Massnahmen in Basel

Behörden schalten im Kampf gegen Virus einen halben Gang höher

Sicherheitsabstand in Unibibliothek, Einrichtung der Predigerkirche und Gesuche für Kurzarbeit: Der Corona-Virus hinterlässt in Basel seine Spuren.

Die gute Nachricht vorab: In der Region sind – Stand Mittwochabend – keine neuen Fälle von Corona-Virus bekannt geworden. Die schlechte Nachricht: Eine der sechs Personen, die in Basel-Stadt und Baselland positiv getestet wurden, hat sich offenbar in der Region angesteckt. «Im Falle einer Frau haben wir die Situation, dass wir die Übertragung nicht nachvollziehen können», sagt Anne Tschudin, Sprecherin des Gesundheitsdepartements.

Während sich bei den anderen Fällen in der Region die Infektion direkt oder indirekt auf einen Aufenthalt in Norditalien zurückführen lässt, hat sich die Frau in den vergangenen Wochen nicht in einem bekannten Risikogebiet aufgehalten, so Tschudin: «Wir müssen davon ausgehen, dass sie sich im alltäglichen Leben angesteckt hat.» Ähnliche Fälle habe es aber bereits in weiteren Kantonen gegeben. Der Fall ändere aktuell nichts am Vorgehen der Behörden zur Bekämpfung des Virus.

Unispital will Mitarbeiter für Corona-Tests umschulen

Angesichts der Prognose des Bundesamts für Gesundheit (BAG), das mit steigenden Fällen rechnet, sind auch in Basel die Behörden daran, ihre Massnahmen auszubauen, beziehungsweise zu justieren: So konkretisieren sich die Pläne des Unispitals, die benachbarte Predigerkirche als Corona-Testzentrum zu nutzen.

Zurzeit würden pro Tag bei zwischen 50 und 100 Patienten mit Verdacht auf Covid-19 eine Befragung und ein Abstrich durchgeführt, sagt Sprecher Nicolas Drechsler. Nicht eingerechnet sind dabei diejenigen Personen, die unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt werden.

4.3.2020: Kantone erhalten Richtlinien für Umgang mit Veranstaltungen

Kantone erhalten Richtlinien für Umgang mit Veranstaltungen

Vertreter von Bund und Kantonen haben am Mittwoch über die Massnahmen zum Schutz vor dem neuen Coronavirus diskutiert. Ziel der Zusammenkunft war, den Kantonen Entscheidhilfen zu geben für den Umgang mit noch zulässigen Veranstaltungen. Als Entscheidhilfe dafür, ob eine überhaupt Risikoabschätzung erforderlich ist oder nicht, nannten die Konferenzteilnehmer eine Richtzahl von 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Bei diesem Besucheraufmarsch könne deren Identität noch erfasst werden.

Spitalpersonal wird neu geschult

Denn getestet werden nur begründete Fälle gemäss den Weisungen des BAG, sprich wenn nach einem Aufenthalt in einem Risikogebiet Grippesymptome auftreten. Bisher führte das Unispital die Abklärungen in der Poliklinik und nachts auf der Notfallstation durch. Tagsüber soll nun neu die Predigerkirche umfunktioniert werden. «Wir müssen die Poliklinik entlasten», sagt Drechsler.

Für das vorübergehende Testzentrum rekrutiert das Universitätsspital auch neues Personal. «Wir haben intern einen Aufruf gestartet, wer Interesse an einer entsprechenden Schulung hat», so Drechsler.

Veranstalter verantworten für Events in Clubs

Auch beim Gesundheitsdepartement analysiert man laufend die Lage. So werden derzeit neue Empfehlungen für Pflegeheime ausgearbeitet, die bald kommunizieren werden sollen. In Zürich wurde beispielsweise die Weisung erlassen, dass in Alters- und Pflegeheimen keine Veranstaltungen mit externen Teilnehmenden mehr durchgeführt werden sollen.

Zu reden gab ausserdem das Zürcher Clubverbot: Veranstaltungen mit vielen Personen in engem körperlichem Kontakt in geschlossenen Räumen sollen gemäss Weisung des Kantons nicht mehr durchgeführt werden. In Basel-Stadt fallen Clubs und Discos unter die am vergangenen Freitag beschlossenen Regelungen. Bei unter 200 Personen liegt die Durchführung in der Verantwortung des Veranstalters. Events mit bis zu 1000 Personen müssen von den Behörden bewilligt werden.

Keine Massnahmen für den öffentlichen Verkehr geplant

Für Schlagzeilen sorgte gestern ausserdem die Zürcher ETH. Die Hochschule setzt für Pendelbuslinie zwischen ihrem Standort im Zentrum und dem Campus auf dem Hönggerberg zusätzliche Busse ein, um die Passagierzahlen und damit ein mögliches Übertragungsrisiko zu senken. Eine solche Massnahme im Basler ÖV ist aber nicht vorgesehen.

Seit gestern Abend ist klar: Der Unterricht in den Basler Schulen und Kindergärten soll nächste Woche nach den Ferien wieder planmässig stattfinden. Das teilte gestern das Erziehungsdepartement mit. Über Verhaltensregeln soll  heute Donnerstag informiert werden. Unklar ist die Situation noch bezüglich der Universität. In sozialen Medien kursierte gestern ein Foto aus dem Lesesaal der Universitätsbibliothek, auf dem jeder zweite Stuhl mit Absperrklebeband blockiert war. «Dabei handelt es sich um eine Vorsichtsmassnahme», erklärt Uni-Sprecher Matthias Geering.

Riehener Tagesstätte geht nach Corona-Fall wieder auf

In Riehen ist derweil seit Dienstag die Kindertagesstätte «In den Neumatten» wieder in Betrieb. Die Kita war vergangene Woche vorübergehend geschlossen worden, nachdem bekannt geworden war, dass eine Mitarbeiterin positiv auf das Virus getestet worden war. Seither befinden sich mehrere Mitarbeiterinnen und rund 75 Kinder mit je einem Elternteil in Quarantäne. Bei niemandem wurde aber bisher das Corona-Virus diagnostiziert. «Aus medizinischer Sicht sprach nichts gegen eine Wiedereröffnung der Kita – allerdings nur mit Kindern und Mitarbeitern, die keinen Kontakt zu der positiv getesteten Frau hatten», sagt Tschudin vom Gesundheitsdepartement.

Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass das Corona-Virus auch in der regionalen Wirtschaft deutliche Spuren hinterlassen wird. Beim Amt für Wirtschaft und Arbeit gingen bisher acht Voranmeldungen für Kurzarbeit aus den Branchen Hotellerie, Gastronomie und Messebau im Zusammenhang mit dem Corona-Virus ein. Die Betriebe beantragen damit auch eine finanzielle Entschädigung. Die Gesuche werden nun geprüft.

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