Basler Fasnacht

Comité-Obfrau Pia Inderbitzin über die Pläne für 2021: «Es bleibt kein Stein auf dem anderen»

Comité-Obfrau Pia Inderbitzin träumt von einer Fasnacht im 2020

Comité-Obfrau Pia Inderbitzin träumt von einer Fasnacht im 2020

Obfrau Pia Inderbitzin erklärt, warum das Fasnachts-Comité für die Ausgabe 2021 einen neuen Weg gewählt hat.

Frau Inderbitzin. Wo sind Sie am 22. Februar 2021, am Fasnachtsmontag, um 4 Uhr?

Pia Inderbitzin: Das weiss ich jetzt noch nicht. Am liebsten würde ich natürlich in der Innenstadt einen normalen Morgenstreich machen. Aber das wird nicht möglich sein. Deshalb sucht auch meine Clique nach Alternativen, möglicherweise bleiben wir im St. Johann, wir werden schauen was machbar ist.

Das Comité hat nun dazu aufgerufen, Ideen einzureichen, wie die Fasnacht in Zeiten von Corona aussehen könnte.

Das stimmt, aber wir haben auch selber im Comité ein paar Ideen entwickelt – etwa ein dezentraler Morgenstreich in den Quartieren oder Schnitzelbänke draussen. Es geht nun darum, dass die Fasnächtlerinnen und Fasnächtler sagen, was sie wollen und ihre eigenen Ideen einbringen. Wir werden diese dann zusammen mit den Behörden, die mit uns am gleichen Strick ziehen, umzusetzen versuchen. Das wird nicht einfach, aber das Comité ist bereit, sich zu engagieren und mehr als die üblichen 9 Stunden Cortège zu organisieren.

Oberstes Ziel ist also: Keine erneute Absage.

Wir sind uns bewusst, dass jederzeit der Stecker gezogen werden kann. Aber wir wollen versuchen, etwas auf die Beine zu stellen, das verantwortbar ist. Oberstes Gebot ist die Gesundheit der Bevölkerung. Risiken müssen bestmöglich vermieden werden. Die Fasnacht darf nicht zum Superspreader werden. Deshalb müssen wir grosse Menschenansammlungen vermeiden, was ja eigentlich fest zur Fasnacht gehört. Wir brauchen mehr Platz für die Cliquen und Guggen, damit Abstände eigenhalten werden können. Auch grosse Zuschaueransammlungen wird es nicht geben. Als Alternative wäre eine Quartierfasnacht vorstellbar. Dann würde sich das Ganze besser verteilen. Aber vielleicht wird es für einmal auch eine Fasnacht nur für die Fasnächtler.

"Wir sind uns bewusst, dass jederzeit der Stecker gezogen werden kann."

"Wir sind uns bewusst, dass jederzeit der Stecker gezogen werden kann."

Wenn man sich das so anhört, kommt man zum Schluss: 2021 wird an der Fasnacht nichts so sein, wie man es kennt.

Das ist so. Viele haben eine bestimmte Vorstellung, wie die Fasnacht abläuft. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, der Fasnächtler natürlich auch. Wir müssen aus unseren Denkschemen ausbrechen und in alle Richtungen denken und Ideen spinnen. Es sind auch schon viele Vorschläge eingegangen. Wir sammeln diese und schauen dann, was lässt sich umsetzen, was ist möglich, was ist sinnvoll. Wir haben eine Projektleitung aus Comité-Mitgliedern und Fachpersonen aus der Verwaltung, die die Vorschläge nun weiterverfolgen.

Wie gut kann man all die ungeschriebenen Fasnachtsregeln, die sich über Jahrzehnte entwickelt haben, einfach streichen?

Es bleibt kein Stein mehr auf dem anderen. Aber man darf auch nicht vergessen: An der Fasnacht ist neben den beiden Cortèges nur wenig organisiert. Das sind neun Stunden von drei Tagen. Das meiste ist ein Naturereignis. Nun müssen wir neu schauen, was möglich ist an fasnächtlichen Aktivitäten. Wir wollen Sorge tragen zur Fasnacht, nicht nur weil wir zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO gehören, aber auch. Wir sind es allen Fasnächtlerinnen und Fasnächtlern schuldig, die 2020 auf die Fasnacht verzichten mussten. Insbesondere für den Nachwuchs müssen wir uns stark machen. Eine Arbeitsgruppe aus Comité-Mitgliedern und Mitgliedern der 1. Lektion hat eine virtuelle Plattform entwickelt, die seit dieser Woche unter dem Namen «Jetzt-Fasnacht» ins Netz gestellt wurde

Sie haben Ihre Ideen am Montagabend vorgestellt. Wie waren die Reaktionen?

Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten. Auch wenn viele damit gerechnet haben, dass wir mit einem pfannenfertigen Konzept kommen. Aber das ist ja gar noch nicht möglich.

Bleibt die Fasnacht 2021 eine einmalige Sache, die der Situation geschuldet ist? Oder ist das vielleicht der Anfang von etwas Neuem?

Die Fasnacht verwandelt sich ständig, aber natürlich nicht derart drastisch. Die neuen Elemente haben sicher einen Einfluss auf die Fasnacht 2022. Gut möglich, dass da gewisse Sachen bleiben werden. Die Fasnacht ist evolutionär. Es gibt ständig neue Elemente, etwa wenn man sich anschaut, welche Arten von Laternen es mittlerweile gibt. Das konnte man sich früher gar nicht vorstellen.

Bisher war das Comité für den Cortège, die Laternen- und Wagenausstellung und das Drummeli zuständig. Neu sind Sie quasi das Organisationskomitee für die ganze Fasnacht.

Wir regulieren normalerweise so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Dieses Jahr sind wir in einer anderen Rolle. Jetzt ist es wichtig, dass wir das in die Hand nehmen – zusammen mit den Fasnächtlern. Wir wollen nicht einfach unsere Ideen über die Fasnacht stülpen. Und auch die Bevölkerung muss mitziehen, falls die Fasnacht auf einmal im eigenen Quartier stattfinden soll. Sonst funktioniert das Ganze nicht.

Man merkt bereits jetzt, dass es ein anderer Fasnachtsjahrgang wird: Stichwort Üben.

Um Ansteckungen zu vermeiden üben viele Cliquen und Guggen momentan mit offenen Fenstern oder draussen. Das geht dann bis spätestens 22 Uhr. Für viele ist es schwierig oder nicht möglich, eine geeignete Lokalität zu finden. Da appellieren wir an die Toleranz der Bevölkerung für diese besondere Situation.

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