Corona-Schutzmassnahmen
Lehrer aus beiden Basel begrüssen das Ende der Maskenpflicht an Schulen, doch ein Unbehagen bleibt

In Basel-Stadt und Baselland müssen Schüler und Lehrkräfte aller Stufen zum Schulstart ab Montag keine Maske mehr anziehen. Der Entscheid liegt nun in fast allen Fällen bei ihnen. Keine einfache Situation.

Michael Nittnaus
Drucken
Tempi passati: Weder Schüler noch Lehrkräfte müssen nach den Sommerferien in beiden Basel noch eine Maske tragen.

Tempi passati: Weder Schüler noch Lehrkräfte müssen nach den Sommerferien in beiden Basel noch eine Maske tragen.

Symbolbild: Ennio Leanza/Keystone

Lange warteten Basel-Stadt und Baselland ab mit dem Entscheid, mit was für einem Schutzkonzept sie die Schulen ab Montag ins neue Schuljahr starten lassen. Man wolle erst schauen, was der Bundesrat am Mittwoch bekanntgibt, hiess es. Das Credo von Gesundheitsminister Alain Berset lautete dann bekanntlich, grundsätzlich die meisten Massnahmen von vor dem Sommer weiterzuführen. Daher mag es durchaus erstaunen, dass eigentlich alle Kantone zum Schulbeginn die Maskenpflicht für Schüler und Lehrer aller Stufen fallen lassen. Die beiden Basel sind mit ihren Mitteilungen vom Donnerstag da keine Ausnahme.

Die Lockerungen kommen just während die Corona-Fallzahlen und langsam auch die Spitaleintritte wieder steigen. «Wir stützen uns auf die Empfehlungen für Innenräume des Bundesamts für Gesundheit sowie auf unseren kantonsärztlichen Dienst», sagt Fabienne Romanens, Sprecherin der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion. Neu gilt nur noch eine Maskenempfehlung, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann. Eine Pflicht ist es bloss, wenn es sich dabei um Erwachsene handelt.

Impfungen spielten bei Entscheid auch eine Rolle

In der Basler Mitteilung wird die Abstandsregel überhaupt nicht erwähnt.

«Es besteht ein starkes Bedürfnis der Schulen nach Normalität, nach einem Face-to-Face-Kontakt, bei dem man das Gesicht des Gegenübers wieder erkennt»,

sagt der Basler Erziehungsdirektor Conradin Cramer zur bz. Jean-Michel Héritier, Präsident der Freiwilligen Schulsynode Basel-Stadt, präzisiert allerdings, dass die Abstandsregel wie in Baselland gelte.

«Wir sind erleichtert, dass die Maskenpflicht wegfällt», sagt Héritier. Lehrer wie auch ältere Schüler hätten in den Sommerferien schliesslich die Möglichkeit gehabt, sich zu impfen. Zudem gelten die Hygienemassnahmen weiterhin und im Sommer sei auch das Lüften der Klassenzimmer kein Problem. In Baselland klingt es ähnlich: «Ein Grossteil der Lehrer ist sicher froh über die Lockerungen», sagt Ernst Schürch, Präsident der Amtlichen Lehrer-Kantonalkonferenz. «Ich persönlich kann den Entscheid gut annehmen», sagt auch Lehrervereinspräsident Roger von Wartburg. Er hält aber zudem fest: «Das Ganze kann bei Lehrern oder Eltern sicher auch Unbehagen auslösen.»

Lehrer sind jetzt selbst verantwortlich

Denn klar ist: «Wir setzen stärker auf die Eigenverantwortung der Lehrkräfte», sagt Romanens. Für von Wartburg ist absehbar, dass die Diskussionen, wann jemand eine Maske anziehen sollte, zunehmen werden:

«Gerade auf der Primarstufe und vor allem im Kindergarten ist es illusorisch, Abstand zu halten.»

Regierungsrat Cramer betont die Entscheidungsfreiheit. Und er sagt: «Mittlerweile ist das Maskentragen ja gut akzeptiert, sodass niemand, der sich damit sicherer fühlt, ausgelacht wird.» Hand in Hand mit dem Ende der Maskenpflicht an Schulen gehen die freiwilligen Corona-Massentests. Hier setzt Baselland sein Programm auf allen Stufen fort. In Basel-Stadt gab es Reihentests erst an der Volksschule. Nun dehnt man sie auf Mittel- und Berufsfachschulen aus. Héritier ist sich sicher: «Ohne Reihentests hätte es weiter Masken gebraucht.»

Eine Differenz zwischen beiden Basel gibt es am Montag: Erstklässler dürfen mit ihren Eltern auf dem Schulareal feiern. Doch nur in Baselland dürfen die Schulleitungen entscheiden, ob sie die Eltern auch noch ins Klassenzimmer lassen – und ob mit oder ohne Maske.

Aktuelle Nachrichten