Umbau

Das «Consum» wird wieder Consum – Lädelieröffnung statt Beiz an der Rheingasse

Das «Consum» wird wieder Consum – Lädelieröffnung an der Rheingasse

Praktisch über Nacht verwandelte sich das Consum in einen Quartierladen. «Das braucht die Rheingasse jetzt», sagt Krafft-CEO Franz-Xaver Leonhardt.

Ab Mittwoch hat die Rheingasse wieder einen Quartierladen: Die Weinbar «Consum» feiert Wiedereröffnung im Zeichen der Corona-Krise.

In der Rheingasse sind am Montagabend wehmütig die letzten Biere getrunken worden. Der Bundesrat verfügte am späten Nachmittag per Mitternacht die Schliessung aller Gastronomiebetriebe in der Schweiz. Nur noch Läden des täglichen Bedarfs dürfen geöffnet bleiben.

Das Team der «Consum»-Bar bediente bereits zu diesem Zeitpunkt keine Gäste mehr. Hier passierte etwas anderes: Angestellte der Krafft-Gruppe, der das Consum gehört, bauten zusammen mit Innenarchitekten die Weinbar um. In einen Laden.

Das Consum wird wieder zum Consum. Das ist gar nicht mal so weit hergeholt. Die Weinbar Consum war einst ein Lebensmittelladen, ein Consum eben. Anfang des 20. Jahrhunderts ist das Eckhaus an der Kleinbasler Rheingasse laut Krafft-CEO Franz-Xaver Leonhardt gebaut worden, darin eröffnete der erste Consum des Basler Allgemeinen Consum Vereins, dem Vorläufer des heutigen Coop.

«Einkaufen wie früher»

Die Innenarchitekten trugen Lampen in die Bar und klebten Buchstaben an eine der grossen Scheiben: «Einkaufen wie früher». Statt Stühlen und Tischen stellten sie hohe Regale in den Gastraum. Und wo noch vor einer Woche die Bier- und Weingläser standen, stehen nun grüne Kistchen parat. In diese sollen am Mittwoch Früchte und Gemüse gefüllt werden.

Nachdem auch die Regale gefüllt sind, soll der Laden laut dem Krafft-Team noch am Mittwoch eröffnen. Zu kaufen gibt es Grundnahrungsmittel wie Brot, Mehl, Äpfel, Confi, Würste, Apfelsaft, Käse, Milch. Das meiste stammt aus der Region, es sind Produkte von Lieferanten, die die Krafft-Gruppe mit ihren Hotel- und Gastronomiebetrieben beliefern. Und dies nun nicht mehr können, weil gar nichts mehr benötigt wird.

«Die Rheingasse braucht Zuspruch»

Will die Krafft-Gruppe statt der Bar einen Laden betreiben, um so der wirtschaftlichen Not zu entkommen, die so viele Gastronomen in diesen Tagen trifft? Franz-Xaver Leonhardt, CEO der Krafft-Gruppe, handelt nicht aus eigennützigen Interessen, wie er betont. Viel mehr beabsichtige er, mit dieser Idee den regionalen Produzenten unter die Arme zu greifen, indem er ihnen eine Verkaufsfläche zur Verfügung zu stellt. «Unsere Lieferanten können nichts mehr liefern und wo sollen sie denn hin mit ihrer Ware?»

Es geht Leonhardt aber auch um die Moral: «Die Rheingasse braucht jetzt trotzdem Leben, die Rheingasse braucht Zuspruch», sagt er. «Was gibt es also Besseres als hier wieder einen Quartierladen zu eröffnen.» Nachbarschaftliche Begegnung hin oder her: Mehr als vier oder fünf Leute werden im neuen Consum nicht gleichzeitig einkaufen dürfen.

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