Strafgericht Baselland
Er wurde gewalttätig und tötete die gemeinsamen Katzen: 35-Jähriger erhält zehn Monate bedingt und Geldstrafe

Ein 35-jähriger Mann schlug im Trennungsfrust seine Freundin und warf die Haustiere aus dem Fenster. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.

Patrick Rudin
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Der Mann wurde wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Tierquälerei schuldig gesprochen.

Der Mann wurde wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Tierquälerei schuldig gesprochen.

Kenneth Nars

«Es ist schrecklich, was passiert ist. Ich habe mich dafür gehasst», meinte der heute 35-jährige Mann am Dienstag am Strafgericht in Muttenz. Auslöser war wohl eine Diskussion mit seiner damaligen Freundin, sie wollte sich trennen. Im März 2020 rastete er in der gemeinsamen Wohnung in Reigoldswil aus: Zuerst beschimpfte er seine Freundin, würgte und schlug sie, auch drückte er ihr eine brennende Zigarette an die Schläfe. Schliesslich schob er sie aus der Wohnung und knallte die Türen hinter ihr zu. Danach demolierte er mit einem Hammer praktisch die gesamte Wohnung.

Trauriger Höhepunkt des Wutanfalls: Mit einem Messer tötete er die gemeinsamen Katzen, und als die Polizei kam, warf er die zwei Tiere aus dem Fenster. Vor Gericht betonte der Mann, er könne sich nicht mehr an jenen Tag erinnern. Seiner Mutter sagte er damals offenbar, wenn er nicht die Katzen haben dürfe, dann soll sie eben niemand haben.

Ausraster stand im Zusammenhang mit Alkohol und Kokain

Die 31-jährige Ex-Partnerin schilderte am Dienstag noch einmal die Vorfälle. Sie bestätigte, dass der 35-Jährige das nach der Tat verhängte Kontaktverbot stets eingehalten habe. Über seine Verteidigerin hatte er ihr einen Brief zukommen lassen, in dem er sich für die Gewalttaten entschuldigte. Als der Gerichtspräsident die Frau fragte, ob sie den Brief erhalten habe, musste sie lachend einräumen, dass sie seine Schrift kaum habe entziffern können.

Der Mann war inzwischen mehrmals in Kliniken, laut der Gutachterin hatte der damalige Ausraster hauptsächlich mit Alkohol und Kokain zu tun. Punkto Abstinenz erlitt der Mann immer wieder Rückfälle, ist aber seither nicht mehr straffällig geworden.

Forderung von 5'000 Franken sei zu hoch

Der Schuldspruch wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Tierquälerei war nicht überraschend. Wegen einer mittelgradig verminderten Zurechnungsfähigkeit reduzierte das Gericht die Strafe auf zehn Monate bedingt, allerdings muss der Mann während der vierjährigen Probezeit seine ambulante Psychotherapie zwingend weiterführen.

Weitaus komplizierter als der strafrechtliche Teil waren am Dienstag die Zivilforderungen. Im sogenannten Adhäsionsverfahren beurteilt dasselbe Gericht nach dem Strafurteil auch alle Eingaben von Geschädigten, dabei gelten allerdings die knallharten Regeln des Zivilprozessrechtes: Alle Vermögensschäden müssen detailliert und genau belegt sein, bei immateriellen Einbussen sind höchstens symbolische Beträge zu erwarten.

Opfervertreterin Suzanne Daved hatte nebst Schadenersatzforderungen für die zerstörten Möbel auch eine Entschädigungsforderung für die zwei getöteten Katzen gestellt: 5'000 Franken seien als sogenannter Affektionswert angemessen. Das Dreiergericht sah das allerdings anders: Robert Karrer betonte, das Gericht habe vergleichbare Genugtuungen etwa bei Sexualdelikten damit verglichen, der Betrag sei zu hoch. Für die zwei getöteten Katzen sprachen die Richter 700 Franken zu, für die Brandverletzung eine Genugtuung von 300 Franken. Tiefer konnte das Gericht allerdings wegen der im Zivilrecht geltenden Dispositionsmaxime gar nicht gehen, da der Mann diese Beträge anerkannt hatte.

Dabei wird es wohl bleiben: Die Frau hat zwar noch weitere prozessuale Mittel, trägt dabei aber ein hohes Prozesskostenrisiko.

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