Planung
BLT muss Waldenburgerli neu aufgleisen: Gundwasserschutz ist wichtiger als Renaturierung

Vordere Frenke darf bei Hölstein nicht renaturiert werden, weil Grundwasserschutz vorgeht. Jetzt muss strassenseitig Platz geschaffen werden.

Andreas Hirsbrunner
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Waldenburgerbahn_02

Waldenburgerbahn_02

Kenneth Nars

Die Baselland Transport AG (BLT) muss bei der Erneuerung der Waldenburgerbahn (WB) das ökologische Etikett abhängen, mit dem sie gerne hausiert hat: Sie wollte die Vordere Frenke auf rund 400 Metern zwischen dem Dorf Hölstein und dessen bachabwärts gelegenen Gewerbegebiet Bärenmatte aus ihrem Korsett mit beidseitigen Betonmauern befreien und ihr ein neues, breiteres und erst noch leicht mäandrierendes Bachbett bauen. Das nicht, weil die BLT plötzlich ein Herz für Fische & Co. entdeckt hat, sondern weil die Bachverlegung Raum geschaffen hätte, die WB hier ohne grosse Geländeveränderungen doppelspurig zu führen. Und wer ein Gewässer anfasst, der muss es renaturieren; so will es die Gewässerschutzgesetzgebung.

Doch mit der geplanten Bachverlegung tangierte die BLT auch die Interessen mehrerer Gemeinden, allen voran der Stadt Liestal. Denn die Vordere Frenke bewegt sich auf diesem Abschnitt in der Grundwasserschutzzone Helgenweid, von der Liestal mit täglich 1400 bis 1800 Kubikmetern fast die Hälfte seines Trinkwassers bezieht.
Stadtpräsident Daniel Spinnler sagt: «Trinkwasser ist für uns ein sehr wichtiges Gut. Wir wollten eine Garantie, dass sich durch das BLT-Bauvorhaben weder dessen Qualität noch dessen Quantität verändert. Zu diesem Zweck haben wir eine Einsprache gemacht.» Und Spinnler unterstreicht: «Das Kantonsgericht und das Bundesamt für Umwelt haben bestätigt, dass der Grundwasserschutz das höhere Gewicht hat als eine Renaturierung.» Spinnler bezieht sich dabei auf ein Gerichtsurteil von 2018 und eine aktuelle Stellungnahme des Bundesamts für Umwelt. Dieses verwies darauf, dass in einer Gewässerschutzzone keine Renaturierung erlaubt sei.

Jetzt droht plötzlich Zeitdruck

Davon weiss auch Reto Rotzler; er sitzt bei der BLT in der Geschäftsleitung und leitet die Infrastruktur. Er erzählt, dass man sich in einer Sitzung mit dem federführenden Bundesamt für Verkehr, dem Bundesamt für Umwelt und der Stadt Liestal im Januar darauf geeinigt habe, das WB-Projekt zu ändern. Was allerdings wegen der engen Platzverhältnisse an dieser Stelle nicht ganz einfach ist. Denn wenn man das Bachbett der Vorderen Frenke nicht anfasst, was jetzt Konsens ist, und die WB aus Kreuzungsgründen auf dem Abschnitt zwischen Hölstein und Lampenberg doppelspurig führen will, was ebenfalls Konsens ist, bleibt nur ein Ausweichen auf die andere Seite.

Und dort verläuft die Kantonsstrasse, die nun um einige Meter mehr als geplant gegen Osten in den Wald mit felsigem Untergrund verschoben werden muss. In den nächsten Wochen würden Geländeuntersuchungen mittels Sondierschlitzen gemacht. Die Bürgergemeinde als Grundeigentümerin und der Gemeinderat hätten dem zugestimmt, teilt die Gemeinde Hölstein mit. Bezüglich der zu erwartenden Kosten sagt Rotzler: «Das gibt ein Nullsummenspiel. Die Strassenverlegung wird teurer, dafür entfallen die Kosten für die Bachrenaturierung.»

Terminmässig wird es allerdings eng. Rotzler hofft, dass die Projektbewilligung spätestens bis im Frühling 2021 vorliegt, sodass ab übernächsten Ostern, wenn die WB stillsteht, gebaut werden kann. Mit der Bachrenaturierung hätte man bereits im Herbst begonnen. Auf eine entsprechende Frage meint Rotzler: «Ja, die Projektänderung kommt für uns überraschend. Wir rechneten damit, dass unser ursprüngliches Projekt mit der Bachrenaturierung genehmigungsfähig ist.» Sowohl Rotzler wie Spinnler betonen, dass das Verhältnis zwischen BLT und Liestal ungetrübt sei.

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