Vandalismus
Jugendliche wüten in Seltisberg ‒ ist Corona schuld?

In der Oberbaselbieter Gemeinde waren jugendliche Vandalen unterwegs. Ein Seltisberger Gemeinderat vermutet, dass dies mit der Pandemie zusammenhängt.

Dimitri Hofer
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Ähnlich wie hier im solothurnischen Hägendorf kam es auch beim Bushäuschen in Seltisberg zu Vandalismus.

Ähnlich wie hier im solothurnischen Hägendorf kam es auch beim Bushäuschen in Seltisberg zu Vandalismus.

Zur Verfügung Gestellt / Oltner Tagblatt

Bars, Clubs und Kinos sind geschlossen. Veranstaltungen und Konzerte dürfen nicht stattfinden. Gerade für Jugendliche ist der Stillstand des öffentlichen Lebens eine Herausforderung.

Was tun, wenn das, was man sonst macht, auf einmal nicht mehr möglich ist? In Seltisberg vermutet der für öffentliche Ordnung und Sicherheit zuständige Gemeinderat Tobias Grieder, dass Corona einige Jugendliche auf dumme Ideen bringt.

Kaputte Scheiben und ein verschmiertes Schulhaus

In der Oberbaselbieter Ortschaft ist es seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr zu mehreren Vandalenakten gekommen. «Am Bushüsli wurden die Scheiben kaputtgeschlagen und beim Schulhaus kam es zu Sprayereien», musste Gemeinderat Grieder feststellen. «Wir registrieren seit Corona eine Zunahme an Vandalismus.» Zuvor habe es in der 1300-Einwohner-Gemeinde selten Sachbeschädigungen gegeben.

Für Tobias Grieder ist eine Verbindung zwischen den Vandalenakten und den Veränderungen durch die Coronapandemie wahrscheinlich: «Ich denke, dass es miteinander zu tun hat», erklärt er. In der aktuellen Ausgabe des «Gemeindeanzeigers Seltisberg» schreibt er im Editorial:

«Viele Jugendliche haben seit Beginn der Covid-19-Pandemie und der damit verbundenen Schliessung verschiedener Lokale, höherer Fachschulen, Fitness- und Jugendzentren keine Möglichkeiten mehr, sich auszutauschen und sich zu treffen.»

Um dennoch gemeinsam Zeit verbringen zu können, suchten sie sich neue Treffpunkte aus. Nicht selten konsumierten sie dabei Alkohol.

Ob tatsächlich ein Zusammenhang besteht, ist schwer zu eruieren. Gesamtkantonal scheint dies auf jeden Fall nicht zuzutreffen. Bei der Baselbieter Polizei heisst es auf Anfrage: «Die These, dass es eine Verbindung gibt, können wir nicht bestätigen», sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler. Man habe im vergangenen Jahr keine signifikante Zunahme an Sachbeschädigungen, zu den Vandalenakte gehören, festgestellt.

Die Aussagen von Andreas Mock, Sprecher der Polizei Solothurn, klingen ähnlich. Er sagt zwar: «Sachbeschädigungen in Zusammenhang mit Vandalismus haben in den vergangenen Jahren stetig zugenommen, auch 2020 dürfte dies aufgrund erster Zahlen der Fall sein.» Aber: «Mit Blick auf diese Fallzahlen sehen wir eine mehr oder weniger eher konstante Entwicklung über die letzten Jahre und für 2020 keinen signifikanten Anstieg.» Einen Zusammenhang mit Corona könne man «aufgrund der vorliegenden generellen Entwicklung und den Fallzahlen nicht ableiten».

Die Kantonspolizei ist nun in Seltisberg zuständig

In Seltisberg hat der Gemeinderat derweil reagiert: Seit Anfang 2021 besteht eine Leistungsvereinbarung mit der Polizei Baselland. Die Kantonspolizei ist unter der Woche von 17 bis 8 Uhr sowie an Wochenenden für die Sicherheit zuständig. Zuvor war dies Aufgabe des Seltisberger Gemeinderats gewesen. Zumindest seither ist es zu keinen neuen Vandalenakten gekommen.

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