Pratteln
Villenviertel mit guter Lobby: Bewohner pochen auf ihr Ruftaxi – und verbuchen einen Erfolg

Gerade erst hat der Prattler Gemeinderat eines Ruftaxi geprüft und als zu teuer bezeichnet. Doch die Bürgerlichen im Einwohnerrat boxen eine erneute Überprüfung durch.

Michel Ecklin
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Die Bewohner der Hanglagen in Pratteln suchen den Anschluss an den öffentlichen Verkehr.

Die Bewohner der Hanglagen in Pratteln suchen den Anschluss an den öffentlichen Verkehr.

Michel Ecklin

Mindestens 65 000 Franken würde es die Gemeinde Pratteln jährlich kosten, um in den Abendstunden mit einem Ruftaxi die Villenquartiere am Hang zu bedienen. Zu teuer, befand der Gemeinderat in seinem Gesamtkonzept für den öffentlichen Verkehr. Den Entscheid machte er sich nicht leicht. Er erarbeitete drei Varianten eines Ortsbusses – und verwarf sie allesamt.

Lieber solle man den Ortsbus, der seit 2012 im Testbetrieb fährt, definitiv einführen, so lautete der Antrag an den Einwohnerrat. Abzüglich Leistungen von Gewerbe und Kanton, belastet das die Gemeindekasse mit 57 000 Franken jährlich. Der Gemeinderat schlug dem Ortsparlament zudem vor, sich beim Kanton für weitere neue Buslinien einzusetzen, zum Beispiel nach Salina Raurica. Damit wären alle Prattler Ortsteile in der Ebene abgedeckt, so die Idee des Gemeinderats. Die Hanglagen hingegen sind laut Studie nicht dicht bewohnt genug für ein eigenes Angebot. Zudem sei die Gehdistanz zum Ortsbus vertretbar.

Ortsbus ist "Luxus"

Doch die Bewohner der Hanglagen haben eine gute Lobby. Sie haben in den vergangenen Monaten eine Einzelinitiative lanciert, die einen öffentlichen Verkehr in ihren Quartieren fordert. Zudem reichten sie eine gleich lautende Petition ein. Sie waren jetzt im Einwohnerrat gut im Publikum vertreten, und die bürgerliche Ratshälfte setzte sich für sie ein - mit Erfolg.
«Wir machen viel für die Ebene, aber nichts für die Hanglagen», sagte Fredi Wiesner (SVP). Seine Partei war für ein Ruftaxi, bekämpfte aber den Ortsbus in der Ebene.

«Pratteln ist flach, da kann man zu Fuss gehen», meinte Christoph Pfirter, ebenfalls von der SVP. «Den Bus brauchen nur Alte und Gehbehinderte, oder wer bequem ist.» Für ihn war der Bus schlicht «Luxus».

Weil die FDP sich nicht gegen den Ortsbus sträubte, kann dieser jetzt definitiv eingeführt werden. Denn die Linke war sowieso geschlossen dafür. «Wir haben lange genug über den Ortsbus diskutiert», sagte Christine Weiss-Rufer (SP) angesichts der sechsjährigen Testphase. «Jetzt ist es Zeit, ihn definitiv einzuführen.»

Keine Pflicht zur Erschliessung

Trotzdem muss der Gemeinderat nochmals über die Bücher. Eine bürgerliche Mehrheit verknurrte ihn nämlich dazu, ein weiteres Mal die Einführung eines Ruftaxis im Hang zu prüfen – trotz massiver Bedenken von Gemeinderat Stefan Löw (FDP). Er erinnerte an die gesetzliche Lage: «Wir dürfen ganz klar mit dem Ruftaxi andere Angebote des öffentlichen Verkehrs nicht konkurrenzieren», sagte er. Andernfalls werde der Bund die Gemeindesubvention an das Taxiunternehmen nicht genehmigen.

Und aus der Bevölkerungsdichte am Hang ergebe sich keine gesetzliche Erschliessungspflicht. «Ein Ruftaxi wäre reiner Goodwill», lautete sein Fazit. Nach dem Entscheid der Ratsmehrheit versprach er aber: «Wir werden den Bedarf nach einem Ruftaxi noch vertiefter abzuklären als bisher.»

Die Hangbewohner scheinen gewillt zu sein, für ihr Anliegen zu kämpfen. Das Flugblatt, das sie im Einwohnerrat verteilten, war mit «So nicht!» betitelt. Das Ruftaxi müsse kommen, lautete die Forderung. Und weiter stand da (in wackligem Deutsch): «Widerspruch und öffentlicher Protest also angesagt, macht Euch gefasst! So viel für heute».

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