Einstellungsstopp
Vakante Professuren: Alt Regierungsrat äussert harsche Kritik

Peter Schmid (SP) war Geburtshelfer der Univerträge zwischen Basel-Stadt und Baselland. Die aktuelle Diskussion um die Institution schmerzt den Bildungspolitiker.

Benjamin Rosch
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«Eine solche Unterstellung finde ich unanständig.» Peter Schmid, Alt Regierungsrat

«Eine solche Unterstellung finde ich unanständig.» Peter Schmid, Alt Regierungsrat

Martin Toengi

Peter Schmid hat die Bildungspolitik in der Region nachhaltig geprägt. Er gilt als Vordenker der bikantonalen Trägerschaft der Basler Universität. Die bz erreicht ihn in Genf, die Entwicklungen der letzten Tage hat er genau verfolgt.

Herr Schmid, die Basler Universität hat bis 2017 einen Einstellungsstopp beschlossen. Macht das Sinn?

Peter Schmid: Das ist eine direkte Folge darauf, dass Baselland angekündigt hat, zukünftig weniger Geld zu geben. Dass die Uni die 25 fehlenden Millionen mit Drittmitteln kompensieren kann, das halte ich für unwahrscheinlich. Das Handeln der Uni scheint mir nötig, aber es ist kein gutes Zeichen.

Ist die Uni in Gefahr?

Die Gründe für einen Abbau sind nur in einem kleinen, regionalen Kreis bekannt. In der Welt der Lehre und Forschung macht die Uni ganz einfach plötzlich einen schlechten Eindruck. Der Imageschaden ist ein Problem.

Ist dieser jetzt schon eingetreten?

Das kann man so nicht sagen. Er tritt nicht kurzfristig ein. Es ist aber so: Baselland verströmt zu viele Negativmeldungen, deshalb hat der Ruf des Baselbiets gelitten. Ich habe die Befürchtung, dass die Uni in dieses Fahrtwasser gerät.

Zur Person

Der Bildungspolitiker

Peter Schmid hatte viele verschiedene Berufe: Sozialarbeiter, Religionspädagoge, Ehrendoktor der Theologischen Fakultät, Präsident der Fachhochschule beider Basel, Vorläufer der heutigen FHNW, deren Weg er bereitete. Von 1989 bis 2003 war er Baselbieter Bildungsdirektor, in der Regierung vertrat er die SP. Heute ist der 65-Jährige Präsident der Freunde des Zolli.

Was ist der Fehler der Baselbieter Regierung?

Ich bin klar für die Fortsetzung des Univertrages. Wenn man aber eine Änderung will, dann muss man einen Plan vorlegen, wo die Uni Kosten reduzieren soll. Hier ist die Baselbieter Regierung in der Pflicht. Sie soll benennen, was die Folgen einer Reduktion des finanziellen Beitrages sind.

Es gibt die These, dass die Uni Druck auf die Baselbieter Regierung aufsetzen will. Teilen Sie diese Einschätzung?

Um es mal ganz liebevoll zu sagen: Eine solche Unterstellung finde ich unanständig. Die Uni kann gar nicht anders, als sorgfältig ihre Ressourcen zu planen. Das ist sicher keine Provokation.

Der 80-Millionen-Deal brauchte auch baselstädtischen Goodwill. Ist dieser nun verspielt, wenn die Basler ihre Bemühungen nicht fruchten sehen?

Ich will es umgekehrt sagen: Ich fände es ein wichtiges Signal, dass
die Baselbieter Regierung jetzt Planungssicherheit garantiert. Jener Teil der Trägerschaft, der den Beitrag kürzen will, ist weiss Gott in einer höheren Verantwortung. Basel-Stadt kann ja nicht einfach die Ausfälle kompensieren.

Die partnerschaftliche Trägerschaft von Basel-Stadt und Baselland ist Ihr Kind. Wie nehmen Sie die neusten Entwicklungen persönlich wahr?

Wenn ich mir vorstelle, was alles abgeschafft worden ist, was ich eingeführt habe – zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, das macht man nie alleine – dann ist das für mich schon sehr schwierig. Der Kulturvertrag steht auf der Kippe, neuerdings will die Baselbieter Regierung den Schulkindern nicht mal mehr den Zolli-Besuch ermöglichen. Es ist für mich schwierig, mitanzusehen, wie vieles, was das Baselbiet mal mit Freude und Stolz eingeführt hat, weggerafft wird. Ich bin mir bewusst, dass ich auf diese Entwicklung auch emotional reagiere.

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