Konzept
Zwei neue Hochhäuser neben der Gartenstadt in Münchenstein

Neben dem beliebten Einkaufszentrum Gartenstadt sollen zwei Hochhäuser gebaut werden. Es sollen 5000 zusätzliche Quadratmeter Ladenfläche sowie jeweils 27 000 Quadratmeter zusätzliche Wohn- und Arbeitsfläche entstehen.

Julia Gohl
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Die Grossverteiler Migros und Coop wollen im Einkaufszentrum Gartenstadt ihre Verkaufsflächen ausbauen.

Die Grossverteiler Migros und Coop wollen im Einkaufszentrum Gartenstadt ihre Verkaufsflächen ausbauen.

Kenneth Nars

Münchenstein kennt kein eigentliches Dorfzentrum. «Stattdessen haben wir viele verschiedene Zentren, die wir entsprechend gewichten möchten», erklärt Gemeindepräsident Giorgio Lüthi. «Und das machen wir jetzt mit dem Zentrum Gartenstadt.» So sollen neben dem beliebten Einkaufszentrum unter anderem zwei Hochhäuser entstehen. So sieht es zumindest die Vision der Gewinner des Studienauftrags der Gemeinde zum städtebaulichen Potenzial der Gartenstadt vor.

Das entsprechende Modell kann seit Freitag auf der Münchensteiner Bauverwaltung besichtigt werden. Denn die Gemeinde möchte die Bevölkerung von Anfang an eng in die Planung miteinbeziehen. Läuft alles nach Plan, soll aus dem städtebaulichen Konzept ein Quartierplan werden, der in zwei bis drei Jahren der Gemeindeversammlung vorgelegt wird.

Platz für 1500 neue Einwohner

Insgesamt sollen auf dem 4,5 Hektaren grossen Areal zwischen der Emil-Frey-Strasse, entlang derer das 11er-Tram verkehrt, der Stöckackerstrasse und der Grabenackerstrasse 5000 zusätzliche Quadratmeter Ladenfläche sowie jeweils 27 000 Quadratmeter zusätzliche Wohn- und Arbeitsfläche entstehen. Somit soll sich die Nutzung gegenüber dem aktuellen Quartierplan «Stöckacker» aus dem Jahr 1979 ungefähr verdoppeln, was auch Platz für gut 1500 neue Einwohner bedeutet. «Das geht nur mithilfe von Hochhäusern.»

An der Ecke Emil-Frey-Strasse/Kaspar-Pfeiffer-Strasse soll ein 64 Meter hohes Gebäude entstehen. Der zweite grosse Neubau ist auf der heutigen Parkplatz- und Rasenfläche an der Ecke Jurastrasse/Stöckackerstrasse vorgesehen. Er soll 54 Meter messen und wäre somit doppelt so hoch wie das Gewerbehochhaus, das schon heute auf dem Gartenstadt-Areal steht. Dieses beheimatet derzeit die Gemeindebibliothek und soll bestehen bleiben. Beide der neuen Hochhäuser sollen grosszügige Sockel erhalten. Im 54-Meter-Bau sind für den Sockel Einkaufsflächen geplant, darüber ist Platz für Wohnungen und Dienstleistungen.

undefined Rund um das Einkaufszentrum Gartenstadt (lila) sollen mehr Einkaufs-, Wohn- und Gewerbeflächen entstehen. Dazu sind auch zwei Hochhäuser (grün) geplant sowie ein Neubau (rosa) anstelle des heutigen Postgebäudes.

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Kenneth Nars

Grossverteiler bauen aus

Von den Neuerungen im Gebiet Stöckacker sollen nicht zuletzt auch Coop und Migros profitieren. Sie wollen ihre Verkaufsflächen im Einkaufszentrum Gartenstadt ausweiten und sich womöglich räumlich auch etwas verschieben. Durch den Bau des 64-Meter-Hochhauses müssten wohl Teile von vorhandenen Einkaufsflächen weichen, es sollen gemäss Gemeinde jedoch alle bisherigen Läden im Gebiet verbleiben. Das bestehende Postgebäude würde durch einen Neubau ersetzt. Rund um die Jurastrasse und Grabenackerstrasse sollen neue Gewerbe- und Wohnflächen entstehen beziehungsweise ausgebaut werden.

Da für das gesamte Areal ein unterirdisches Parkgeschoss vorgesehen ist, soll es auf dem Areal kaum Verkehr geben. Auch ansonsten werde die Verkehrsbelastung laut Lüthi kaum zunehmen. Denn das Areal sei sehr gut an den öffentlichen Verkehr angebunden. «Die aktuelle Planung orientiert sich an der vom Kanton festgelegten Zahl von 1,3 Parkplätzen pro Wohneinheit», erläutert er. «Wir hoffen jedoch, dass der Kanton dank der guten Anbindung des Quartiers von dieser Zahl wegkommt. Ein Parkplatz pro Wohneinheit oder gar etwas weniger würden ausreichen.»

Insgesamt würde das Quartier durch die Neuerung von rund 600 Fahrzeugen mehr befahren werden, so Lüthi. «Für die Stöckackerstrasse sind sogar verkehrsberuhigende Massnahmen vorgesehen: Sie soll von zwölf Metern auf acht Meter Breite reduziert werden.» Dies würde auch Vorteile für die Bewohner der 1912 erbauten Siedlung Gartenstadt bedeuten. Sie könnten dank des Platzgewinns etwa Garagen bauen, was ihnen bisher nicht möglich gewesen sei.

Nicht zuletzt soll künftig auch die Gemeindeversammlung auf dem Gartenstadt-Areal untergebracht werden. Dieser Umzug hat vor allem praktische Gründe: Die Verwaltung, die heute teilweise in provisorischen Bauten untergebracht ist, die das Ende ihrer Lebenszeit längst erreicht haben, könnte in einem einzigen Gebäude untergebracht werden und wäre auch besser zu erreichen. «Der Umzug würde aber auch die Bedeutung der Gartenstadt als Zentrum stärken», so Lüthi.