Schmalspur-Debatte
Waldenburgerbahn: Sowohl Meterspur als auch Dampflok sind möglich

75 oder 100 Zentimeter? Der Debatte um die zukünftige Spurbreite der Waldenburgerbahn steht ein neuer Lösungsanssatz entgegen. Die Rhätische Bahn machts vor: Sie führt dreigleisige Streckenabschnitte. Doch das kostet ordentlich was.

Andreas Hirsbrunner
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Hier teilt sich die Rhätische Bahn einen Streckenabschnitt mit der breiteren SBB. Sind dreigleisige Schienen auch Zukunftsmusik fürs Waldenburgerli?

Hier teilt sich die Rhätische Bahn einen Streckenabschnitt mit der breiteren SBB. Sind dreigleisige Schienen auch Zukunftsmusik fürs Waldenburgerli?

Rhätische Bahn

75 oder 100 Zentimeter? Diese beiden Zahlen beschäftigen derzeit die Baselbieter Politik, vor allem aber das Waldenburgertal. Denn sie stehen für die künftige Spurbreite der Waldenburgerbahn (WB) und damit auch für die Zukunft der historischen Dampfbahn. Dabei gilt: Wird die exotische Spur der WB von heute 75 Zentimetern auf einen Meter verbreitert, wie sie bei einer Vielzahl von Schweizer Bahnen von der Appenzeller bis zur Rhätischen Bahn Usus ist, würde das das Aus für das Dampf-Waldenburgerli bedeuten. Gegenwärtig läuft das Finale im Entscheid um die Spurbreite: Die Vorlage der Regierung liegt bei der landrätlichen Bau- und Planungskommission, spätestens im Dezember entscheidet der Landrat.

Die Spurweite-Diskussion spaltet nicht nur Parteien und Fachleute, sondern auch das Waldenburgertal. Ein gutes Stimmungsbild dürfte die morgige Podiumsdiskussion liefern (siehe Fussnote). Klar für die 75-Zentimeter-Spur ist die Waldenburger Gemeindepräsidentin und Landrätin Andrea Kaufmann (FDP). Sie schrieb kürzlich in der «Volksstimme»: «Es besteht kein Zweifel, dass der wichtigste Identitätsstifter für uns die Waldenburgerbahn mit der Dampfbahn ist.» Sie gehöre zu den raren historischen Kulturgütern und diese gelte es zu erhalten. Dazu komme, dass ein abgespecktes Projekt, bei dem man die Geleise nicht durchgängig erneuern müsse, günstiger komme.

Kompromisse sind nicht gratis

Auf der andern Seite plädiert die Regierung gerade aus Kostengründen für eine Spurverbreiterung. Auf 40 Jahre hochgerechnet kommen die Lebenszykluskosten für Rollmaterial und Infrastruktur inklusive Geleiserneuerung gemäss Landratsvorlage bei der Meterspur auf 275, bei der 75-Zentimeter-Spur auf 281,2 Millionen Franken zu stehen. Grund für die Kostendifferenz ist, dass Standardlösungen sowohl beim Kauf wie beim Unterhalt günstiger sind.

Im Moment stehen die Zeichen also auf Konfrontation. Doch gibt es allenfalls auch eine Kompromisslösung? Die Rhätische Bahn betreibt auf rund zehn Kilometern zwischen Chur und Domat/Ems und zwischen Landquart und Untervaz sogenannte dreigleisige Schienen. Dabei ist innerhalb der SBB-Schienen mit einer Breite von 143,5 Zentimetern ein drittes Gleis verlegt, sodass die Rhätische Bahn mit ihrer Spurbreite von einem Meter das gleiche Trassee befahren kann.

Genutzt wird diese Lösung vor allem für Zufahrten zu grossen Firmen wie der Ems-Chemie, damit Güter sowohl per SBB wie auch per Rhätischer Bahn angeliefert werden können. Aber dreigleisige Schienen sind teurer in der Anschaffung und im Unterhalt. Darauf verweist auch Jörg Jermann, Leiter Mobilität bei der Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion. Ob bei einer Spuränderung dreigleisige Schienen auf zumindest einem Teil des WB-Netzes Sinn machen, um den Dampfbetrieb zu ermöglichen, oder ob sie die Kosteneinsparungen gerade wieder vernichten, kann er aber nicht sagen.

Solche weitergehende Abklärungen seien nicht Bestandteil der Landratsvorlage gewesen, ergänzt Jermann. Ebenfalls teuer käme ein anderer möglicher Kompromiss zu stehen: Im deutschen Meiningen unterhält die Deutsche Bahn ein Dampflokwerk, in dem historische Schienenfahrzeuge instand gestellt werden. Man könnte dort auch die Gédéon-Thommen-Dampflokomotive und die drei alten Wagen der WB auf eine Spurweite von einem Meter anpassen. Doch das wäre aufwendig mit neuem Unterbau, neuen Radsätzen, neuer Bremsanlage und anderem mehr, wie der technische Leiter Eberhard Grimm ausführt. Er schätzt die Kosten dafür aus der Ferne und «völlig unverbindlich» auf Kosten von 600 000 bis 700 000 Euro.

Unter dem Titel «Waldenburgerbahn wohin – mit oder ohne Nostalgie?» findet morgen um 20 Uhr im Restaurant Leue in Waldenburg eine Podiumsdiskussion mit Politikern und Fachleuten statt.

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