Persönlich

Der rötelnde Wüstling und seine Schergen: Polo Hofer hätte sie besungen

Man riecht sie, bevor man sie sieht: Die Stinkmorchel alias Leichenfinger.

Man riecht sie, bevor man sie sieht: Die Stinkmorchel alias Leichenfinger.

Das Pilzuniversum fasziniert mich. Diese Namen! Die Füllinsdörfer Pilzkontrolleure warnten Anfang Jahr: Der Satanspilz ist im Anmarsch. Jetzt lassen die Kontrolleure in ihrem Bericht andere wunderbare Protagonisten auftreten. Etwa die Stinkmorchel. Sie wird auch Leichenfinger genannt. Aber warum? «In unseren Breiten gibt es nur wenige Pilze, die man riecht, bevor man sie sieht!», wissen die Kontrolleure. Der Aasgeruch locke vor allem Fliegen an. Aber nicht nur. Der Kern der Stinkmorchel gilt als Delikatesse. Beim Trockennasenprimaten Mensch. Der Name der gallertartigen Masse: Hexenei.

Die Pilzwelt ist voller Absonderlichkeiten. Da begegnen einem die Bauchwehkoralle, der Blasse Schleimkopf, der Filzige Milchling, der Rötelnde Wüstling, die Säufernase, der Zottige Reisker, die Herkuleskeule und – mein absoluter Favorit! – der Vorhautzieher. Tönt nach Figuren in einem Roman von Charles Bukowski. Oder in einem jener Filme, die früher weit nach Mitternacht ausgestrahlt wurden. Mit der Hauptfigur Grosser Schmierling. Spitzname: Kuhmaul.

Da kommt uns «Im letschte Tram» in den Sinn, Polo Hofers Lied über seltsame Berner Haltestellennamen. Galgefäld. Hänkersbrünndli. Chindlifrässer. Frei nach Polo national selig brüllen wir: «Und überhoupt: Wieso hei die Piuz sötegi Näme?»

Noch was: Wenn Sie Pilze sammeln, dann lassen Sie sie bitte, bitte, bitte kontrollieren. Um Satans willen!

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