Liestal
Wie Pro Senectute das Migros-Projekt am Liestaler Bahnhof lahmlegt

Die Migros Pensionskasse möchte am Bahnhof in Liestal zwei neue Bürogebäude errichten. Eigentlich sind sie startklar. Doch der Nachbar, die Stiftung Pro Senectute, stellt sich quer. Seit einem Jahr schon bekämpfen sich die beiden Parteien.

Andreas Hirsbrunner
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Eigentlich ist alles vor dem Liestaler Bahnhof bereit, damit die Migros-Pensionskasse (MPK) ihre beiden geplanten Gebäude mit 42 Wohnungen und über 2000 Quadratmeter Büro- und Verkaufsfläche bauen kann: Der Quartierplan Bahnhofareal 2 ist schon lange bewilligt, die alte Arzt-Villa und das einstige Nelson-Pub sind abgerissen und die Stadt Liestal hat ihre Vorleistungen wie den Bau von Leitungen erbracht. Trotzdem herrscht auf der riesigen Brache Ruhe und anstelle von Baukörpern schiesst das Kraut aus dem Boden.

Auch beim Quartierplan Ziegelhof gibt es Einsprachen

Letzten Herbst haben die Liestaler Stimmbürger den Quartierplan Ziegelhof mit grossem Mehr genehmigt. Im anschliessenden Planauflageverfahren haben vier Anwohner Einsprache gemacht. Hauptkritikpunkt sei, dass die Liestaler Behörde keine genügende Interessensabwägung vorgenommen habe, sagen die Anwohner, die nicht namentlich genannt werden wollen.

Denn in den nach der Abstimmung freigegebenen Dokumenten sei nirgends sichtbar, dass auch die Interessen des Bundesinventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung (ISOS) berücksichtigt worden seien.

Eine solche Abwägung sei aber notwendig, weil die Häuserzeile an der Lindenstrasse, die gemäss Quartierplan dem neuen Einkaufscenter weichen muss, im ISOS in der Schutzkategorie A enthalten ist.

Nachdem die obligatorischen Einigungsgespräche zwischen der Stadt und den Einsprechern keine Annäherung gebracht hatten, schickte der Stadtrat das Dossier vor ein paar Tagen an die Regierung, die das Ganze nun beurteilen muss. Lehnt sie die Einsprachen ab und bewilligt den Quartierplan, können die Einsprecher den Fall ans Kantonsgericht weiterziehen. (hi)

Michael Baader nervt MPK

Das Problem sei nun, dass die eigene Liegenschaft nicht optimal stehe und bei einem eventuellen späteren Neubau bereite die jetzt projektierte MPK-Tiefgarage der Pro Senectute Schwierigkeiten. Währen: «Wir haben zwar prinzipiell gesagt, dass wir keine Einsprache machen. Aber jetzt ist alles im Detail bekannt und es müssen noch Fragen wie Nutzungsrechte und Dienstbarkeiten geklärt werden.» Und weil die MPK nicht Hand für Lösungen geboten habe, habe man einen Juristen eingeschaltet.

Dieser heisst Michael Baader und sitzt auch im Stiftungsrat der Pro Senectute beider Basel. Und Baader bringt die MPK «an den wirtschaftlichen Grenzbereich des Tragbaren», wie es Thomas Weilenmann, bei der MPK Leiter des Notariats, ausdrückt. Der Grund: Baader würde auf Eingaben meist lange nicht antworten und bringe trotz mündlicher Einigung immer wieder neue Einsprachepunkte vor.

So gehe es mittlerweile nebst der umstrittenen Tiefgaragen-Einfahrt, die zwischen das eine MPK- und das Pro Senectute-Gebäude zu liegen kommt, auch um Details wie die Platzierung der Abfallkübel oder der Sitzbänke auf dem Quartierplan-Gelände. Und Weilenmann fügt an: «In unserer langjährigen Tätigkeit als professionelle Anleger in der Immobilienbranche ist es uns noch nie passiert, dass jemand ein Projekt in dieser Form verzögert hat. Obwohl wir fortlaufend entgegenkommende Lösungen aufgezeigt haben, drehen wir uns seit einem Jahr im Kreis.»

Aktueller Stand ist, dass die MPK Anfang Mai Baader eine Vereinbarung mit Kompromissen vorgeschlagen hatte, auf die der Gelterkinder Anwalt bis heute nicht geantwortet hat. Bei der MPK vermutet man, dass Baader auf Zeit spielt und so die MPK zu weiteren Zugeständnissen motivieren will.

Mindestens ein Jahr im Rückstand

Tatsächlich steht die MPK unter Zeitdruck, denn sie plante den Start des auf 20 Monate veranschlagten Baus auf letzten September. Weilenmann befürchtet jetzt, dass vertraglich bereits gebundene Mieter der Verkaufs- und Büroflächen wegen der unabsehbaren Verzögerung abspringen könnten.

Und was meint der Angeschossene selbst? Michael Baader sagt, dass von Verzögerung keine Rede sein könne. Die MPK und deren Generalunternehmerin sei von der Pro Senectute beider Basel schon vor Einreichung des Baugesuchs darauf hingewiesen worden, dass noch diverse Dienstbarkeiten wie Durchfahrts- und Näherbaurecht geregelt werden müssten. Das aber habe die Bauherrschaft in den Wind geschlagen und das Baugesuch eingereicht. Die Gespräche seien erst in Gang gekommen, als die Pro Senectute Einsprache erhoben habe, sagt Baader.

Über den von der MPK gemachten Vorschlag werde der dafür zuständige Stiftungsrat der Pro Senectute an seiner nächsten Sitzung im Juni entscheiden. Baader: «Ich bin zuversichtlich, dass die Angelegenheit danach in ein bis zwei Monaten bereinigt werden kann.» In Liestal werden derweilen ungute Erinnerungen an Michael Baaders Bruder und Büropartner Caspar Baader wach: Er brachte vor ein paar Jahren mit einem Landverkaufs-Poker fast das Manor-Projekt zum Scheitern.

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