Historischer Schaden
Wenns schmürzelet in der Region: Der Laufner Flächenbrand hat enorme Tragweite

Der Laufner Brand hat Schäden von mehreren Millionen Franken angerichtet – für die Gebäudeversicherung, aber auch für die privaten Versicherer. Feuerwehrleute stellen die Frage nach «Risikoarealen». Die Erfahrung mit Industriebränden zeigt: Die Stadt hat eine bessere Ausgangslage als die Landschaft.

Hans-Martin Jermann, Andreas Schwald
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Riesiger Schaden: Brand in Laufen
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Das Areal brannte völlig aus.
Stahlträger verbogen sich, Ziegelsteinmauern kippten um, Dächer krachten zu Boden: Der Industriepark an der Wahlenstrasse in Laufen am Tag drei nach dem Grossbrand.
Viele der rund 40 eingemieteten Gewerbebetriebe verloren alles. Auch dieser Volvo-Firmenwagen ist nicht mehr zu gebrauchen.
Warum und wo genau in der Nacht von Donnerstag auf Freitag das Feuer ausbrach, ist immer noch Gegenstand von Ermittlungen.
Derzeit bewachen Securitas-Angestellte den Schadenplatz. Sie entdecken am Montag einen Nachbrand, den die Feuerwehr löschen musste.
Auf dem Areal produzierte einst die Keramik Laufen AG. Seit 2017 gehört es der Stiftung Abendrot in Basel.
Das Ziel der neuen Eigentümerin: Den bunten Mietermix beibehalten. So gab es auf dem Industriepark auch mehrere Garagen ...
... aber auch Künstler mieteten sich ein ...
... etwa David Pflugi. Er meldet den Verlust seiner Skulptur «The Seeds of Victory», erschaffen für die WM 2014 in Brasilien.
Auf diesem Schutthaufen ist in der Mitte des Bildes noch ein verkohltes Motorrad zu erkennen.
Ein paar Meter weiter, und es hätte auch seinen Betrieb getroffen: Michael Lerchster, Geschäftsleiter von La Petite Chenille.
Der Gewerbeverein KMU Laufental sucht freie Flächen für die obdachlos gewordenen Gewerbebetriebe.
Dieser Getränke-Automat blieb unversehrt.

Riesiger Schaden: Brand in Laufen

zvg/Polizei Basel-Landschaft

Der Grossbrand in Laufen von vergangenem Freitag beschäftigt die betroffenen Gewerbler, die Spezialisten von Polizei und Feuerwehren und die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV). «Der Brand in Laufen ist einer der grössten Schadensfälle, mit denen wir je zu tun hatten», sagt BGV-Chef Sven Cattelan. Alleine die Gebäudeschäden, für welche die BGV aufkommen wird, betragen laut Cattelan «mehrere Millionen Franken». Darin nicht inbegriffen ist das verlorene Hab und Gut der 40 Gewerbetreiben; diese Schäden sind via Hausratsversicherungen gedeckt und dürften weit höher liegen.

Den Brandschutzspezialisten stellt sich zudem folgende Frage: War die abgebrannte Laufner Industriehalle ein Risikobau? Ja, findet Dominik Straumann, Präsident des Feuerwehrverbands beider Basel und seit knapp 30 Jahren Feuerwehrmann. Laut Straumann gibt es in ehemaligen Industriehallen, die gewerblich umgenutzt wurden, immer wieder Brände. Beispiele gebe es schweizweit zuhauf. In der Region haben vor Jahren etwa bei Schindelholz in Grellingen oder auf dem Schoren-Areal in Arlesheim Brände gewütet.

Farben, Lösungsmittel, Reifen, Gasflaschen

Das hohe Risiko liegt laut Straumann zum Teil an der Nutzung selbst: Im einen Gebäudeteil wird geschweisst, im zweiten arbeitet ein Schreiner, im dritten ist ein Fahrzeughandel einquartiert. Farben, Lösungsmittel, Reifen, Gasflaschen – alles nahe beieinander. «Da kann der eine plötzlich zur Riesengefahr werden für den anderen.» Verschärfend wirke, dass die Verantwortung auf unterschiedliche Schultern verteilt sei. «Oft gibt es auf solchen Arealen keine Kontrollen aus einer Hand. Das ist in einer Industriehalle einer einzigen Firma anders.» Straumann betont, dass es im Baselbiet noch einige gemischtgenutzten Areale mit erhöhtem Brandrisiko gibt. Namen will er keine nennen. Straumann findet aber: «Es braucht keine neuen Brandschutzregeln. Diese sind erst 2015 gelockert worden. Wichtig ist vor allem, dass die Nutzer auf solchen Arealen die Eigenverantwortung wahrnehmen.»

Cattelan betont, dass die Gebäulichkeiten in Laufen punkto Brandschutz den gesetzlichen Vorgaben entsprochen hätten. Im Rahmen einer Umnutzung 2005 habe die BGV den Einbau einer Brandmeldeanlage verlangt; zudem seien Personensicherheit und Fluchtwege sicherzustellen. «Diese Auflagen wurden erfüllt.» Eine Sprinkleranlage wurde nicht eingebaut – ist gesetzlich aber auch nicht verlangt. Den Begriff Risikobau mag er nicht. Bloss weil es sich um ein älteres, umgebautes Gebäude handelt, in dem allenfalls mit offenem Feuer hantiert wird, heisse nicht, dass der Aufenthalt gefährlich war. Entscheidend sei, welche Schutzmassnahmen durch die Nutzer ergriffen würden.

In der Stadt erledigt sich das Problem von selbst

Im Basel-Stadt ist die Ausgangslage anders. Zum einen gibt es praktisch keine Barackenlandschaften mehr auf dem Stadtgebiet: Dreispitz und Lysbüchel haben als solche Kleingewerbe-Areale ausgedient. Zum andern ist die Dichte an Betriebsfeuerwehren hoch. So verfügen die Roche, die Brenntag AG, das Universitätsspital, die SBB und die Industriefeuerwehr Region Basel über eigene Einheiten. Zudem unterhält die Milizfeuerwehr Kompanien in Grossbasel, Kleinbasel und Riehen. Über allem steht die Berufsfeuerwehr.

Dem Risiko solcher Arealbrände wirkt zudem entgegen, dass die Basler Industrie praktisch nur über feste Bauten verfügt. So betraf etwa der aufsehenerregende Brand eines Bahnschwellenlagers im Hafen im Jahr 2018 nur das Lagerareal. Auch ein grösserer Brand bei der Rhenus AG konnte auf das Silogebäude begrenzt werden. Die Stadtentwicklung trägt das Ihrige dazu bei. Auf dem Klybeckareal, wo in den kommenden Jahrzehnten ein Siedlungsgebiet entsteht, wird eine Betriebsfeuerwehr an Bedeutung verlieren. Auf dem Lysbüchel-Areal verhält es sich ähnlich. Auch hier weicht Industrieland einem Wohngebiet. Im dicht besiedelten und engen Stadtraum erledigt sich das Problem veralteter Infrastruktur aus der Brandschutz-Optik quasi von alleine.