Umfahrung Gelterkinden/Böckten ist abgehakt

Wie die Verkehrsprobleme auf der Achse Gelterkinden–Chienbergtunnel dennoch gelöst werden könnten.

Simon Tschopp
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Eine Umfahrung ist ein zwiespältiges Ding: Zwar wird dadurch ein Dorf oder eine Region vom Verkehr entlastet, dafür stauen sich die Autos andernorts. Dies ist auch zu beobachten, nachdem der Chienbergtunnel 2006 in Betrieb gegangen ist. Sissach hat seinen Dorfkern beruhigen können, aber vor den beiden Tunnelportalen kommt es während der Hauptverkehrszeiten zu Rückstaus. Prekär ist es vor allem auf der Achse von Gelterkinden bis Chienbergtunnel. Wie kann diese Situation entschärft werden?

Dazu hat der Gelterkinder FDP-Landrat Stefan Degen Ende Januar 2019 ein Postulat eingereicht, welches das Kantonsparlament vor gut einem Jahr überwiesen hat. Nun hat die Regierung eine Vorlage ausgearbeitet und beantragt, den Vorstoss abzuschreiben.

Mehrere Massnahmen möglich

Sie listet gleich mehrere Lösungsansätze auf. Eine schon früher angedachte Umfahrung von Gelterkinden/Böckten, die jedoch wieder aufgegeben worden ist, rückt in den Hintergrund und wird deshalb nicht weiterverfolgt. Sie wäre kaum zweckmässig und wiese kein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis auf, schreibt die Exekutive.

Eine Möglichkeit ist, beim Doppelkreisel vor dem Ostportal des Chienbergtunnels bauliche Veränderungen vorzunehmen, um sowohl Rückstaus in den Tunnel als auch den Zufluss aus Richtung Böckten abzubauen. Beim Roseneck-Kreisel in Gelterkinden ist eine einfache Lösung ausgeschlossen, weil mitten im Siedlungsgebiet Eingriffe schwierig sind.

Die Regierung bringt zudem den Ausbau der kombinierten Mobilität, das Veloverkehrspotenzial und ein regionales Verkehrsmanagement ins Spiel. Sie erwähnt, «dass die Park+Ride-Anlagen von Gelterkinden und Sissach nur zur Hälfte ausgelastet sind und es gerade in Gelterkinden noch Raum für mehr Park+Ride-Plätze hat». Ebenfalls bestehen beim Bike+Ride Optionen zur Verlagerung.

Gegenwärtig läuft eine Planungsstudie, um das kantonale Radroutennetz weiterzuentwickeln. Bei diesen Abklärungen hat sich gezeigt, dass sie Strecke zwischen Sissach und Gelterkinden ein Potenzial von 1500 bis 2000 Velofahrerinnen und Velofahrer pro Tag hat. Es sei denkbar, dass diese Strecke ins Netz der Velovorzugsrouten integriert werde. Ein regionales Verkehrsmanagement hätte zum Ziel, den Verkehr auf den Hauptachsen mit Dosierungsanlagen bewusst zu steuern. Dazu müssten aber die betroffenen Gemeinden ins Boot geholt werden.

Die Kantonsregierung stellt in ihrem Fazit fest: «Die Verkehrsfragen auf der Achse Sissach–Gelterkinden sind ins Verhältnis zu setzen zur Situation in der näheren Agglomeration Basel.» Es handle sich um eine Thematik der Spitzenstunden mit einer Überlast von nur wenigen hundert Fahrzeugen am Tag – weniger als fünf Prozent des Tagesverkehrs.

Die Exekutive erläutert in ihrer Stellungnahme, die Verkehrsengpässe bestünden zwischen einer und zwei Stunden in die jeweilige Fahrtrichtung. Könnten die Spitzenstunden am Morgen und am Abend um je rund 200 bis 400 Fahrzeuge reduziert werden – bei zwei Spitzenstunden total 400 bis 800 Fahrzeuge –, wäre das Verkehrsaufkommen auf einem Niveau, das eine «vernünftige Abwicklung» erlaube.

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