Basler Strafgericht
Teure Escort-Dame: Verschuldeter Mann bezahlte stundenlangen Sex mit Falschgeld

Es war eine lange Nacht: Die Escort-Dame fuhr im Juni 2019 aus der Innerschweiz ins Basler Hegenheimerquartier, wo sie der heute 50-jährige Mann zu seiner Wohnung lotste.

Patrick Rudin
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Die Escort-Dame aus der Innerschweiz fuhr extra ins Basler Hegenheimerquartier. (Symbolbild)

Die Escort-Dame aus der Innerschweiz fuhr extra ins Basler Hegenheimerquartier. (Symbolbild)

Peter Appius

Die gemeinsame Zeit wurde immer wieder verlängert, der Mann legte jeweils eine weitere 500 Euro-Note nach. Um fünf Uhr morgens ging die Frau direkt zum nächsten Bankomaten, um die insgesamt 2000 Euro einzuzahlen. Doch der Automat akzeptierte die Scheine nicht, und in der Morgendämmerung realisierte die Frau, dass die Euro-Noten irgendwie seltsam aussahen. Sie ging schnurstracks zur Polizei.

«Es war dunkel in der Wohnung, die Vorhänge waren zu. Die Scheine sahen wirklich echt aus. Erst als sie später vom Automaten nicht angenommen wurden, sah ich, dass es Falschgeld war», sagte die 39-jährige Frau gestern im Basler Strafgericht.

Mit Tintenstrahldruckern Euro-Noten gedruckt

Im Oktober 2019 lud der Mann eine andere Escort-Frau aus Zürich in seine Wohnung, sie verliess Basel mehrere Stunden später mit 10'000 Franken. Auch diese waren nicht echt. Ob es zu Sex kam, blieb aber unklar. «Sie hat die Noten in meiner Wohnung gesehen und sie einfach gestohlen», beteuerte der 50-Jährige im Gerichtssaal. Zwei Wochen später bestellte er eine dritte Dame in seine Wohnung, diese verlangte allerdings eine Vorauszahlung von 400 Franken. Er drückte ihr eine gefälschte 500 Euro-Note in die Hand.

Die Strafverfolger kamen daraufhin in die Gänge: Zwei Tage später durchsuchten sie die Wohnung des 50-Jährigen und stellten Ausdrucke von Banknoten sicher. Der Mann hatte mit zwei herkömmlichen Tintenstrahldruckern rund 50 verschiedene Franken- und Euro-Notenausgedruckt. «Warum haben Sie diese Geldnoten ursprünglich überhaupt gedruckt?», fragte Gerichtspräsident Lucius Hagemann. «Als Spielgeld. Jeder Blinde sieht, dass das keine echten Banknoten waren», sagte er.

Sozialhilfe um 40'000 Franken geschädigt

Das Falschgeld erlaubte ihm einen gewissen Luxus, den er sich sonst nie hätte leisten können: Seit einigen Jahren ist er von Sozialhilfe abhängig, hoch verschuldet und hat Drogenprobleme. Offenbar hat er auch Arbeit und Führerschein verloren. Inzwischen hat er einen Kokainentzug gemacht und nimmt als Ersatz Ritalin. Wie sich herausstellte, hatte er zuvor einige Zwischenjobs nicht angegeben und die Sozialhilfe um über 40'000 Franken geschädigt.

Verteidigerin Suzanne Daved betonte, die gefälschten Noten seien auf normalen Papier gedruckt worden, hätten deshalb keine Sicherheitsmerkmale aufgewiesen und seien teilweise seitenverkehrt zusammengesetzt gewesen. «Es waren wirklich dilettantische Fälschungen. Sogar der Polizeirapport sagt, die 500 Euro-Note sei sehr schlecht gefälscht gewesen», so Daved. Sie wehrte sich gegen eine Verurteilung ihres Mandanten wegen Betruges: Es sei ein merkwürdiges Verhalten der Escort-Frau, viermal eine derart plump gefälschte Note zu akzeptieren. Als Strafmass genüge eine Geldstrafe.

Das Dreiergericht beriet den Fall lange, am Abend fällte es in einem Punkt einen Freispruch: Die Geschichte mit den zehn Tausendernoten blieb unklar, es reichte nicht für eine Verurteilung. Ansonsten aber folgte das Gericht der Staatsanwaltschaft: Schuldsprüche hauptsächlich wegen Betruges, Geldfälschung und in Umlaufsetzen falschen Geldes. Das Strafmass wurde auf 21 Monate bedingt festgesetzt, wegen einer lange zurück liegenden Vorstrafe und der unsicheren Lebensumstände des Mannes verlängerte das Gericht die Probezeit auf drei Jahre. Er kann das Urteil weiterziehen.