Corona
Die Basler Nachtkultur hat es kalt erwischt

Die neusten Covid-Massnahmen bringen Clubs in Bedrängnis – und führen zu Forderungen nach zusätzlicher finanzieller Unterstützung.

Helena Krauser und Mélanie Honegger Jetzt kommentieren
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Bei Veranstaltungen gilt neu eine Maskenpflicht.

Bei Veranstaltungen gilt neu eine Maskenpflicht.

Symbolbild: Keystone

Die neuen Massnahmen des Basler Regierungsrats vom Dienstagvormittag haben in der Basler Kulturszene eine Empörungswelle ausgelöst. Die steigenden Fallzahlen sorgen in einigen Institutionen für Ausfälle und Verschiebungen. Besonders stark betroffen von den neuen Regeln ist die Nachtkultur. Konsumation ist nur noch im Sitzen erlaubt, die Maskenpflicht gilt für alle, trotz 3G. Mehrere Clubs haben deshalb entschieden, vorübergehend zu schliessen. Darunter der «Nordstern». Wegen der «nicht umsetzbaren Massnahmen» sei es behördlich zur Schliessung gezwungen worden, schreibt das Team in einer Mitteilung auf Facebook. Und weiter: «Wir dachten, in dieser Pandemie bereits alles erlebt zu haben, aber wurden heute doch wieder kalt erwischt, was uns extrem enttäuscht und traurig stimmt.»

SP fordert schnelle Hilfe für Kulturschaffende

Rückendeckung erhält die Clubszene von «Kulturstadt Jetzt». Das überparteiliche Komitee trägt die Massnahmen mit, weist aber darauf hin, dass diese für viele Clubs und Bars de facto eine weitere Schliessung bedeuten, die kaum verkraftbar sei. «Umso wichtiger ist es, dass Unterstützungsmassnahmen rasch und unkompliziert zur Verfügung ­gestellt werden. Zudem sollten aus unserer Sicht weitere alternative Massnahmen wie beispielsweise 2G für Clubs und Bars unbedingt geprüft werden», sagt Salome Hofer (SP) für «Kulturstadt Jetzt».

Doch nicht nur die Clubszene, sondern auch diverse Kulturinstitutionen spüren, dass Covid wieder zurück ist. Nicht nur gilt neu eine Maskenpflicht in allen Theaterhäusern, einige Institutionen mussten Covid-bedingt bereits Aufführungen absagen. So hat das Neue Theater in Dornach aufgrund von Covid-Fällen im Team eine Premiere, die ursprünglich auf Ende November eingeplant war, bereits zweimal verschoben.

Die Verantwortlichen der Kaserne mussten ihrerseits die Aufführungen von Choreograf Martin Zimmermann absagen, da einer der Performer aufgrund neuer Covid-Bestimmungen in Belgien festsitzt. Stand heute muss auch das Bärenmähli im Januar ausfallen: «Die Bärengesellschaft hat sich am letzten Donnerstag an ihrer Comité-­Sitzung schweren Herzens entschieden, den Bärentag vom 12. Januar 2022 abzusagen», schreibt Nicole Konstantinou von der Kaserne auf Anfrage.

Die diversen Absagen und Schliessungen rufen nun politische Forderungen auf den Plan. Die SP Basel-Stadt verlangt schnelle und unkomplizierte Hilfe für die Kulturbranche. Sie begrüsst, dass der Regierungsrat ergänzende Massnahmen für die betroffenen Branchen prüft. Neben finanziellen Hilfen für Kulturbetriebe und Freischaffende seien aber auch Bedingungen wichtig, die Kulturveranstaltungen im Rahmen des Machbaren weiterhin ermöglichten. «Der Winter wird hart, und das kulturelle Angebot ist ein wichtiger Beitrag an die psychische Gesundheit der Bevölkerung. Alles, was das Herz erwärmen kann, muss jetzt geschützt werden», heisst es in ihrer Medienmitteilung.

Bereits am Dienstagabend reichte ausserdem GLP-Grossrat Johannes Sieber eine Interpellation ein. Er möchte vom ­Regierungsrat wissen, ob dieser andere Massnahmen geprüft hat, beispielsweise eine Testpflicht für alle Clubbesuchenden. Auch er wirft die Frage nach weiteren unterstützenden Massnahmen auf.

Von Unterstützungsmassnahmen war in der Mitteilung der Regierung vom Dienstag nichts zu lesen. Das für die ­finanziellen Entschädigungen zuständige Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt (WSU) teilte am Mittwoch gegenüber der bz aber mit: «Ergänzend zu den Schutzmassnahmen prüft der Regierungsrat eine zusätzliche Unterstützung für diejenigen Betriebe, die durch die getroffenen Beschlüsse besonders stark eingeschränkt werden.»

Diese müssten mit den Massnahmen des Bundes abgestimmt sein. Die Generalsekretärin des WSU, Brigitte Meyer, erinnert daran, dass zurzeit immer noch die Kurzarbeitsentschädigungen, das Bürgschaftsprogramm und die Unterstützungsleistungen im Kulturbereich laufen.

Regierung stellt zusätzliche Unterstützung in Aussicht

Am Mittwochabend kommunizierte der Regierungsrat schliesslich, was er vom Bund erwartet. «Der Regierungsrat verlangt, dass der Bund das ­Härtefallprogramm für diese Betriebsarten wieder öffnet bzw. verlängert», heisst es in der Mitteilung. Und weiter: «Der Bund kann die Pflicht, diese Betriebe finanziell zu unterstützen, nicht allein den Kantonen aufbürden.»

Dass es schnell gehen sollte, sieht auch die Verwaltung: Ziel sei, dass die Massnahmen überlegt und verständlich sind und dass die finanziellen Auszahlungen möglichst bald erfolgen können, so Meyer vom WSU.

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