsschritte in ein ‹Regionales Gesundheitszentrum Laufental› folgen dem regierungsrätlichen Auftrag zur Umsetzung der Strategie ‹Fokus›», hält Kuoni fest. Die Strategie sei Ende 2019 auch vom Landrat gutgeheissen worden und das Dekret basiere darauf. Das KSBL sieht sich legitimiert, bereits aktiv zu werden.

IG gründet Verein, um mehr Geld für Klage zu sammeln

«Nicht alles, das legitim ist, sollte auch gemacht werden», sagt dazu Sven Inäbnit. Der Binninger FDP-Landrat hält es zumindest für «wenig geschickt», schon vor dem Landratsentscheid das stationäre Angebot abzubauen. Das Dekret komme bereits kommende Woche in die Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission und wohl im Spätherbst in den Landrat. «Auch wenn ich das KSBL unternehmerisch verstehe, plädiere ich in dieser Sache für etwas mehr Sensibilität.»

Unterstützung erhält das KSBL dagegen vom Kanton: «Das KSBL hält nach unserem Dafürhalten alle Punkte der Eigentümerstrategie ein», sagt Olivier Kungler, Generalsekretär der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion. Für ihn ist es verständlich, dass das KSBL bereits jetzt Vorbereitungsarbeiten machen muss. Zudem hält er fest: «Da der Landrat schon einstimmig der Strategie zugestimmt hat, ist das Dekret nun noch ein formaler Akt.» Letztlich sei es dazu da, um eine rechtliche Basis zu schaffen, den Standortentscheid mit Verweis auf den Laufentalvertrag überhaupt anfechten zu können.

Dass dies geschehen wird, daran lässt Felix keine Zweifel: «Wir werden klagen.» Kommende Woche werde die IG einen Verein gründen, um Geld für den Rechtsstreit zu sammeln – bis vors Bundesgericht.

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