Gemeindeversammlung

Corona-«Gmeind» in Aesch als Happening

Aesch führte seine Gemeindeversammlung coronagerecht auf dem Fussballplatz durch. Der Aufwand war immens.

«Wir wollen die Demokratie zurück. Fertig Ausnahmezustand. Das Volk soll wieder die Macht haben.» Gemeindepräsidentin Marianne Hollinger (FDP) machte gleich zu Beginn unmissverständlich klar, warum der Gemeinderat unbedingt wollte, dass Aesch als eine der wenigen grösseren Unterbaselbieter Gemeinden seine Juni-Gemeindeversammlung durchführt.

Dass dies in Zeiten der Pandemie trotz Lockerung vieler Massnahmen möglich wurde, dafür braucht es einen aussergewöhnlichen Effort. Zwar ist es schon fast Tradition, dass die Gemeindeversammlung in Aesch im Sommer unter freiem Himmel stattfindet.

«Mr. Corona» Daniel Koch nickte die «Gmeini» ab

Doch aufgrund der knappen Platzverhältnisse zügelte man kurzerhand vom Schlossplatz auf das Kunstrasenfeld auf der Sportanlage Löhrenacker. Über 600 nummerierte Stühle als Duo oder alleine wurden mit gefühltem Zwei-Meter-Abstand aufgestellt. Die gegen 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mussten in getrennten Eingängen für Einzelpersonen und Paare aus gleichem Haushalt ihre Namen, Adressen und Telefonnummern abgeben. Hände wurden desinfiziert und – der Freiwilligkeit wegen – nur vereinzelt Schutzmasken getragen. Auf einem Zettel mussten Name und Sitznummer vermerkt werden, damit bei einer allfälligen Corona-Infektion zurückverfolgt werden kann, wer wo gesessen hat.

Hollinger hatte im Vorfeld sogar Daniel Koch kontaktiert, als «Mr. Corona» noch Corona-Delegierter des Bundesamts für Gesundheit (BAG) war. Er gab für die Durchführung sein Okay.
Die «Gmeini» Aesch wurde so zu einer Art Freiluft-Happening. Für Gemeindepräsidentin Hollinger und Gemeinderat Bruno Theiler (FDP) war es jeweils die letzte Gemeindeversammlung nach je 16 Jahren Amt. Beide wurden in einer knapp zweistündigen Zeremonie verabschiedet. Ein Schelm, wer denkt, die Versammlung habe vor allem deswegen stattfinden müssen.

Holz-Dom: Kantonalbank wird Namenssponsorin

Zur auf Flugblättern geäusserten Kritik an den Planungen zu Aesch Nord, dem Gewerbegebiet unter dem neuen Markennamen «Aesch Soleil», nahm Hollinger keine Stellung. Erfreulich ist die Jahresrechnung 2019: Sie schliesst mit einem Überschuss von knapp 1,6 Millionen Franken ab. Budgetiert war ein Verlust von über einer halben Million Franken.

Über den Investitionsentscheid zum Dom, dem geplanten Kultur- und Sportzentrum, wird an der September-Versammlung abgestimmt. News gabs trotzdem: So werden die Basellandschaftliche Kantonalbank als Namenssponsorin und die Bürgergemeinde Aesch das Projekt wahrscheinlich mit je einer Million Franken unterstützen.

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