ASE Investment
Zürcher Anwalt untersucht Rolle der Kantonalbank

Der Zürcher Rechtsanwalt Daniel Fischer will die genaue Rolle der Basler Kantonalbank im ASE-Investment-Fall wissen. Er will, dass auch kleine Anleger zu ihrem Recht kommen. Dafür legt er sich auch mit grossen Banken an.

Iso Ambühl
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Der Zürcher Anwalt Daniel Fischer lernt den Banken, auch der Basler Kantonalbank, das Fürchten.

Der Zürcher Anwalt Daniel Fischer lernt den Banken, auch der Basler Kantonalbank, das Fürchten.

Heike Grasser

Wenn Investoren von Banken oder luschen Investmentfirmen über den Tisch gezogen wurden, ist der Zürcher Anwalt Daniel Fischer (59) nicht weit. Seit über zwanzig Jahren lässt er nicht locker, wenn es darum geht, Anlegern den Zugang zum Recht zu ermöglichen: «Gegenüber Banken mit grosser Rechtsabteilung und wegen hoher Gerichtskosten trauen sich Geschädigte oft nicht, ihr Recht durchzusetzen», sagt Fischer. In der Regel versucht der Anwalt durch ein gemeinsames Vorgehen vieler Geschädigter – in der Art von US-Sammelklagen – fehlerhafte Banken oder Investmentfirmen in die Knie zu zwingen.

So auch im Fall der Engelberger ASE Investement AG mit Büros in Frick. Bisher haben sich bei Fischer über hundert enttäuschte Anleger gemeldet. Er will auch hier eine Art «Sammelklage» gegen die ASE Investment vorbereiten.

Ein Strafverfahren der Aargauer Staatsanwaltschaft gegen die Verantwortlichen der Firma läuft seit April wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und weiterer Vermögensdelikten. Rund 500 Investoren, die sich eine hohe Rendite erhofften, beklagen Ausstände in Millionenhöhe. Das Fonds-Netzwerk der ASE Investment AG ist Gegenstand der Untersuchung.

Das Strafverfahren ausgelöst hatte die Basler Kantonalbank, als ein Kunde auf unterschiedliche Beträge beim Vergleich der Kontoauszüge der ASE und der Kantonalbank hinwies. Die Bank reichte Ende März Strafanzeige gegen die Anlagefirma ein. Auch die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat eine Untersuchung eingeleitet.

Die Basler Kantonalbank (BKB) fungierte als eine der ASE-Depotbanken. «Die BKB hat es zugelassen, dass die ASE Investment AG Investoren dank dem guten Ruf der Kantonalbank anlocken konnte», sagt Fischer. Er sieht schwere Versäumnisse der Bank, weil zum Beispiel der «K-Tipp» bereits 2009 von einem Investment bei ASE abriet.

Fischer ist nicht zu unterschätzen. Der gebürtige Berner verfügt mit seinen Partnern und Kanzleien in Zürich, Bern und Zug mittlerweile über viel Know- how in Fragen des Anlegerschutzes, auch in den immer komplizierteren Investmentformen. In der Region Basel ist der Zürcher Anwalt mit dem Fall des türkischen Yimpas-Konzerns bekannt geworden, als im Jahr 2000 Tausende von Kleinanlegern betrogen wurden. Nach dem Zusammenbruch des Madoff-Imperiums betreut die Kanzlei geschädigte Kunden wie auch im Fall des Niedergangs der US-Bank Lehman Brothers, wo er der Credit Suisse erfolgreich einen Vergleich abrang.

Der Anwalt setzt sich auch für grosse Kunden ein: So hat er gemäss Medienberichten für die Swatch Group eine Klage gegen die UBS eingereicht. Swatch hat mit UBS-Absolut-Return-Anlagen rund 25 Millionen Franken verloren.

Der Anwalt betont, dass er aber nicht einer sei, der immer und überall gegen die Banken zuschlagen wolle: «Ich bin kein Feind der Banken und stehe für den besten Bankenplatz ein.» In allen Fällen suche er stets das Gespräch und eine Lösung mittels Vergleichs ausserhalb der Gerichte. Darum wolle er mit der BKB über ihre genaue Rolle im ASE-Investment-Fall und über eine mögliche Verletzung der Sorgfaltspflichten durch die Basler Bank reden. «Strafanzeige reiche ich erst ein, wenn wir keine Lösung finden», sagt er. Gegenüber dem «Sonntag» wollte BKB-Sprecher Michael Buess zur Frage von Gesprächen jedoch keine Stellung nehmen.

Fischer ist nicht auf die Rolle des hartnäckigen Anwalts zu reduzieren. Der Vater von fünf Kindern arbeitet auch wissenschaftlich. Im Nebenamt lehrt er als Professor für Strafrecht am Ono Academy College in Tel Aviv. In dieser Arbeit hat er einen Vorschlag für ein «Swiss-Banking-MedArb-System» zur Beilegung von Streitfällen entwickelt. Da Gerichtsprozesse in der Schweiz zu teuer seien und leicht verzögert werden könnten, sieht er ein System als Kombination von Mediation und zusätzlichem Schiedsgericht vor. Die Finma prüft die neue Idee im Rahmen einer Vernehmlassung für den Ausbau des Kundenschutzes.

Zum Menschen Fischer gehört seine grosse Leidenschaft für Musicals, von denen er schon Hunderte gesehen hat. Ihn ärgert, dass Musicals nur etwas «für die Dummen und Doofen» sein sollen. Mit Sohn Lior hat er das Online-Magazin «im Scheinwerfer» etabliert: Informationen und Kritiken über Musicals, Theater und Konzerte. Nach stressigen Tagen als Anwalt erholt sich Fischer beim Hören eines Musicals, die meistens gut enden.