Bewerbungsverfahren

Damit Juric gegen Müller eine Chance hat

Symbolbild

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Der Kanton Basel-Stadt soll künftig anonyme Bewerbungsverfahren durchführen – damit es keine Diskriminierung gibt.

Die Basler SP-Grossrätin Michela Seggiani hat selbst die Erfahrung gemacht, bei Bewerbungen diskriminiert zu werden. Ihr italienischer Name kam ihr bei der Lehrstellensuche in die Quere. «Als ich nach einer Absage nachfragte, hiess es oft, dass sie jemanden suchten, der perfekt Deutsch kann – dabei bin ich ja in der Schweiz aufgewachsen», sagt Seggiani.

Umso mehr freute sie sich, dass der Basler Grosse Rat gestern ihren Anzug deutlich überwies, in dem sie ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren für die Verwaltung forderte. Künftig soll darauf verzichtet werden, ein Bewerbungsfoto zu verlangen. Zudem sollen in der «ersten Bewerbungsphase keine personenbezogenen Angaben wie Name, Alter, Herkunft, Behinderung oder Familienstand gemacht werden», wie es im Vorstoss heisst. So würden vorurteilsgestützte Annahmen und Rückschlüsse auf die Leistungsfähigkeit vermieden. Der Fokus liege auf dem wirklich Zählbaren: Berufserfahrung, Ausbildung und Motivation. Noch heute sei es gemäss Studien so, dass, wer einen Nachnamen habe, der mit -ic ende, deutlich weniger Chancen habe, an ein Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Nicht zum ersten Mal werden in Basel-Stadt Bestrebungen unternommen, die Bewerbungen zu anonymisieren. Ein entsprechender Vorstoss der damaligen SP-Grossrätin Sabine Suter wurde vor fünf Jahren mit der Begründung abgewiesen, der Mehrwert sei gegenüber dem Aufwand nicht genügend hoch.

Erfahrungen im Ausland sind gemischt

Bedenkenträger gab es auch gestern im Grossen Rat. Ein LDPler stellte sich auf den Standpunkt, dass «Diskriminierung» in keiner Art und Weise erwünscht sei. Doch diese Diskriminierung werde im anonymisierten Bewerbungsverfahren nur vertagt: «Wenn die erste Runde überstanden ist, dann gibt es eben in der zweiten Vorstellungsrunde ein Problem.» Die bürgerlichen Kritiker des anonymen Bewerbungsverfahrens sahen sich aber dieses Mal in der Minderheit. Selbst SVPler Heinrich Ueberwasser stand hinter dem Anliegen.

Zwei Jahre hat die Regierung nun Zeit, ein entsprechendes Projekt auszuarbeiten. Als Pionier wird sich der Stadtkanton damit nicht feiern lassen können. In den USA, Grossbritannien und Kanada ist der Verzicht auf persönliche Angaben in vielen Unternehmen weit verbreitet. In Belgien ist das anonymisierte Bewerbungsverfahren im gesamten öffentlichen Sektor bereits eingeführt worden.

Die Erfahrungen im Ausland sind nicht nur positiv – dies machte die Basler Regierung bereits in der Antwort auf den Suter-Vorstoss deutlich. «Die Ergebnisse aus den Versuchen in anderen europäischen Ländern sind durchmischt», schrieb sie. Zwar gäbe es mehr ältere Bewerber sowie Frauen, die zum Vorstellungsgespräch eingeladen würden. Bei Migranten hingegen, so lehrten die Erfahrungen im Ausland, sei der Effekt kaum wirksam.

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