Basler Vorfasnacht
Premiere des Pfyfferli 2022: Scharfzüngig und dennoch liebevoll

Nach einem Jahr Absenz feierte das Stück am Freitagabend im Fauteuil Premiere. Es war ein Abend voller Freude und Emotionen.

Maximilian Karl Fankhauser und Aimee Baumgartner
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Eine Ode an den FC Basel durfte am «Pfyfferli» 2022 nicht fehlen.

Eine Ode an den FC Basel durfte am «Pfyfferli» 2022 nicht fehlen.

zVg/Foto Mimmo Muscio

Beim freitagabendlichen Spaziergang am Spalenberg wird den Passanten bewusst, dass etwas im Busch ist. Der kalte Wind trägt die mehrstimmigen Piccolotöne des «Hofnarrs» aus dem Fauteuil-Innenhof auf die Strasse, wer einen Blick erheischen kann, sieht Pfeifer schön beleuchtet auf den Fenstersimsen und der Treppe stehen. Das «Pfyfferli» kehrt im 2022 auf die Bühne des Fauteuils zurück.

Und wenn man Fasnachtsvorfreude mit einer Situation beschreiben müsste, es wäre sicherlich der Moment, als das Ensemble um Caroline Rasser die Bühne ein erstes Mal betritt und zum letzten Mal verlässt. Tosender Applaus und Gejohle aus dem Publikum, vor Freude lachende Gesichter bei den Schauspielenden, am Schluss gar Freudentränen beim Ensemble.

Bei Schnitzelbank «Heiri» blieb kein Auge trocken

Bei Schnitzelbank «Heiri» blieb kein Auge trocken

zVg/Foto Mimmo Muscio

Dieses Gefühl zieht sich durch die ganze Vorstellung: Das vergangene Jahr wird mit Liebe und mit viel Witz Revue passiert, auch Textschnitzer werden charmvoll überspielt. «Das macht das «Pfyfferli» eben aus: Die Worte sind sehr klar, es wird jedoch nie unter die Gürtellinie gegangen», sagt die Basler Ständerätin Eva Herzog nach der Premiere. Die Lokalprominenz, die aufs Korn genommen wird, würde immer sehr liebevoll dargestellt.

Das «Pfyfferli» kann auch emotional sein

So findet sich am diesjährigen «Pfyfferli» Gesundheitsdirekor Lukas Engelberger in der Situation wieder, dass die Pandemie vorbei ist. Er trauert der gemeinsamen Zeit mit Bundesrat Alain Berset in Bern nach und fragt sich, was nun seine Aufgabe sei. Wie sich am Ende herausstellt, ist es glücklicherweise nur ein Traum gewesen. Auch die Regierungsräte Beat Jans und Conradin Cramer, der sich nur noch aufs Bücherschreiben konzentriert, bekommen ihr Fett Weg.

Feinsinnig und mit Scharfer Zunge kommentieren die Schnitzelbänke «Spitzbueb» und «Heiri» das regionale und internationale Geschehen. «Dr Spitzbueb» kommentiert in jedem zweiten Vers die offensive Kommunikation des Bundesamts für Gesundheit (BAG), während «Heiri» sich nicht mehr ganz sicher ist, ob mit «Joggeli» das Stadion oder der derzeitige Präsident des FC Basel gemeint ist. Das Publikum dankt mit schallendem Gelächter.

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Larve von «Pepperoni» erinnert an den verstorbenen Schitzelbänggler.

Ehre, wem Ehre gebührt: Die Larve von «Pepperoni» erinnert an den verstorbenen Schitzelbänggler.

Foto Mimmo Muscio

Dass das «Pfyfferli nicht nur lustig, sondern auch emotional sein kann, beweist es mit der Ehrung der «Stroossewüscher» und «Pepperoni», zwei Schnitzelbänke, die leider aufgrund von Todesfällen nicht mehr in den Cliquenkellern singen.

Emotional sichtlich berührt ist auch FCB-Legende Massimo Ceccaroni von der Ode an den FC Basel. «Ehrlich gesagt wurde ich von Caroline Rasser vorgewarnt, dass ich erwähnt werde. Es ehrt mich extrem, als FCB-Legende bezeichnet zu werden.» Er kommt nicht mehr aus dem Schwärmen heraus: «Ich kann es nicht in Worte fassen. Jedes Stück war überragend, man hat den Künstlern die Motivation richtig angesehen, ihre Leistung auf die Bühne zu bringen.»

Musikalisch hochstehend, schauspielerisch pointiert

Ja, die Leistung wurde definitiv erbracht. Musikalisch hochstehend, vermögen d Bajass Clique, die Tambouren Ordonännzler und die beiden Bläser das Publikum aus ihren Sitzen zu reissen. Pointiert sind auch die Rahmenstücke.

Da wird die Aufnahme der Frauen in Zünfte einfach mal umgedreht, und es sitzen Zünftlerinnen auf der Bühne, die sich über ihre Männer foutieren. Auch der erste Morgenstreich nach Corona ist exorbitant. Cliquen, so gross, dass der Vortrab das Bier im «Braunen Mutz» schon trinkt, während der letzte Tambour noch am Blumenrain losläuft.

Abschliessend meint Herzog: «Ich kann keine Szene hervorheben, ein Highlight jagt das Nächste.» Ob sie beruhigter an eine Veranstaltung geht, da sie nicht mehr so in der Lokalpolitik präsent ist? «Man muss ertragen, wenn man hochgenommen wird. Es ist ja nie ein schlechtes Zeichen, wenn der eigene Name an einer Vorfasnachtsveranstaltung erwähnt wird.»

Plakettenverkauf startet ‒ «Offizielles» verschoben

Seit Samstag können wieder «Blaggedde» für die Fasnacht 2022 bezogen werden. Wer sich den adipösen Tambourmajor also auf sein Revet stecken will, kann diesen nun bei der Clique seines Vertrauens oder im Strassenverkauf beziehen. Mit dem Kauf der Plakette werden gleichzeitig auch die Cliquen in der für sie momentan schweren Zeit unterstützt.

Nach dem «Pfyfferli» feiert mit dem Fasnachtsbändeli im Theater Arlecchino eine weitere Vorfasnachtsveranstaltung seine Premiere. Das «Offizielle Basler Bryysdrummle und -pfyffe» hingegen kann nicht wie geplant am 26., 28. und 29. Januar durchgeführt werden. «Aufgrund der aktuellen Coronasituation ist es unserer Meinung nach nicht vernünftig, das Offizielle im Januar 2022 durchzuführen», teilen die Verantwortlichen vom Samstag mit. Von einer Absage soll aber nicht die Rede rein. Geplant ist, dass das «Offizielle» auf den Frühling 2022 verschoben wird. Ein genaues Datum steht zurzeit noch nicht fest.

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