Wildtier-Streit
Wegen Kritik am Circus Royal – Tierschützer stehen vor Baselbieter Strafgericht

Äusserungen über die Löwen-Nummer landen vor Gericht: Der Circus hat Strafanzeige wegen übler Nachrede gegen einen Tierschutzvertreter gestellt.

Patrick Rudin
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«Zirkus ja, aber ohne Tiere», lautet das offizielle Motto der Tierschützer.

«Zirkus ja, aber ohne Tiere», lautet das offizielle Motto der Tierschützer.

KEYSTONE/EPA/ANDREAS GEBERT

«Solange Sie mit Tierausbeuterinnen zusammenarbeiten, kann ich nur einen Stern vergeben», kommentierte Benjamin Frei im Verlauf des Sommers 2015 auf der Facebook-Seite einer Brauerei. Frei ist Vizepräsident der Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres. Der offizielle Name der Genfer NPO lautet LSCV, Benjamin Frei koordiniert hauptsächlich die Aktionen in der Deutschschweiz.

Dazu gehören insbesondere auch Aktionen gegen Tiere in der Manege, etwa die Show mit Löwen im Circus Royal. «Zirkus ja, aber ohne Tiere», lautet das offizielle Motto. Die Äusserungen beschäftigen inzwischen auch die Baselbieter Justiz: Frei hatte damals Wohnsitz im Kanton Baselland, und der Circus Royal hat ihn wegen übler Nachrede angezeigt. Nächsten Dienstag wird der Fall deswegen im Strafgericht in Muttenz verhandelt.

Geeignet für Rufschädigung

Konkret geht es um Kommentare auf den Facebook-Seiten diverser Sponsoren des Circus: «Fokussieren Sie sich lieber auf moderne Unterhaltung wie Festivals anstatt Tierquäler-Unternehmen zu unterstützen und beenden Sie bitte die Zusammenarbeit mit dem Circus Royal», forderte Frei etwa einen Sponsor auf.

Der Tonfall ist freundlich, doch die Vorwürfe happig: So behauptete er bei einem weiteren Sponsor, der Circus Royal sei «durch unzählige Strafanzeigen für seine miserable Tierhaltung» bekannt. Auch in weiteren Kommentaren spricht er von «Tierausbeutung» und «besonders schlechter Tierhaltung». In einem anderen Kommentar meinte er, der Sponsor solle sich doch «dem Reputationsrisiko entledigen» und die Zusammenarbeit mit dem Circus beenden.

Für die Baselbieter Staatsanwaltschaft sind die Äusserungen geeignet, den Ruf des Circus zu schädigen. Dies habe Benjamin Frei zumindest in Kauf genommen. Wegen mehrfacher übler Nachrede stellte sie einen Strafbefehl aus, er beinhaltet eine bedingte Geldstrafe von 15 Tagessätzen zu 30 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Diesen Strafbefehl hat Frei angefochten, somit kommt es nun zur Verhandlung vor einem Einzelrichter. Ob Benjamin Frei am Dienstag den Spiess umdrehen und versuchen wird, den Dompteuren den Prozess zu machen, ist nicht klar, Frei reagierte auf eine Anfrage der bz nicht.

Zumindest der Schweizer Tierschutz nimmt den Circus Royal teilweise in Schutz, im Jahr 2017 wurde die Tierhaltung als «akzeptabel» beurteilt. Dort ging es allerdings um Tiger, nicht um Löwen. Kernpunkt der Verhandlung am Dienstag dürfte daher sein, ob Frei seinen Vorwurf der «miserablen Tierhaltung» belegen kann. Die eigenen Überzeugungen werden allerdings wohl weder die Vertreter des Circus Royal noch der Tierschützer ändern.

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