Pratteln
Um den Aquila-Turm zu füllen: Immobilienfirma lockt mit Möbelgutschein

Im Aquila-Tower beim Prattler Bahnhof sind noch Wohnungen frei. Nun kommen unorthodoxe Methoden zum Zug.

Benjamin Wieland
Drucken
Grosser und kleiner Bruder: Der Helvetia-Turm (links, 75 Meter) und der Aquila-Turm (66 Meter) in Pratteln.

Grosser und kleiner Bruder: Der Helvetia-Turm (links, 75 Meter) und der Aquila-Turm (66 Meter) in Pratteln.

Juri Junkov

Das Aquila-Hochhaus in Pratteln ist der erste grosse Bau in der Schweiz mit einer Fassade aus feuerverzinkten Stahlblechen. Sollte dieses Argument bei potenziellen neuen Bewohnern nicht ziehen, gibt es nun ein weiteres: Wer eine der 76 Wohnungen im Turm mietet, erhält einen Einrichtungsgutschein in der Höhe von 1000 Franken. So wirbt die Firma, die für die Vermietung der Wohneinheiten zuständig ist, auf Plakaten in der Region.

Auch in Liestal wird geworben.

Auch in Liestal wird geworben.

bwi

Das Angebot mit dem Namen «Wohnglück Sommeraktion» gilt noch bis zum 18. August. Die einzigen Einschränkungen: Die Aktion ist begrenzt auf Wohnungen, die im Erstbezug angemietet werden, beim Erstbezug beträgt die Mindestmietdauer ein Jahr. Und: Der Gutschein kann ausschliesslich bei «Interio» eingelöst werden. Beim Einrichtungshaus winken dafür weitere Rabatte, wie es auf der Webseite des Aquila-Turms heisst: «Zudem schenkt Interio Ihnen bei Kauf ab 3000 Franken einen weiteren Gutschein von 500 Franken.»

Die neuen Möbel könnten auch deshalb notwendig werden, weil die Aquila-Wohnungen asymmetrische Grundrisse aufweisen. Das bedeutet: Rechte Winkel gibt es nur wenige. Das sperrige alte Doppelbett aus Holz sollte man also vor dem Einzug besser ins Brockenhaus oder aber mit einer Säge in Form bringen.

Es ist nicht die erste Vermietungsaktion für den «Aquila». Eine solche gab es schon vor Weihnachten. Wer damals einzog, erhielt die Miete bis Ende Jahr geschenkt. Läuft die Vermietung harzig? Von den Verantwortlichen heisst es auf Anfrage lediglich: no comment.

Rekord-Leerstand in Pratteln

Ein Blick auf die freien Objekte im «Aquila» zeigt jedoch: Der Leerstand ist nicht allzu hoch, vor allem auch, wenn man die grosse Bautätigkeit in der Gemeinde beachtet. Von den 76 Wohnungen im 66 Meter hohen Gebäude sind – Stand gestern – deren 17 zu haben. In ganz Pratteln waren 2016 laut statistischem Amt 102 Wohneinheiten nicht vermietet – so viele wie in keiner anderen Gemeinde im Baselbiet.

In Sichtdistanz zum «Aquila» stehen auch der Ceres-Tower, an dem immer noch gebaut wird, und der Helvetia-Tower. Das Helvetia-Hochhaus wurde im vergangenen Jahr eröffnet. Im 75 Meter hohen Gebäude werden 123 Wohnungen angeboten, von diesen sind knapp 10 Prozent unvermietet. Im kommenden November können auch die ersten Mieter in den «Ceres» (82 Meter) einziehen. Wie auf dessen Projektwebseite zu sehen ist, sind von den 90 Wohneinheiten deren 67 bereits bewohnt oder reserviert. Der Leerstand liegt also bei einem zu diesem Projektstand tiefen 25 Prozent.

Wachstum geht weiter

Die Gutschein-Aktion gesehen hat auch der Prattler Gemeindepräsident Stephan Burgunder. Für ihn stehen die drei neuen Hochhäuser symbolisch für die Entwicklung, die Pratteln angestossen hat. Innerhalb von fünf Jahren stieg die Bevölkerung um 1000 Einwohner an, von 15 300 auf 16 300. «Und es wird so weiter gehen», sagt Burgunder. «Bis 2027 soll Pratteln 19 000 Einwohner zählen.» Die Zahl ist auch in den Legislaturzielen festgehalten.

Wie die Hochhäuser werden auch die kommenden grösseren Überbauungsprojekte laut Burgunder im Bahnhofsgebiet realisiert. Unternehmer Hermann Alexander Beyeler hat im Mai angekündigt, dass er auf zwei ehemaligen Industrie- und Gewerbearealen einen kompletten neuen Stadtteil hochziehen will. Zahl der neuen Einwohner laut Beyelers Plänen: 2400.

In Pratteln wird es also wohl weiterhin ungewöhnliche Vermietungsaktionen geben.

Aktuelle Nachrichten