Beratungsstelle
Grossratsmitglieder unterschiedlichster Parteien fordern Unterstützung für Menschen mit pädophilen Neigungen

In Zürich gebe es ein entsprechendes Angebot bereits, dasselbe gilt für die deutsche Hauptstadt. Auch in Basel soll sich eine kantonale Beratungsstelle etablieren.

Nora Bader
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Um Straftaten von Menschen mit pädophiler Neigung zu verhindern und ihnen zu helfen, soll Basel in eine Beratungs- und Präventionsstelle investieren.

Um Straftaten von Menschen mit pädophiler Neigung zu verhindern und ihnen zu helfen, soll Basel in eine Beratungs- und Präventionsstelle investieren.

Sandra Ardizzone / BRU

Basel soll eine Beratungs- und Präventionsstelle für Menschen mit pädophilen Neigungen erhalten. Das verlangen Joël Thüring (SVP) und zahlreiche weitere Basler Grossrätinnen und Grossräte von links bis rechts in einem Anzug, den sie im Parlament eingereicht haben.

Es gebe in der Schweiz rund 30 000 Menschen mit pädophilen Neigungen. Ein Grossteil davon seien Männer. «Wer seine Neigung auslebt, macht sich strafbar – sei es, indem Betroffene Kinderpornografie konsumieren oder gar ein Kind sexuell misshandeln», so Thüring. Um dies zu verhindern, unterstütze der Bund seit vergangenem Herbst entsprechende Präventionsangebote für Pädophile finanziell.

Bund forderte Kantone auf, Angebote aufzubauen

Zürich hat als erster Kanton reagiert. Er hat ein umfassendes und kostenloses Beratungsangebot geschaffen: Die Präventionsstelle Pädo-Sexualität ist seit rund einer Woche in Betrieb. Die zuständige Gesundheitsdirektorin Regierungsrätin Natalie Rickli (SVP) und der Zürcher SP-Ständerat Daniel Jositsch hätten auf Bundesebene jahrelang für entsprechende Subventionen des Bundes gekämpft, so Thüring. Und: Der Bund habe im Herbst 2020 reagiert und die Kantone aufgefordert, entsprechende Therapie-Angebote auszuarbeiten.

Mit dem Aufbau der besagten Präventionsstelle hat die Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich die Klinik für forensische Psychiatrie der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich (PUK) beauftragt. Das Projekt ist vorerst auf drei Jahre beschränkt. Eine erste Tranche von 250 000 Franken habe der Zürcher Regierungsrat bereits gesprochen. Die Fachstelle soll auch mit bestehenden, privaten Angeboten zusammenarbeiten, berichtete das «Regionaljournal Zürich-Schaffhausen» von SRF.

Wie erfolgreich ein solches Angebot sein kann, zeigen gemäss Thüring Zahlen der Berliner Charité, die das Projekt «Kein Täter werden» vor 15 Jahren ins Leben gerufen habe. Noch zwei Prozent der Pädophilen, die eine solch niederschwellige Therapie besucht hätten, seien übergriffig geworden.

Heutiges Basler Angebot wird bisher kaum genutzt

Wer in Basel Hilfe benötigt, findet diese bei den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Im 2020 gingen 13 freiwillige Kontaktanfragen ein. 2021 habe die Nachfrage angezogen. «Seit Januar gab es bereits 16 freiwillige Kontaktanfragen, 14 davon kamen in die Abklärung beziehungsweise Behandlung, zwei der Anfragen wurden telefonisch beraten», so die UPK auf Anfrage.

Die UPK hätten sich vor kurzem mit Vertretern der auf Pädophilie spezialisierten psychiatrischen Institutionen in Frauenfeld, Genf und Zürich zusammengetan, um ein Präventionsnetzwerk auf die Beine zu stellen. Die Finanzierung dieses Netzwerks sei noch nicht gesichert und es sei unklar, welchen Beitrag die Kantone – namentlich also auch der Kanton Basel-Stadt – leisten könnten und möchten. Es sei den Anzugsstellenden deshalb ein Anliegen, dass ein solches Projekt durch den Kanton Basel-Stadt vorangetrieben werden könne, so Thüring. Möglich wäre dies auch mit Beteiligung der UPK über ein interkantonales Netzwerk wie beispielsweise «Kein Täter werden Suisse».

Die Basler Politiker bitten die Regierung nun zu prüfen, wie sie sich am Aufbau einer kantonalen Beratungs- und Präventionsstelle für Menschen mit pädosexuellen Neigungen beteiligen könnte und diese mit Dritten, Privaten und/oder anderen Kantonen, aufbauen könne.

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